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Besichtigung des Krematoriums vom Parkfriedhof Göttingen

Asche zu Asche Besichtigung des Krematoriums vom Parkfriedhof Göttingen

Die Räumlichkeiten wirken zweckmäßig. Gekachelte Wände, grauer Fußboden. Die beiden Öfen machen sich beim Betreten des Raumes nur durch die Restwärme bemerkbar, die von ihrem kürzlichen Gebrauch kündet. Ein Krematorium, sagt Friedhof-Fachdienstleiter Wolfgang Gieße, „hätte man heute mit mehr Ambiente gebaut.“

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Im Herzen der Anlage: Wolfgang Gieße erklärt den Besuchern die Funktionsweise der Öfen – und beantwortet geduldig viele Fragen.

Quelle: Heller

Göttingen. Zum mittlerweile dritten Mal führt er eine Besuchergruppe durch das Krematorium des Parkfriedhofs Junkerberg. Das Interesse an der mit dem Gütesiegel „Kontrolliertes Krematorium“ ausgezeichneten Einrichtung ist hoch.

Das Siegel sagt aus, dass hier Feuerbestattungen mit Würde und ökologischer Effizienz möglich sind. Der Spagat zwischen beidem sei nicht jedem einfach zu vermitteln, sagt Gieße, als er erklärt, dass die Energie der Öfen über Wärmetauscher im Winter auch das Gebäude heizt.

Die Anlage ist technisch auf dem neuesten Stand: Aus einem Leitstand werden die 2012 erneuerten Öfen kontrolliert. Für eine Einäscherung benötigen sie ungefähr eine Stunde. Die Schamottsteine in ihrem Inneren werden auf 800 Grad Celsius erwärmt – mehr als genug, um einen Sarg Feuer fangen zu lassen.

Dieser sei bei der Einäscherung entgegen vieler Vermutungen zwingend vorgeschrieben, da er als Energieträger fungiere. Der Leichnahm könne so gleichmäßig zersetzt werden, bevor die Überreste nach unten auf die Falltür zu einer weiteren Kammer fallen. Diese Konstruktion, erklärt Gieße einer besorgten Zuhörerin, schließe die Durchmischung der Überreste verschiedener Sterblicher definitiv aus. Fragen gibt es viele, während sich die Gruppe um die Öfen schart.

„Es klingt makaber, aber in Deutschland ist Leichentourismus an der Tagesordnung“

Jemand möchte wissen, ob Hinterbliebene der Einäscherung beiwohnen können. Das sei nur durch eine Videoschalte zwischen Krematorium und Kapelle möglich. Auch die Frage, ob die Einäscherung korpulenter Menschen teurer sei, verneint Gieße: Die reine Einäscherung  koste 160 Euro, die bei Feuerbestattung vorgeschriebene zweite ärztliche Todesfeststellung, Kühlraum und Mehrwertsteuer erhöhen die Kosten auf insgesamt 293 Euro.

Es ist nicht das einzige Mal, dass an diesem Nachmittag über Geld gesprochen wird. „Ein Preiskampf zwischen der städtischen und privaten Bestattung ist da“, sagt Gieße. Über die genauen Preise wisse er nichts, aber „nicht jeder Mensch, der in Göttingen stirbt, wird hier auch eingeäschert.“ Oft wichen Bestattungsinstitute auf andere Anbieter irgendwo in Deutschland aus. „Es klingt makaber, aber in Deutschland ist Leichentourismus an der Tagesordnung.“

Im kommenden Jahr werden wegen der hohen Nachfrage voraussichtlich vier Besichtigungstermine des städtischen Krematoriums angeboten. Termine dafür stehen noch nicht fest.

Von Jonas Rohde

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