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Bessere Hilfen gegen sexuelle Gewalt gefordert

Ausstattung und Ausbau von Angeboten Bessere Hilfen gegen sexuelle Gewalt gefordert

Ein Jahr nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe am Berliner Canisius-Kolleg haben bundesweit Fachstellen gegen sexuelle Gewalt bessere Hilfen für Betroffene gefordert. Die gemeinsame Stellungnahme von mehr als 100 Einrichtungen wurde auch vom Frauennotruf Göttingen unterzeichnet.

Nach einem Jahr öffentlicher Diskussion über die sexuelle Ausbeutung von Kindern und dem Bekanntwerden zahlreicher weiterer Missbrauchsfälle in unterschiedlichen Einrichtungen sei wenig geschehen, heißt es in einer Pressemitteilung. Bisher sei keine Verbesserung der Hilfen für Betroffene festzustellen. Die Fachstellen kritisieren, dass sie bei dem von der Bundesregierung zum Thema eingerichteten Runden Tisch zum Thema sexueller Kindesmissbrauch nicht ausreichend vertreten seien. Damit blieben die Erfahrungen der Stellen weitgehend ungenutzt, die in den vergangenen Jahrzehnten die Angebote und Konzepte zum Thema sexualisierte Gewalt aufgebaut hätten und in denen sich Fachwissen zu allen Themenfeldern von Prävention, Intervention, Fachberatung, Vernetzung bis hin zur Qualitätssicherung bündele.

Diese vorhandenen Angebote sollten abgesichert und flächendeckend ausgebaut werden, lautet eine Forderung. Dazu müssten von Schließung bedrohte Fachstellen mit ausreichenden Ressourcen ausgestattet werden. Nur so könne eine personelle Kontinuität gewährleistet werden. Fachstellen trügen zu schnellen und Kosten sparenden Hilfen bei.

Um den sehr unterschiedlichen Bedürfnissen der Opfer gerecht zu werden, müssten alltagsstabilisierende Soforthilfen nach der Aufdeckung sexueller Gewalterfahrungen bereit stehen, lautet eine weitere Forderung. Die Maßnahmen kosteten zwar Geld, doch entstünden jährlich auch hohe Folgekosten von sexueller Gewalt.

In den Strafverfahren gegen die Täter müsse der Opferschutz gewahrt werden, heißt es weiter. Die Praxis der Strafverfolgungsbehörden vernachlässige in vielen Fällen den gesetzlich vorgesehenen Opferschutz. Die Erstattung einer Strafanzeige bedeute sehr häufig eine Retraumatisierung des Opfers und stelle eine Gefährdung des Kindeswohls dar.

Wichtig seien unter anderem eine zeitnahe und kurze Verfahrensdauer, verbindliche Mindeststandards für die Vernehmung der Opfer, die Vermeidung von Mehrfachvernehmungen und Vernehmung nur durch speziell geschultes Personal. Nach einer zeitlich unverzüglichen, richterlichen Vernehmung müsse dem Opfer bei Bedarf die zeitnahe therapeutische Be- und Verarbeitung der Gewalterfahrung ermöglicht werden, ohne dass dies in der Hauptverhandlung zu juristischen Nachteilen für die Betroffenen führe. Die Bundesregierung solle darüber hinaus die Verpflichtung für Institutionen rechtlich festschreiben, dass diese in jedem Fall der Vermutung eines strafrechtlich relevanten sexuellen Missbrauchs oder fachlich relevanter sexueller Grenzverletzungen eine externe, trägerunabhängige Fachberatung hinzuziehen müssen.

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