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Besuch im neu eingerichteten Depot des Städtischen Museums Göttingen

Herausforderungen alter Dinge Besuch im neu eingerichteten Depot des Städtischen Museums Göttingen

Seit 2008 werden die Gebäude des Städtischen Museums saniert. Die Dauerausstellung und eingelagerte Gegenstände mussten dafür ausziehen: 150 000 Objekte waren zu inventarisieren, bevor sie in Zwischenlagern untergebracht werden konnten – und jetzt in einem nach Museumsstandards eingerichteten großen Depot.

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Quelle: Hinzmann

Göttingen. Die Entdeckung, dass die Alte Posthalterei, mittlerweile Sitz der Museumsverwaltung, die Remise und der Hardenberger Hof marode sind, stellte die Stadt Göttingen vor Probleme. „Das Haus musste vor der Sanierung freigeräumt werden – und alle Gegenstände waren zu inventarisieren“, berichtet Dagmar Schlapeit-Beck, Dezernentin für Soziales und Kultur, „und zwar fast der Bestand von 125 Jahren seit Museumsgründung“.

Die Lagerbedingungen in den historischen Gebäuden am Ritterplan waren alles andere als optimal. Im Lauf der Jahrzehnte kamen tausende stadtgeschichtlicher Gegenstände zusammen, die in Regalen, auf Dachböden und in Kellerräumen untergebracht wurden. Die Suche nach einem Depot begann. „Wir haben viele Standorte geprüft“, sagt Schlapeit-Beck. Die Stadt mietete eine ehemalige Gewerbeimmobilie an, die mit Unterstützung des Eigentümers für 226 000 Euro umgebaut wurde. Weitere 200 000 Euro wurden in die Ausstattung investiert: Alarmanlage, Klima-Überwachung, Regalsysteme, Schränke.

Museumskuratorin Andrea Rechenberg und ihre Kollegen sowie einige studentische Helfer  sorgen dafür, dass sich die Aufbewahrungssysteme nach und nach füllen. Bislang sind nach ihrer Schätzung rund 27 000 Objekte dort eingelagert. In Kartons verpackt erreichen die gegenständlichen Zeitzeugen das Depot, „jede Objektgruppe stellt uns vor besondere Herausforderungen“. Alles was eingelagert wird, muss schädlingsfrei sei. Damit Mikroben und Holzwürmer dem Depot fernbleiben, stehen vor dem Auspacken und Einräumen eine Stickstoffbehandlung und die Reinigung.

In den Räumen finden verschiedene Objektgruppen Platz. Rechenberg lüftet ein zartes Vlies in einem Regalfach im ersten Raum: Darunter werden staubfrei feine Teekännchen von Fürstenberg und andere Kostbarkeiten aus Porzellan aufbewahrt. „Jedes Fach ist mit einer Inventarliste und Fotos ausgestattet“, erklärt die Kuratorin. Gleich nebenan stehen große Metallschränke mit leichtgängigen Schüben unterschiedlicher Höhe. Darin ruhen etwa Gefäße aus Zinn, „die konnten früher von der Stadt für Hochzeiten ausgeliehen werden“, erzählt Rechenberg und nimmt, mit Handschuhen an den Händen, ein sogenanntes Ohrschüsselchen aus seinem Aufbewahrungsbehältnis.

Im Nachbarraum ist Kunst zu sehen. An riesigen beweglichen Metallgittern, einer Gemäldezuganlage, hängt ein Bild über dem anderen. Das Lieblingsbild der Kuratorin füllt beinahe eine ganze Wand aus: ein monströses Ölgemälde, dessen Auftraggeber sich selbst und seine Jagdgenossen hoch zu Pferde mitsamt einem Eber und grimmigen Hunden verewigen ließ. Spielzeug, Elektrogeräte und anderes Haushaltsgerät, Möbel, alte Lampen und Christgartenhäuser: Viele Stunden verbringen die Museumsmitarbeiter damit, die Objekte einzusortieren. Und freuen sich über die Schätze, die sie entdecken. Und manchmal, sagt Rechenberg, erschrecke sie ein wenig über den Berg an Arbeit, der noch vor ihnen liegt.

©Hinzmann

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