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Blick in die Zukunft

Bleigießen oder Gummibärchen befragen Blick in die Zukunft

Zum Jahreswechsel schauen wir besonders gerne in die Zukunft. Orakel, Bleigießen und andere Weissagungen machen uns nämlich glücklich. Also: Auf ein frohes neues Jahr!

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Weises Gebäck: Glückskekse wissen immer Bescheid.

Quelle: Heller

Göttingen. Bleigießen, Knallbonbons mit einer Botschaft, Orakel, Jahreshoroskope oder Glückskeksbotschaften: Zum Jahreswechsel werfen wir gerne einen Blick in die Zukunft. Ob man auf die Frage, was das neue Jahr so bringt, wirklich eine befriedigende Antwort bekommt, steht in den Sternen – oder in den Karten.

In der Göttinger Eulenspiegel-Buchhandlung, die auf spirituelle Literatur spezialisiert ist, ist die Nachfrage nach zukunftsweisenden Produkten ganzjährig groß. Aber: „Zum Jahreswechsel und den Rauhnächten steigt sie noch an“, sagt Mitarbeiter Stefan Pfister. Rauhnächte, das sind die zwölf Nächte zwischen dem Heiligen Abend und Drei König. Eine Erklärung für den Begriff Rauhnächte ist, dass früher in dieser Zeit mit Kräuter-Rauch (Rauh) der Winter ausgetrieben wurde. Um diese Nächte rankt sich allerlei Aberglaube, manche Menschen waschen zwischen den Feiertagen keine  Wäsche. In manchen Orten Bayerns ziehen noch heute verkleidete  Gestalten durch den Ort, um böse Geister zu vertreiben. Eine Zeit voller Rituale also.

In der Eulenspiegel-Buchhandlung werden nicht nur die Klassiker Tarot und Engelkarten nachgefragt, auch Zigeuner-Orakel, keltisches Orakel und andere sind im Angebot. „Es gibt immer mal wieder neue oder neu gestaltete Karten und Bücher“, so Pfister.

Der Klassiker am heimischen Esstisch zu Silvester ist das Bleigießen. Das Metall wird über einer Kerze auf einem Löffel geschmolzen und dann ins Wasser gekippt. Die mehr oder weniger bizarren Gebilde, die aus dem Blei entstehen, werden dann entschlüsselt – auf der Packung und im Netz stehen Erklärungen bereit ( bleigießen.de). Sie fischen einen Käfig aus dem Wasser? Nehmen Sie eine Auszeit, empfiehlt das Blei.

Eindeutige Interpretationen der künftigen Lage bietet das Gummibärchen-Orkal. Dazu benötigt man eine Tüte Gummibärchen und das gleichnamige Buch oder die kostenpflichtige App ( alutz.ch). Ein Beispiel: Man zieht zwei gelbe und je ein grünes, orangenes, und weißes Bärchen aus der Tüte. Sie verheißen – in Kurzfassung – Begrenzung, Selbstvertrauen und Freude.

Doppelten Spaß bereiten Knallbonbons, eine herrlich nostalgische Angelegenheit für Zwei. Jeder zieht an einem Ende des Bonbons, es macht Pöff und heraus fallen kleine Geschenke und manchmal auch Zettel mit einer Weissagung.
Das können Glückskekse auch, allerdings ohne zu knallen. Die Kekse, die in Asia-Läden zu haben sind und gerne in chinesischen Restaurants gereicht werden, enthalten einen Sinnspruch oder einen Blick in die Zukunft. Die fast kostenlose Alternative: Orakelkarten selbst beschriften oder von Kindern beschriften lassen. Walnüsse halbieren, in eine große Schüssel setzen, die Karten an den Außenrand kleben. Wo das Nuss-Schiff ankommt, liegt die Zukunft. Oder einfach die Botschaft aus einem Hut ziehen.

Orakel regt Hormone an

Prof. Dr. med. Borwin Bandelow, Stellvertretender Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen                       

An Silvester werfen ja auch Menschen, die sonst keinen Hang zum Okkultismus haben, gerne einen Blick in die Zukunft. Wie kommt das?
Viele Menschen denken zum einen sehr strukturiert, zum anderen aber sind sie dennoch nicht frei von Aberglauben. Erstaunlicherweise kann dieser Teil des menschlichen Gehirns sehr gut mit Widersprüchen leben.

Welche Widersprüche sind das?
Nehmen wir das Beispiel Zahlen. Bei uns ist es die 13, die Unglück bringt, in China und Japan ist es die Vier. Es gibt keinen Waggon Nummer 13 im ICE, kaum Hotelzimmer mit der Nummer 13. In anderen Ländern beobachten wir das gleiche Phänomen, nur mit anderen Zahlen. Der Verstand sagt eigentlich: Da kann doch etwas nicht stimmen. Beim Aberglauben entstehen ständig solche Widersprüche. Aber der zuständige Teil des Gehirns kommt damit gut klar. Im vernünftigen Teil des Gehirns geht das nicht.

Warum beschäftigen wir uns überhaupt damit, wenn wir doch eigentlich wissen, dass es keine Vorhersagen gibt?
Ganz einfach: Wir stacheln damit unsere Glückshormone an und versuchen, die Angst vor der Ungewissheit zu vertreiben. Das funktioniert eben nicht mit Logik.

Wie bringt man die Glückshormone mit Spökenkiekerei in Wallung?
Ein Beispiel: Wenn wir in jemanden verliebt sind, an den wir aus irgendwelchen Gründen nicht herankommen - vielleicht weil sie oder er verheiratet ist  und das Gummibären-Orakel dann sagt, dass es im nächsten Jahr doch klappt, macht uns das glücklich. In diesem Teil des Gehirns spielt es keine Rolle, dass die Fakten nicht gerade dafür sprechen.

Warum beschäftigen wir uns vor allem zum Jahreswechsel gerne mit einem Ausblick in die Zukunft? Niemand möchte im Sommer Bleigießen.
Man möchte sich die Zukunft schön reden und sucht sich einen markanten Punkt. Für solche Prognosen braucht es ein klares Datum. Eine Weltuntergangsvorhersage beispielsweise funktioniert nur mit einem konkreten Datum. Wenn sie dann doch nicht untergeht, kommt, wie gesagt, das Gehirn auch damit gut klar.

Was sagt der Wissenschaftler dazu? Ist das nicht schlimm?
Nein, ganz im Gegenteil. Menschen leben doch von der Hoffnung. Unser Glückshormon-System braucht immer wieder kleine Anreize, um aktiv zu werden. Und die sollten möglichst überraschend kommen.

 Interview: Britta Bielefeld

Spaß im Netz

Im Internet gibt es einige amüsante Seiten, die einen Blick in die Zukunft (oder tief in die Vergangenheit) gewähren. Hier ein paar Tipps:

onlineorakel.com: Das Orkal antwortet auf alle Fragen, die mit ja oder nein beantwortet werden können. Das Orakel kann ganz schön frech werden. Beispiel: „Bleibe ich gesund?“. Antwort: Niemals. „Komme ich zu Geld?“: Vergiss es.

orakelfreunde.de: Hier kann man als Karma-Jäger erfahren, wer man früher einmal war. Beispielsweise ein revolutionärer spanischer Landarbeiter aus dem Jahr 1075. Auf der Seite finden sich auch zahlreiche andere Orakelfunktionen.

karma-karten-portal.de: Engelkarten, Tarot oder Runen-Orakel verraten die Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit. Man konzentriert sich auf eine Frage und zieht eine Karte, die Interpretation gibts beim Aufdecken.
orakelimweb.de: Von Abendstern- bis Voodoo-Orakel, hier gibt es alles. Das Wetter-Orakel spuckte am 30. Dezember und für diesen Tag allerdings folgendes aus: „30 Grad im März - ein magischer Tag mit Chance auf ein erotisches Erlebnis und Glück in der Liebe“. Schade eigentlich. bib

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