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Bestehende Konzepte ausweiten

Schlägerei in der Innenstadt Bestehende Konzepte ausweiten

Seit der Auseinandersetzung mit bis zu 250 Personen in der Göttinger Innenstadt am Sonntag vergangener Woche wird das Thema nicht nur in den sozialen Netzwerken diskutiert. Während die einen sich auf Stimmungsmache verlegen, suchen andere bereits nach Lösungen für ein Problem, das möglicherweise keines ist.

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Christian Hölscher

Quelle: Vetter

Göttingen. Seit Sonntagabend füllen sich die Kommentarspalten auch auf den Seiten des Tageblatts mit teilweise wenig rationalen Kommentaren. Auch im direkten Gespräch mit Anliegern oder Zeugen schwanken die Aussagen zwischen Sorge und Unverständnis. Allen gemein ist eine gewisse Ratlosigkeit, wie mit einem solchen Ereignis umzugehen ist. Einhellig ist auch die positive Meinung zum Einsatz der Polizei, die souverän eingeschritten sei.

Gibt es ein Problem im nördlichen Eingangsbereich der Innenstadt? Eskaliert hier ein Konflikt verschiedener kultureller Gruppen? Abseits der populistischen Stimmen im Netz wird auch auf offizieller Seite nach Antworten gesucht. Die Polizei arbeitet an einem Konzept, analysiert derzeit die relevanten Polizeieinsätze der vergangenen Tage sowohl mit Blick auf die Tätergruppe, als auch auf den Bereich rund um den Waageplatz.

Dass sich das Viertel in den vergangenen Monaten massiv verändert habe, stehe außer Frage, sagt Christian Hölscher, Geschäftsführer des Vereins Jugendhilfe Göttingen. Darauf habe man in der Vergangenheit bereits hingewiesen. Seine Kollegen der aufsuchenden Jugendarbeit sind jeden Freitag und Sonnabend als Ansprechpartner in diesem Bereich unterwegs. „Am Sonntag waren wir aber nicht vor Ort.“ Daher wolle er auch bewusst keine Bewertung der Auseinandersetzung vornehmen. „Ich gehe aber zunächst von einem singulären Ereignis aus.“

Zudem sei die am Sonntag beteiligte Personengruppe außerhalb der Zuständigkeit der Jugendhilfe. Es habe sich mehrheitlich um Erwachsene und junge Erwachsene gehandelt. Die Besuchergruppe des gesamten Bereichs von Gothaer Haus über die Reitstallstraße bis zu Robert-Gernhardt-Platz und Waageplatz sei extrem inhomogen. Während sich vor allem in der Mittagszeit hier die Fahrschüler tummeln, nutzen tagsüber Passanten aber auch einige Obdachlose das Areal, abends kommen die Partygänger dazu. Zudem habe sich der Bereich als Treffpunkt für junge Flüchtlinge entwickelt. Eine Beobachtung, die Verwaltungssprecher Detelf Johannson bestätigt.

„Das Areal lädt ob seiner Anonymität ein, hier auch Dinge zu tun, die mit dem Gesetz nicht vereinbar sind“, weiß Hölscher. Es bedarf einer stärkeren sozialen Kontrolle. Bestehende Konzepte müssten auf neue Orte und neue Personengruppen ausgeweitet werden. Ihm sei aber sehr daran gelegen, jetzt nicht Personen bestimmter Herkunft zu stigmatisieren, rechten Kräften in die Karten zu spielen oder instinktiv nach mehr Sicherheit zu schreien. Der nördliche Innenstadtbereich müsse als Gesamtthema angegangen werden.

Von Markus Scharf

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