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Bodenpreise in Göttingen steigen

Studie Bodenpreise in Göttingen steigen

Durch die Zunahme von Spekulationen sind die Bodenpreise in Göttingen zwischen 2011 und 2014 in einigen Stadtteilen stark angestiegen. Gleichzeitig geht dort die Zahl der Empfänger von Sozialleistungen zurück. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Geografen Tobias Klinge und Michael Mießner von der Uni Göttingen.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Nach den Untersuchungen der beiden Wissenschaftler sind die Bodenpreise zwischen 2011 und 2014 in einem Nord-Süd-Korridor, von Weende, über die Nord-, Ost-, Innen und Südstadt bis nach Geismar inflationsbereinigt zum Teil um mehr als zehn Prozent gestiegen. In innenstadtnahen Lagen im unteren Ostviertel verzeichneten Klinge und Mießner Steigerungen der Bodenrichtwerte um mehr als 30 Prozent, während in den östlichen und westlichen, eingemeindeten Stadtteilen die Bodenpreise um bis zu zehn Prozent zurückgingen.

Spekulation auf Grund und Boden auch in Göttingen

Veränderungen der Bodenrichtwerte 2011-2014

Quelle: EF

Als eine zentrale Ursache nennen Klinge und Mießner die "Zunahme von Spekulation auf Grund und Boden".  Im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise würden Immobilien als "profitable und sichere" Anlage genutzt. "Nachdem anfangs insbesondere in den Ballungszentren wie München, Frankfurt und Hamburg investiert wurde, rücken seit 2011 zunehmend auch sogenannten B-Lagen-Städte wie Göttingen in den Fokus der Anleger", analysieren die Geografen. Ihre Datengrundlage reichte für ihre Studie nur bis 2014. Mießner vermutet, dass die Bodenpreise auch 2015 und 2016 weiter steigen werden. Für genauere Aussagen fehlten aber noch verlässliche Daten.

In seiner Bachelor-Arbeit hat Klinge zudem gezeigt, dass in den Stadtteilen – und auch wesentlich kleinräumiger in den sta-tistischen Bezirken –, in denen die Bodenpreise in den letzten Jahren angestiegen sind, die Zahl der Sozialleistungsempfänger zurückging. In den Stadtteilen mit geringen Bodenpreisen, wie der Weststadt und Grone, nahm der Anteil der Sozialleistungsempfänger hingegen zu. Entgegengesetzt verhält es sich mit der Bevölkerung mit einem monatlichen Haushaltseinkommen von über 3600 Euro netto. "Diese konzentriert sich immer stärker in den Stadtteilen und statistischen Bezirken mit hohen Preisen für den Quadratmeter Boden", schreiben Klinge und Mießner.

Mehr Gemeinnützigkeit statt steigender Mieten

Bevölkerungsanteile von SozialleistungsempfängerInnen 2015

Quelle: EF

Sie kommen zu dem Schluss, dass "die sozialräumliche Verdrängung" in Göttingen nach der Wirtschaftskrise "vermittelt über die Spekulation auf Grund und Boden und die damit einhergehenden Mietpreissteigerungen" wieder zugenommen habe. Daher, so Klinge und Mießner, sei eine "neue soziale Wohnungsgemeinnützigkeit" in der Stadt von Nöten, "die im unteren und mittleren Mietpreissegment investiert, soziale Wohnungsbauträger stärkt und nicht auf die Kulanz von privaten Investoren hofft".

Klinge und Mießner haben ihre Ergebnisse zu den Ursachen und Folgen der Segregationsprozesse in Göttingen erstmals in der vergangenen Woche während der Konferenz „Raummuster – Struktur, Dynamik, Planung“ in Dortmund vorgestellt.

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