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„Bewährung geht nicht mehr“

Junge Männer erpressen Lastwagen-Verkäufer „Bewährung geht nicht mehr“

Drei junge Männer sind am Donnerstag vom Göttinger Amtsgericht wegen Erpressung und anderer Delikte zu Haftstrafen verurteilt worden. Sie hatten den Verkäufer eines Lastwagens nach und nach um gut 150000 Euro erleichtert.

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Erst als einer der Angeklagten dann versuchte, 50000 Euro als angebliches Darlehen zu bekommen, reichte es dem Opfer: Der Mann ging zur Polizei.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Es fing mit bescheidenen Summen an: Einer der Täter behauptete, der gekaufte Lastwagen sei defekt, der Verkäufer müsse den Schaden ersetzen. So flossen erst 1000, dann 3000 und dann noch einmal 2000 Euro. Dann weihte der Mann zwei Kumpels, ebenso ursprünglich Roma aus dem Kosovo, in das Geheimnis der vermeintlich problemlos sprudelnden Geldquelle ein.

Fortan stiegen die Summen: zunächst 15000, dann 60000 und schließlich 70000 Euro, immer unter Androhung wie „Familie auslöschen“ oder „Kopf abschneiden“. Erst als einer der Angeklagten dann versuchte, 50000 Euro als angebliches Darlehen zu bekommen, reichte es dem Opfer: Der Mann ging zu Polizei.

Allerdings wurden zwei der drei Haftstrafen zur Bewährung ausgesetzt. In einem Fall war der Täter sehr jung und zudem reuig und einsichtig, im anderen Fall war der Mann vorher unbescholten und von Anfang an geständig, hielt das Gericht zugute. Die Folge: jeweils zwei Jahre auf Bewährung. Der dritte allerdings muss die Strafe tatsächlich absitzen – zwei Jahre und sechs Monate. Dies deshalb, weil die Taten in seine Bewährungszeit fielen.

Der 23-jährige Gewohnheitsverbrecher mit acht Strafen wegen gefährlicher Körperverletzug, gewerbsmäßigen Betruges, Diebstahls und anderer Straftaten war erst im April 2015 auf Bewährung verurteilt worden. Schon im Monat darauf erleichterte er den Lkw-Verkäufer um die ersten 1000 Euro. Richter Stefan Scherrer: „Bewährung geht einfach nicht mehr.“

Während die drei Angeklagten mit relativ milden Strafen davonkamen, muss das Opfer mit dem Ärger darüber leben, dass ihm sein Schaden trotz aller finanziellen Anstrengungen der beiden Familien der Täter nicht vollständig ersetzt wird: Auf gut 40000 Euro Fehlbetrag bleibt der Mann sitzen.   

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