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Betrugsprozess um Tarnfirma: Angeklagter legt Geständnis ab

"Von Beginn an zum Generieren von Kohle gedacht" Betrugsprozess um Tarnfirma: Angeklagter legt Geständnis ab

Im Prozess um gewerbsmäßigen Bandenbetrug durch Betrieb einer Tarnfirma hat einer der Angeklagten am Freitag ein detailreiches Geständnis abgelegt. Zuvor hatte die Wirtschaftsstrafkammer für alle drei Angeklagten Höchststrafen von 14 bis 20 Monaten in Aussicht gestellt, falls die Vorwürfe der Anklage eingeräumt würden.

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Quelle: dpa (Symbolfoto)

Göttingen/Zorge. Diese Strafen könnten theoretisch noch zur Bewährung ausgesetzt werden. Dennoch entschlossen sich zwei Angeklagte zunächst zu schweigen, weil nicht klar ist, ob ihre schon laufenden Bewährungen widerrufen werden.

Der 35-Jährige, Noch-Ehemann der angeklagten Firmeninhaberin, räumte hingegen rückhaltlos ein: "Die Firma wurde aus dem Nichts gestampft. Sie war von Beginn an zum Generieren von Kohle gedacht." Das sei allen klar gewesen, auch den wenigen tatsächlich bezahlten Mitarbeitern. Einzig die Stammbelegschaft sollte bezahlt werden. Auf einen fest angestellten Mitarbeiter sollten zehn Leiharbeiter kommen, deren Lohn man habe schuldig bleiben wollen.

Der 35-Jährige holte weit aus: Schon 2008 sei das Landeskriminalamt Thüringen in Nordhausen bei Ermittlungen gegen Organisierte Kriminalität auf ihn gekommen, weil er Geschäfte mit gefälschten Pässen gemacht habe. Er selber hatte damals einen belgischen, seine Frau einen ebenfalls gefälschten griechischen Pass auf den Namen Dr. Violetta Kosicz. Dieser sei der einzige gewesen, der bei den Behörden noch nicht "verbrannt" war. Deshalb habe seine Frau  unter falschem Namen die Firma gründen müssen.  In die Handwerksrolle eingetragen wurde der Großvater des Mitangeklagten, "ein alter Mann, den wir instrumentalisiert haben". Auf die Idee sei man bei einer Weihnachtsfeier gekommen: Eine Scheinfirma gründen, Leiharbeiter einsetzen, Lohn für sie kassieren und niemanden etwas bezahlten, "da kann man 'ne Mark mit machen".  Der Angeklagte weiter: "Wir haben beschissen auf Teufel komm raus."

Heute tue ihm das leid. Denn es seien vor allem Polen beschäftigt worden, die "fleißig, anständig und gut ausgebildet" gewesen seien. "Wir haben die voll verarscht." Selber sei er damals ständig bekokst oder besoffen gewesen. Von dem Geld, das die Firma einnahm, habe man nur das ausgegeben, was nötig war, um den Laden unentdeckt weiter laufen zu lassen. Den Rest habe er mit dem Mitangeklagten geteilt. Das seien wöchendlich rund 6000 Euro gewesen. 1500 gingen an seine Frau, "den Rest habe ich durch(die Nase)gezogen".

Auf Firmenkosten - was  die Firma aber nie zahlte - habe man sich in guten Hotels einquartiert, einmal auch einen gemeinsamen Luxusurlaub gemacht. "Uns gings nicht schlecht." Leihwagen, privat ein Porsche, die Mitarbeiter in guten Hotels - nichts wurde bezahlt. Hätte sich auch nicht gerechnet. Die Aufträge habe die Elektroanlagenbau-Firma bei kalkulierten Stundenlöhnen von 23 Euro erhalten.

Tatsächlich hätten die angeheuerten Leiharbeiter aber bis zu 30 Euro je Stunde plus 80 Euro fürs Hotel gekostet. Als alles aufzufliegen drohte, habe man einen Kumpel angeheuert, der als angeblicher Mitarbeiter der Finanzkontrolle Schwarzarbeit Probleme mit den Behörden vorgaukeln sollte. Damit sollte der Zahlungsverzug glaubhaft werden. Das klappte. Er selber, so der geständige Angeklagte, habe "nie gedacht, dass das so lange gut geht."

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