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Bewährungsstrafen für Mittäter der Nigeria-Connection in Göttingen

Der General und seine Soldaten Bewährungsstrafen für Mittäter der Nigeria-Connection in Göttingen

Der „General“ muss ein charmanter Mann gewesen sein. Im Internet-Chat umgarnte er eine heute 62 Jahre alte Göttingerin so geschickt, dass die Frau der Internet-Bekanntschaft in dutzenden Überweisungen mehr als 234 000 Euro überließ.

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Bei der sogenannten Nigeria-Connection wird vorgeblich versucht, Geld zu waschen.

Quelle: Hinzmann (Symbolbild)

Göttingen. Als sie auch noch 7000 Euro zahlen sollte, damit sie ihr Geld zurück erhält, schlug die Polizei zu. Gefasst wurden drei „Soldaten“. Zwei wurden jetzt zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Der große Betrug durch die Nigeria-Connection bildete nur den Hintergrund jener sieben kleineren Betrugsfälle, die jetzt vor dem Schöffengericht verhandelt wurden. Angeklagt waren drei Nigerianer zwischen  36 und 44 Jahren. Einer erschien nicht, die beiden anderen wurden verurteilt zu sieben Monaten sowie zu einem Jahr und sieben Monaten Haft. Beide Strafen wurden gegen 900 beziehungsweise 1800 Euro Geldauflage zur Bewährung ausgesetzt.

Das milde Urteil haben die seit Jahren in Deutschland lebenden Afrikanern einer Verständigung zwischen Staatsanwaltschaft, Verteidigern und Gericht zu verdanken, die ihrerseits dafür Geständnisse und Einblick in die Vorgehensweise der Nigeria-Connection hörten. Als Bande, so wie angeklagt, kann man das Zusammenwirken danach nicht bezeichnen, denn die jetzt Verurteilten wurden von den im Ausland sitzenden Strippenziehern nur eingesetzt, um Geld abzuholen oder sich überweisen zu lassen. Dazu erhielten sie Anweisungen, zum Beispiel, sich als Diplomat auszugeben, erfuhren aber nichts zum Hintergrund der Zahlung.

Verdient hat demnach nur der 44-Jährige, der einmal 300, einmal 500 und einmal 600 Euro als Lohn fürs Geldabholen behielt. Der 40-Jährige ging ganz leer aus. Er hoffte nur auf eine spätere Belohnung. Den eigentlichen Strippenzieher, ein Landsmann und beiden nur als „Elvis“ bekannt, will keiner von ihnen je zu Gesicht bekommen haben.Der krasseste Betrugsfall, der mit 234 000 Euro, wurde gar nicht verhandelt. Es war nicht nachweisbar, dass die Angeklagten davon wussten. Die Göttingerin hatte seit 2010 mit dem angeblich in Afghanistan eingesetzten „US-General“ gechattet, sich dabei in ihn verliebt, hatte Vertrauen gewonnen und es geglaubt, als der General ihr von drei Millionen Dollar schrieb, die er aus Afghanistan nach Irland geschmuggelt habe, um sie für humanitäre Zwecke einzusetzen. Nun müsse er die mit Wasserzeichen markierten Scheine noch mit einer Chemikalie rein waschen.

Dafür brauche er Geld – immer mehr Geld. Die Frau fuhr zur Geldübergabe nach Dublin, dreimal nach Berlin, schließlich nach Frankfurt – zuletzt mit der Polizei. Sie hatte Anzeige erstattet. Den Gaunern stellte sie schließlich bei der Geldübergabe eine Falle. Dass auf die ausgeklügelten Tricks sogar gebildete Unternehmer hereinfallen, berichtete ein Zeuge aus dem Raum Hamburg. Er war per Mail gebeten worden, bei einer Geldtransaktion zu helfen. Ein „Dr. Walter D.“ wolle zwei Millionen Dollar in ein Ärztehaus investieren.

Der 51-jährige Deutsche war gerade dabei, sich mit der Produktion einer Drohne selbstständig zu machen. Man chattete, und es kam das Angebot, „Dr. D.“ könne ja auch bei ihm einsteigen. Man wollte sich am Frankfurter Flughafen treffen. D. war nicht da, aber seine Beauftragten zeigten einen Koffer voll Geld, eingeschweißt in Kunststoff und auffällig markiert. Die Markierung, so wurde ihm vorgeführt, ging mit einer Chemikalie spurenlos ab. Aber die Chemie sei teuer. Er investierte 9000 Euro dafür – und verlor Geld und Unternehmer-Traum.

Erwischt und angeklagt seien „nur die kleinen Soldaten“, sagte einer der Verteidiger. Die aber seien als Mittäter zu verurteilen, erklärte Richter Ehsan Kangarani, denn das ganze Betrugsystem basiere auf der funktionalen Teilnahme hiesiger Mittäter.

Dieser Artikel wurde aktualisiert

Nigeria-Connection

Unter Nigeria-Connection versteht man seit Ende der 1980-er Jahre international zusammenwirkende Straftäter, die mit Geschichten von großen Geldbeträgen in Afrika, die es zu waschen oder ins Ausland zu bringen gilt, Opfer suchen. In der Regel werden die Opfer dazu verleitet, Vorschüsse auf Transaktionskosten zu zahlen.

Die anfangs in Nigeria, später auch in anderen afrikanischen Staaten sitzenden Hintermänner bedienen sich meist in westlichen Ländern lebender Landsleute, falls Geld bar zu übermitteln ist. Die Mittäter werden von Fall zu Fall eingesetzt, so dass eine Bandenstruktur meist nicht nachweisbar ist.

Andere Methoden, um an Geld zu kommen, sind Überweisungen auf Konten im Ausland oder Einzahlungen bei internationalen Bargeld-Diensten wie Western-Union. Kontakt wurde früher oft per Fax, heute per Mail oder Internet-Chat hergestellt. Gelegentlich werden Opfern humanitäre Motive oder Liebesbeziehungen vorgegaukelt.

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