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Betrügerische Teppichreiniger zu Bewährungsstrafen verurteilt

28450 Euro ergaunert Betrügerische Teppichreiniger zu Bewährungsstrafen verurteilt

Das Amtsgericht hat vier Männer zwischen 22 und 55 Jahren wegen bandenmäßigen Betruges und strafbarer Werbung zu Haftstrafen zwischen 14 und 21 Monaten verurteilt. Ein zur Tatzeit noch Heranwachsender kam mit Strafvorbehalt davon. Der Familienclan hat Kunden mit extrem überteuerter Teppichreinigung geprellt.

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Quelle: dpa

Northeim. Den größten Raum der Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht nahm „das Kungeln“ ein. So nennt eines der Opfer das, was im Prozessrecht die „Verständigung im Strafverfahren“ genannt wird. Gegen ein Geständnis dessen, was in der Anklage steht, gibt es die Zusage einer Höchststrafe oder, wie hier, der Bewährung. Die Opfer müssen nicht mehr aussagen.

Wie es den Opfern aber erging, kommt nur dem unfreiwilligen Lauscher zu Ohren, als einer der vier Verurteilten sich durchringt und bei zwei Geprellten im Zuhörerraum entschuldigt. Mehrere Orientteppiche, Erbstücke von Großmutter und dem verstorbenen Bruder, sollten gereinigt und „für die Familie erhalten“ werden. Voll des Lobes sei der Teppichreiniger über die „wertvollen, unwiederbringlichen, heute gar nicht mehr zu bekommenden“ Stücke gewesen. Deshalb  bot er „das Beste, was es als Reinigung gebe“. Eine Spezialreinigung von Hand, Frostbehandlung gegen Motten, Imprägnierung, Rückfettung, Aufarbeitung von Saum und Fransen. Erst viel später erfuhr das Ehepaar, dass eine teure Motten-Behandlung gegen einen Ziegenhaar-Teppich sinnlos ist und dass ihre wertvollen Stücke lediglich maschinell und mit Leitungswasser von einer Firma im Nordhessischen bearbeitet worden waren. Kosten: 16,50 je Quadratmeter. Bei den angeklagten Teppichreinigern zahlten sie jedoch mehr als das Zehnfache. 3000 Euro Verlust.

28450 Euro für Teppichreinigung

Die Anklage listet 14 Fälle des Betruges mit überteuerter Reinigung auf. Insgesamt 28 450 Euro zahlten die Kunden dafür. Wert war die Reinigung nach Berechnungen der Staatsanwaltschaft gerade einmal 2640 Euro. Von Handreinigung keine Spur, obwohl ein Reinigungsexperte in den Ermittlungen ausgesagt hatte, das müsse man doch wissen, dass heute niemand ohne Maschinen reinige. Aber wer den Shampoonierer mit der Hand schiebe, mache ja schließlich auch Handreinigung.

Und was gibt der, der als einziger der Angeklagten lesen und schreiben kann und der deshalb das Gewerbe in Northeim im Januar 2013 anmeldete, als Grund für den Betrug an? Er habe Vater werden wollen, es klappte aber nicht. Das habe teure Behandlungen erfordert. Deshalb habe er „aus Liebe und für die Familie der Frau“ mitgemacht. Die anderen drei, zwei Brüder und ein Stiefvater, stammen aus Familien, die laut Verteidiger „über Väter und Vätersväter im reisenden Teppichgewerbe“ seien. Weil heute aber nichts mehr zu verkaufen sei, habe man es mit Reinigung versucht.

100 Stunden gemeinnützige Arbeit

Das Gericht honoriert die Geständnisse, verhängt Strafen von einem Jahr, zwei Monaten bis zu 21 Monaten und erlegt den Verurteilten je 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit auf. Während der Bewährungszeit hat ein jeder monatlich 25 Euro Wiedergutmachung zu zahlen, damit  die Opfer wenigstens einen Teil des Schadens zurück erhalten.

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