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Blick in 400 Millionen Jahre Erdgeschichte

Bohrungen in Region Göttingen Blick in 400 Millionen Jahre Erdgeschichte

Die Erdgeschichte erkundet derzeit das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) mit geologischen Kartierungsarbeiten. Dazu werden in der Leineaue in den kommenden Wochen Bohrungen durchgeführt.

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Geowissenschtlerin Asdis Oelrich leitet die Bohrungen vor Ort.

Quelle: Wenzel

Göttingen. Seit Montag wird im Süden Göttingens gebohrt. Die Arbeiten konzentrieren sich auf die Leineaue zwischen der südlichen Stadtgrenze Göttingens und Groß Schneen. Im Göttinger Stadtgebiet wird es nur eine Bohrung geben - in der Nähe der Gartemühle. Die Arbeiten dienen laut LBEG ausschließlich geowissenschaftlichen Forschungszwecken, um zu klären, wie die geologischen Schichten aufgebaut, zusammengesetzt und verbreitet sind. Dazu hat das Landesamt einen Lastwagen mit einem darauf montierten Flachbohrgerät und einen Material-Lkw in die Region geschickt.

Festgestein in elf Metern Tiefe

Mit den Bohrungen wird die aus Lockersedimenten aufgebaute Schichtenfolge des Quartärs - Eiszeitalter und gegenwärtige nacheiszeitliche Warmzeit - erkundet. Wissenschaftliche Leiterin vor Ort ist Diplom-Geologin Asdis Oelrich. Bei der Bohnung am Donnerstag zwischen Klein Schneen und Obernjesa, sagt Oelrich, sei der Bohrer bereits in elf Metern Tiefe auf Festgestein gestoßen. Im südlichen Niedersachsen gebe es deutlich weniger lockeres Gestein als beispielsweise an den Küsten: „Da geht es manchmal mehr als 100 Meter in die Tiefe.“ Die aktuellen Bohrungen seien nicht mittig im Leinegraben angesetzt, sondern zwischen Aue und Grabenrand: „Dort besteht noch Nachholbedarf.“

Die Bohrungen förderten unterschiedliches Bodenmaterial zutage, die Einblicke in 400 Millionen Jahre Erdgeschichte eröffneten, erklärt Oelrich. Bei der Bohrung am Donnerstag kam zuletzt Material an die Oberfläche, dessen Alter die Geologin auf 235 bis 300 Millionen Jahre schätzt.

Ergebnisse einsehbar

Mit den insgesamt 24 Bohrungen werden Geländearbeiten aus dem November des Vorjahres fortgesetzt, erläutert das LBEG. In Abhängigkeit von der Wetterlage und damit der Befahrbarkeit der Lokationen, werden die Geländearbeiten voraussichtlich im Gebiet der Gemeinden Gleichen, Rosdorf und Friedland stattfinden. Danach sind Bohrungen zischen Nörten-Har­denberg und Elvese sowie zwischen Leine und der Kreisstraße 420 vorgesehen. Die Ergebnisse der Bohrungen werden später auf nibis.lbeg.de/cardomap3/ für jedermann einsehbar sein.

Bohren nach Grundlagendaten

Die Ergebnisse der Bohrungen liefern Informationen zur Entstehungsgeschichte der Region. Das Bohrprogramm ist Teil kontinuierlicher Arbeiten der geologischen Landesaufnahme, wie sie flächendeckend in ganz Niedersachsen vorgenommen werden. Gesammelt werden geologische Grundlagendaten.

Die Ergebnisse dienen der Klärung geowissenschaftlicher Fragestellungen, aber auch der Beratung von Ingenieurbüros wie auch des Umwelt- oder Wirtschaftsministeriums, erklärt Geowissenschaftlerin Oelrichs. Sie sind beispielsweise von Bedeutung für die Landesplanung, den Nachweis von Rohstoffen, hydrogeologische Fragestellungen oder für den Landschafts- und Naturschutz.

Die Bohrarbeiten stünden nicht in Verbindung mit den Themen Fracking, CO 2-Speicherung und Endlagerung radioaktiver Abfälle, versichert das LBEG. In dem rein mechanischen Bohrprozess würden keine Flüssigkeiten oder chemischen Zusätze verwendet. Die Tiefe der Bohrungen ist abhängig von den geologischen Verhältnissen und wird überwiegend zehn bis 30 Meter erreichen. Das verwendete Bohrgerät kann in Tiefen von maximal 100 Meter vordringen.

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Von Redakteur Matthias Heinzel

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