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Besucheransturm bei Tafeln in Göttingen und Region

Genug für alle Besucheransturm bei Tafeln in Göttingen und Region

„Weihnachten ist extrem.” Das sagt Martina May, Geschäftsführerin der Göttinger Tafel. Und sie sagt es mit Nachdruck. Gerade sitzt sie am Tisch ihres Büros, in dem sich hunderte von Weihnachtspaketen stapeln, die Schüler für Bedürftigte gespendet haben.

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Dankbar: Dieser Tafel-Kunde freut sich über die Lebensmittelspende.

Quelle: Hinzmann

Göttingen / Osterode. Es ist laut an diesem Tag, draußen warten Kunden auf ihre Lebensmittel, drinnen sortieren Mays Kollegen Kiste um Kiste, während weitere Geschenkpakete gerade auf den Hof gefahren werden.

Besinnlichkeit herrscht hier nicht. Aber von May und ihren Kollegen kann man lernen, dass sich auch chaotische Betriebsamkeit weihnachtlich anfühlen kann. Für die Tafeln in der Region ist das Jahresende eine besonders anstrengende Zeit. In diesem Jahr müssen sie sich zudem noch anderen Herausforderungen stellen.

„Jeder, der hierher kommt, bekommt auch ein Päckchen”, erzählt eine Frau, die vor der Göttinger Tafel in der Mauerstraße darauf wartet, dass ihr Name aufgerufen wird. Zusätzlich zu Grundnahrungsmitteln erhalten alle Besucher heute Weihnachtspäckchen – die, die sich gerade in Mays Büro stapeln.

„Letztes Jahr hat mein Sohn Bücher, CDs und Lernspiele bekommen. Wenn man so etwas sonst nicht kaufen kann, ist das viel wert”, erzählt die Frau weiter. Auch an Lebensmitteln sei immer genug da, auch, nachdem die Tafeln in den vergangenen Wochen überall in Deutschland spürbar mehr Kunden bekommen haben: Flüchtlinge.

Die Frau benutzt den Begriff nicht als das Schimpfwort, zu dem er bei vielen Menschen schon geworden zu sein scheint. „Die Meisten verstehen halt nicht viel Deutsch, wie auch? Dann müssen andere halt ein bisschen länger warten.”

Jeder, der hierher kommt, bekommt auch ein Päckchen”, erzählt eine Frau, die vor der Göttinger Tafel in der Mauerstraße darauf wartet, dass ihr Name aufgerufen wird. © Hinzmann

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So sieht das auch Hartmut Herrmann, Vorstandsvorsitzender der Tafel Osterode. „Wir verzeichnen an all unseren Ausgabestellen mehr Flüchtlinge, viele kommen aus Somalia, Syrien oder dem Iran.” Mühe mache das schon, „weil sie oft kein Englisch sprechen”, aber wirkliche Probleme oder Beschwerden anderer Tafel-Kunden – etwa, weil diese länger warten müssen – gebe es bislang nicht.

Auf religiöse Esskulturen werde wie in anderen Tafeln auch schon immer Rücksicht genommen, betont Herrmann.

Auch May hat diese Entwicklungen im Blick. „Wir haben in den letzten Wochen rund 160 Flüchtlinge als Kunden bekommen.” Die meisten von ihnen sind Syrer und sprechen Arabisch. „Probleme gibt es keine, aber wir wollen nichts eskalieren lassen.” Daher hat sie sich schon vom Migrationszentrum in der Weender Straße beraten lassen.

Für Anfang kommenden Jahres ist ein interkulturelles Training für ihre Mitarbeiter geplant. Sorgen bereiten ihr gerade andere Dinge: Durch den Wegfall der Bürgerarbeit zum Jahresende benötigt sie dringend Fahrer, die Lebensmittel abholen. „Ein Bundesfreiwilligendienstler könnte auch sofort anfangen”, sagt sie und seufzt. Es gibt viel zu tun, auch nach der Weihnachtszeit. „Aber bis jetzt haben wir das immer irgendwie hinbekommen.”

Die Tafel in Zahlen

Tafel Göttingen:

  • 117 Mitglieder, Mitarbeiter und Fördermitglieder
  • 5 Ausgabestellen: Innenstadt, Grone, Geismar, Holtenser Berg, Bovenden
  • rund 1400 Bedürftige
  • 200 Tonnen Nahrungsmittel pro Jahr
  • Tafel Osterode:
  • 168 Mitglieder, Mitarbeiter und Fördermitglieder
  • 6 Ausgabestellen: Osterode, Duderstadt, Gieboldehausen, Herzberg, Bad Lauterberg, Hattorf
  • rund 1900 Bedürftige
  • 225 Tonnen Nahrungsmittel pro Jahr
  • Weitere Tafeln gibt es etwa in Northeim und Hann. Münden sowie Ausgabestellen in anderen Orten in der Region.

Von Jonas Rohde

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