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Betagte Falken brüten

St. Jacobi Betagte Falken brüten

Der Brutkasten war schon geschlossen, doch nach einem Jahr Pause ist das Wanderfalken-Pärchen von St. Jacobi wieder auf den Kirchturm zurückgekehrt – und wieder aktiv. Die Gemeinde hat den Kasten nun trotz bevorstehender Turmsanierung wieder geöffnet.

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Brutort für die seltenen Wanderfalken: der Kirchturm von St. Jacobi.

Quelle: Christina Hinzmann

Seit 1993 ist ein Wanderfalkenpaar im Kirchturm von St. Jacobi zu Hause. Immer wieder war es auf dem Kirchdach oder -turm zu beobachten und zog dort seine Jungen groß. Während der Brut- und Aufzuchtphase war der obere Teil des Jacobikirchturms für Besucher gesperrt.
Im vergangenen Jahr wurde allerdings kein Nachwuchs ausgebrütet. In der Kirchengemeinde rechnete man daher kaum noch mit weiterem Nachwuchs. Das gefiederte Pärchen ist schließlich für Falkenverhältnisse hochbetagt.
Denn im Schnitt werden Wanderfalken nach Angaben der Kirchengemeinde 15 Jahre alt. Das Pärchen – laut Beringung aus den Brutjahrgängen 1990 und 1991 – ist bereits deutlich älter. Angesichts des zuletzt ausgebliebenen Nachwuchses und der bevorstehenden Turmsanierung schloss die Kirchengemeinde daher den Brutkasten. Dies sei mit Einverständnis der Naturschutzbehörde geschehen, so Pastor Harald Storz. Auf dem Johanniskirchturm ist bereits ein Ersatzbrutkasten installiert.
Doch es kam anders. Das Pärchen kehrte, nicht nur betagt, sondern auch beharrlich, in den Kirchturm zurück. Obwohl der Turm oben nicht gesperrt war und obwohl der Kasten geschlossen war, legte das Weibchen trotzdem ein Ei – auf das Mauerwerk, wo es verlorenging. Die Kirchengemeinde öffnete daraufhin wieder den Brutkasten. Nun muss sich zeigen, ob weitere Eier gelegt werden und Nachwuchs schlüpft.
Der Kirchengemeinde steht allerdings eine Turmsanierung für mehrere Millionen Euro ins Haus. Ab Ende April oder Anfang Mai soll laut Storz der Bau eines Gerüstes beginnen, das allerdings erst nach mehreren Wochen die Turmspitze erreichen wird. Falls dann tatsächlich Falkennachwuchs vorhanden ist, soll die Familie notfalls in den Johanniskirchturm umgesiedelt werden, ebenfalls mit Einverständnis der Naturschutzbehörde, wie Storz betont. Die Sanierung des Jacobi-Kirchturms soll etwa fünf Jahre dauern – dann wird das jetzige Falkenpärchen nicht mehr leben. Es besteht die Absicht, dann ein neues Pärchen anzusiedeln.

Rote Liste

Der Wanderfalken-Brutkasten im Jacobi-Kirchturm hat nach Angaben der Gemeinde 15 Jahre lang dazu beigetragen, dass sich der stark gefährdete Wanderfalken-Bestand auch in Niedersachsen positiv entwickelt hat. 1975 habe in Niedersachsen nur noch ein einziges Paar gebrütet. 1994 seien es bereits sieben, 2007 mehr als 45 Brutpaare in Niedersachsen gewesen. Der Wanderfalke stehe immer noch in der roten Liste der stark gefährdeten Vogelarten. Er sei aber auch in die sogenannte weiße Liste der Brut- und Gastvögel aufgenommen worden, die das Niedersächsische Umweltministerium 2006 herausgegeben habe. Die Liste verzeichne Vogelarten, deren Bestand sich in den letzten Jahren durch Bruthilfe- und Naturschutzmaßnahmen deutlich verbessert habe.
Die Jacobi-Wanderfalken waren in den vergangenen Jahren auf verschiedene Weise in das Gemeindeleben einbezogen worden. So sind die Türgriffe des Hauptportals als Wanderfalken gestaltet – zum einen wegen der gefiederten Bewohner im Turm, zum anderen, weil ihr wissenschaftlicher Name „Pilgerfalke“ lautet. Die Kirche ist schließlich benannt nach Apostel Jakobus, dem Schutzheiligen der Pilger. Als „Piepshow“ in einer Göttinger Kirche wurde eine Kamera im Brutkasten installiert, so dass es für Turmbesucher möglich sein sollte, den Falken-Nachwuchs per Monitor zu beobachten.

Von Jörn Barke

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