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Bombensuche am Göttinger Kanal

Arbeiten im Nelkenwinkel Bombensuche am Göttinger Kanal

Zum ersten Mal lassen die Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB) Bauarbeiten ständig von Bombensuchern überwachen. Beim Bau einer neuen Kanalisation im Nelkenwinkel behalten Experten einer beauftragten Kampfmittelbeseitigungsfirma jeden Zug der Baggerschaufel im Blick. Das sogenannte Blümchenviertel liegt in einem gefährdeten Gebiet. An der nahen Leine und am Schützenplatz wurden bereits Fliegerbomben aus den letzten Kriegsjahren gefunden.

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Schichtweise wird die Erde abgetragen.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Anspannung ist ihm nicht anzumerken. Stefan Schott hat mehr als 25 Jahre Erfahrung mit Bombensichtungen und ihrer Entschärfung. „Angst habe ich nicht mehr“, sagt er, „aber immer Respekt“. Vor allem vor kleinen Bomben und Granaten, die vorher kaum erkennbar sind und jeden Moment unter der Baggerschaufel von Roland Becker auftauchen könnten. Eingewiesen von seinem Kollegen Rainer Klock von der Baufirma Küllmer kratzt Becker mit dem tonnenschweren Bagerspaten an der Erdoberfläche. Schicht für Schicht. Wenn der Boden plötzlich anders aussieht, würde Schott eingreifen. „Wo ein Bombenblindgänger eingedrungen ist, hat sich der Boden verdichtet“, erklärt er.

 

Das erkennt der Experte, auch 70 Jahre alte Schmauchspuren  und Splitter.  Seit ein paar Tagen wird im Nelkenwinkel gegraben – für eine neue Kanalisation. Bisher gab es keinen Fund. Die Suche koste Geld und Zeit, „aber wir wollen sicher gehen“, sagt Manfred Fiedler, Leiter der GEB-Abteilung für Kanalplanung. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst Niedersachsen habe zuvor alte Luftbilder der Straßen ausgewertet. Aber wo es keine eindeutige Entwarnung gab, werde jetzt jeder Baggerstich überwacht. Denn Sonden und Metalldetektoren ließen sich in den Straßen nicht einsetzen, erklärt Schott – „das sind zu viele Strom- und Wasserleitungen“.  Die verlorene Zeit wollen die GEB erstmals mit einer längeren Arbeitszeit aufholen. Die Firma arbeite in zwei Schichten von 7 bis 20 Uhr, sagt Fiedler. Das sei von vornherein so ausgeschrieben worden. Überraschendes Ergebnis: Trotzdem werde das Bauprojekt mit einer Gesamtsumme von etwa 290 000 Euro am Ende nur 29 Euro teurer.

 
Anwohnerin Natalien Erbach findet den Einsatz der Kampfmittelexperten gut, „das beruhigt schon“ sagt sie. Dass im Viertel Bomben liegen könnten, bestätigt ihr Nachbar Klaus-Dieter Wiegand. Sein Haus sei bei einem Angriff von einer Bombe getroffen worden.

Anlieger auf sich gestellt
Göttingen. Die Entsorgungsbetriebe sichern sich ab: Bei Kanalarbeiten im Blümchenviertel sind Bombenexperten immer dabei. Aber was machen Anwohner, die auch ihre Kanäle auf den Grundstücken erneuern müssen? „Eine Lücke“ räumt Planer Manfred Fiedler ein, das sei bisher nicht bedacht worden. Sein Rat: Die Anwohner sollten selbst eine Fachfirma beauftragen. „Und frühzeitig eine Auswertung der Luftbilder beantragen“, ergänzt Michael Karow vom Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes. Gesetzliche Vorgaben gebe es nicht. Kommunen dürften aber in der Baugenehmigung für ein Bauprojekt zur Gefahrenabwehr eine Voruntersuchung verlangen. Kanalarbeiten sind aber genehmigungsfrei. us
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