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Birgit Sterr und Zirkusdirektor Georg Frank treffen sich nach 54 Jahren in Grone wieder

„Unendlich emotionaler Moment“ Birgit Sterr und Zirkusdirektor Georg Frank treffen sich nach 54 Jahren in Grone wieder

Zum Jahreswechsel 1960/61 hatte der „Circus Henry“ auf dem Hof von Erich Nonnenmacher in Grone sein Winterquartier aufgeschlagen. Georg, der älteste Sohn von Zirkusdirektor Philip Frank, war damals 13, Birgit, die jüngste Tochter von Bauer Nonnenmacher, fünf. Heute, mehr als 54 Jahre später, ist der mittlerweile 67-jährige Georg schon längst in die Fußstapfen seines Vaters getreten, und die inzwischen 59-jährige Birgit heißt mit Nachnamen Sterr, ist Verwaltungsleiterin des Laser-Laboratoriums Göttingen sowie SPD-Ortsbürgermeisterin von Grone. Jetzt haben sich die beiden nach mehr als einem halben Jahrhundert wiedergesehen.

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Keine Angst vor großen Tieren: Birgit Sterr mit Enkelin Elisa und Georg Frank.

Quelle: Heller

Grone/Rosdorf. „Das ist ein unheimlich emotionaler Moment für uns“, sagen die beiden, als sie – nachdem sie sich überschwänglich begrüßt und lange in den Armen gelegen haben – im Zirkus-Wohnwagen sitzen, alte Schwarz-Weiß-Fotos anschauen und in Erinnerungen schwelgen. „So gastfreundlich wie bei den Nonnenmachers sind wir selten aufgenommen worden“, erinnert sich Frank. Sterr erzählt, dass der Aufenthalt des Zirkus´ bis heute einen sagenumwobenen Mythos sowohl in ihrer Familie als auch im Altdorf darstellt: „Dieser Mythos ist heute endlich mit Leben gefüllt worden.“

Sein Vater habe damals viele Groner Bauern gefragt, ob der Zirkus auf ihrem Hof überwintern könne, berichtet Frank. Die Antworten seien immer gleich ausgefallen: „nein“. Dann sei er auf Nonnenmacher gestoßen, der sofort zusagte, obwohl sein Hof zu den kleineren im Dorf gehörte. Sie wisse nicht, warum ihr Vater sich so gastfreundlich gezeigt habe, sagt Sterr, könne sich aber vorstellen, dass es mit seiner persönlichen Geschichte zu tun hatte: „Er war im Krieg aus Danzig geflohen und hat dann hier in eine Bauernfamilie eingeheiratet – vielleicht hat er sich gesagt, ´damals hat man mich aufgenommen, jetzt nehm ich andere auf´“.

Erinnern kann sich die Mutter von Nicolas (31) und Großmutter von Elisa (4) und Clara (1) an die damaligen Ereignisse nicht. Der acht Jahre ältere Frank dagegen schon: „Es war ein ausgesprochen harter Winter; nur gut, dass unsere Tiere warm und sicher untergebracht waren.“ Angenehme Erinnerungen hat der Vater von neun Kindern auch an die beiden älteren Nonnenmacher-Schwestern, Christel und Irene. Vor allem an Letztgenannte, wie er lachend erzählt: „In sie war ich damals ganz schön verschossen.“

Getroffen haben sich Sterr und Frank übrigens wegen eines Artikels im Göttinger Tageblatt, der im November erschienen war, als der „Circus Henry“ am alten Schlachthof sein Winterquartier bezog. Sterr musste erst noch eine Lungenentzündung auskurieren, dann meldete sie sich bei ihrem alten Bekannten. Der hatte kurz zuvor von einer älteren Gronerin am Telefon erfahren, was aus der kleinen Birgit von vor 54 Jahren geworden war und wartete bereits voller Vorfreude auf ihren Anruf.

Der „Circus Henry“ gastiert vom 6. bis zum 15. März auf dem Festplatz Rosdorf.

Von Hauke Rudolph

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