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Betrüger leimt Landwirte in der Region Göttingen

Vor Gericht Betrüger leimt Landwirte in der Region Göttingen

Der angebliche alte Bekannte hatte die Telefonnummer aus dem Branchenbuch. Er bot den Angerufenen ein Schnäppchen an: einen Gabelstapler, einen Hänger, Kipper oder Minibagger weit unter Preis. Die Anzahlung zahlten fast alle bereitwillig bar und im voraus - insgesamt 23 500 Euro. Jetzt steht der Betrüger vor Gericht.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Der 47-Jährige hat voll gestanden - schon beim Haftrichter. Er hat sogar Fälle eingeräumt, die kannte die Polizei noch nicht. Auch im Gericht gibt er alles zu. Schuld sei ein Rückfall in die Spielsucht. Die hatte ihn schon ins Gefängnis gebracht. Nach der letzten Haftentlassung habe er als Kraftfahrer gearbeitet, auch eine Frau kennengelernt, sei zu ihr gezogen, habe dort in Karlsruhe darunter gelitten, dass ihm jeder andere Kontakt fehlt, und habe schließlich wieder Spielotheken aufgesucht. 80 Prozent dessen, was er durch seine Betrügereien einnahm, habe er gleich wieder in Spielautomaten versenkt. Zum Schluss habe er im einem Auto gehaust, habe vor der Polizeidirektion gestanden und sich stellen wollen, sei dann aber doch wieder in die Spielhalle gegangen - und dort festgenommen worden.

 
Angeklagt sind zehn Fälle des gewerbsmäßigen Betruges. Zwischen Mai 2014 und Januar 2015 hat der Betrüger Landwirte und Bauunternehmer von fünf verschiedenen Mobiltelefonen aus angerufen und sich jeweils als alter Bekannter aus Schulzeit oder Ausbildung ausgegeben. Er habe jetzt ein tolles Angebot und deshalb gleich an den Bekannten gedacht. Dann bot er Gabelstapler, Minibagger oder landwirtschaftliche Geräte zum Kauf an. Fast alle Interessenten stiegen auf die tolle Gelegenheit ein. Nur einer der Angerufenen war sich sicher, den angeblich alten Bekannten in Wahrheit nicht zu kennen. Der Bauer aus Zorge schlug das Angebot aus. Ein zweiter recherchierte im Internet, dass das für 3000 Euro angebotene Gerät das Zehnfache kosten müsste. Auch er verzichtete.  

 
Die anderen, Landwirte aus den Gemeinden Dransfeld, Friedland, Gieboldehausen, aus Duderstadt und Nörten-Hardenberg, zahlten zwischen 500 und 5000 Euro Anzahlung. Geliefert wurde nie etwas. Er wisse, was in den Betrieben so gebraucht werde, sagte der Angeklagte. Und „bei den Angesprochenen standen wohl die Dollarzeichen in den Augen“, ergänzte sein Verteidiger.  

 
Ein psychiatrischer Sachverständiger attestierte dem Angeklagten Spielsucht, so dass er bei den meisten Taten eingeschränkt schuldfähig gewesen sei. Nur bei den drei ersten Betrügereien habe er sich voll zu verantworten. Das Urteil wird am Mittwoch erwartet.

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