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Bernd Gosch produziert in Waake Saft aus eigenen Früchten seiner Kunden

Saftige Ernte Bernd Gosch produziert in Waake Saft aus eigenen Früchten seiner Kunden

Mit seiner mobilen Mosterei ist Bernd Gosch im dritten Jahr von Mitte September bis Anfang November in Südniedersachsen auf Tour. Vor Ort produziert er naturtrüben Apfelsaft aus den selbst geernteten Früchten seiner Kunden. „Pro Stunde können wir rund 600 Kilogramm Äpfel verarbeiten“, erklärt er.

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Bernd Gosch bereitet auf seinem Hubtisch die zerkleinerten Apfelstücke für den Pressvorgang vor.

Quelle: Franke

Waake. Rund 100 Kilogramm Äpfel bringen Johanna und Jan-Erik Ella mit zum Termin vor dem Landwirtschaftsmuseum in Waake – geerntet im Garten der Eltern in Gieboldehausen. „Einen Teil haben wir gerade noch frisch gepflückt“, erzählt die Göttingerin, die von dieser Verarbeitung des Obstes begeistert ist.

„Wir haben die Äpfel auch schon an anderer Stelle verarbeiten lassen, wo der Saft in Flaschen gefüllt wird.“ Im vergangenen Jahr habe sie dann von der mobilen Mosterei gehört, die den Saft in eine Box mit Zapfhahn abfüllt.

„Ich kenne das Verfahren über meine Mutter aus Süddeutschland und finde es besser als die Flaschenabfüllung.“ Seine Frau habe die Idee zu dem kleinen Unternehmen gehabt, erklärt Gosch.

„Damals hatte der Vorstand der Dorfgemeinschaft Bördel eine mobile Mosterei für den Ort bestellt und meine Frau war von der Sache überzeugt.“ Jetzt ist er in seiner dritten Saison unterwegs, obwohl er zu einem schlechten Zeitpunkt gestartet war: „In der ersten Saison war die Ernte nicht besonders gut und kaum jemand nutzte das Angebot.“

Bernd Gosch produziert in Waake Saft aus eigenen Früchten seiner Kunden

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In diesem Jahr ist die Ernte gut. Gemeinsam mit Sven-Erik Engmann vom Mostteam füllen die Göttinger ihre 100 Kilogramm Äpfel in die Maschine. Die ganz kleinen fallen durchs Raster, die übrigen werden auf einer Rampe gesäubert, ehe sie am oberen Ende in einen Häcksler fallen.

Die entstandene Masse stapelt Gosch in feinmaschigen Netzen in mehreren Lagen auf einem Hubtisch. Mit 30 Tonnen Druck presst er im Anschluss den Saft aus der Masse. Wer möchte, könnte sich zu diesem Zeitpunkt seinen Saft kalt abfüllen lassen – zur Apfelweinherstellung.

Doch in diesem Fall soll lange haltbarer Saft entstehen. „Deshalb erhitzen wir die Flüssigkeit für etwa 20 Sekunden auf rund 79 Grad“, erklärt Robert Görlitz, Student der Ökologischen Agrarwissenschaften, bevor er den Saft in die Beutel mit dem Zapfhahn abfüllt und in den vorbereiteten Karton stellt.

Am Ende fahren Johanna und Jan-Erik Ella mit rund 65 Litern naturtrübem Apfelsaft nach Hause – mindestens ein Jahr haltbar und hergestellt aus den eigenen Früchten.

Weitere Informationen und alle Termine auf mostgosch.de

Kurze Erwärmung für lange Haltbarkeit

Die kurzzeitige Erwärmung des Saftes auf 79 Grad beruht auf dem Prinzip der Pasteurisierung. Das Verfahren wurde 1864 von dem französischen Chemiker Louis Pasteur (1822–1895) entwickelt. Die höhere Temperatur lässt die meisten der im Saft enthaltenen Mikroorganismen absterben und erhöht die Haltbarkeit. Dabei werden im Gegensatz zur Sterilisierung Nährwert, Geschmack und Konsistenz des Getränks nur minimal verändert. Wichtig für die Haltbarkeit ist darüber hinaus, den Saft möglichst ohne Luft im Behälter zu lagern, um zu verhindern, dass der Gärprozess einsetzt.

Von Rüdiger Franke

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