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Bordeaux-Freund mit perfektem Weingedächtnis

Unter Uns Bordeaux-Freund mit perfektem Weingedächtnis

Unter uns leben viele interessante Menschen. Einer von ihnen ist Hartmut Gerstenkorn. Der 53-jährige Göttinger hat in der vergangenen Woche die deutsch-österreichischen Meisterschaften im Weindegustieren gewonnen. Seit gut 30 Jahren befasst sich Gerstenkorn mit Weinen.

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Deutsch-österreichischer Meister: Hartmut Gerstenkorn mit Wein und „Weingedächtnis“.

Quelle: Hinzmann

Man muss ein Weingedächtnis haben.“ Das Geheimnis seines Erfolgs klingt einfach, doch Hartmut Gerstenkorn arbeitet bereits seit gut 30 Jahren an diesem Gedächtnis. Und jetzt hat sich seine Arbeit ausgezahlt: Bei den deutsch-österreichischen Meisterschaften im Weindegustieren hat der 53-jährige Göttinger Weinkenner die Konkurrenz hinter sich gelassen. Sein Weingedächtnis hat ihn im Finale nicht im Stich gelassen, Gerstenkorn war bei der Verkostung der Weine der sicherste Teilnehmer. 

So wusste er am besten Bescheid über die Sorten Sauvignon Blanc, Weißburgunder, Grüner Veltliner, Viogmier oder Chenin Blanc. Durch bloßes Probieren hat er bei der Blindprobe die Sorten herausgeschmeckt, das Herkunftsland bestimmt und den Jahrgang bestimmt. Bei einer anderen der sieben Aufgaben mussten die 36 Finalteilnehmer etwa wissen, bei welchen von vier Weinen mit „Spontangärung“ gearbeitet wurde oder bei welchem Wein Barrique-Ausbau eine Rolle gespielt hat. Insgesamt hatten sich 1600 Weinfans um den Titel „Weinchampion 2009“ beworben.

Jeder Wein, so beschreibt Gerstenkorn, hat ein Geschmacksmuster. „Dieses Muster speichere ich ab. Ich bin in der Lage, mir die verschiedenen Aromen und Geschmäcker zu merken“, sagt der Weinfreund. Wie viel Weine Gerstenkorn in seiner 30-jährigen Leidenschaft probiert hat? Er kann nur sehr vorsichtig schätzen: „Vielleicht um die 500 pro Jahr, also 15000 insgesamt.“

Begonnen hat Gerstenkorns Interesse für Wein Ende der 70er Jahre, sein Schwiegervater hatte ihn dafür begeistert. Es folgten vertiefende Weinkurse an der Volkshochschule, verschiedene Weinreisen. Irgendwann weiß Gerstenkorn so viel über Weine, dass er selbst Kurse gibt und einen Rotweinkreis mit dem Schwerpunkt auf Bordeaux-Weinen gründet. Mit Gleichgesinnten sucht er nach neuen Weingenüssen.

2500 Flaschen gelagert

Auch wenn er im Laufe der Zeit viel probiert hat: Seine Weinvorlieben liegen heute beim roten Bordeaux und bei deutschen Rieslingen. „Riesling habe ich schon immer gemocht.“ Und mit den Jahren ist seine Weinsammlung gewachsen. Rund 2500 Flaschen lagern in Gerstenkorns Weinkeller – dunkel, liegend und bei zwölf Grad. „Das bindet ganz schön Kapital“, verrät der Unternehmensberater, der sich nicht scheut, auch viel Geld für einen guten Wein auszugeben. Weine, die Gerstenkorns Geschmack treffen, liegen bei Rieslingen zwischen fünf und zehn Euro, bei Rotweinen bei 10 bis 50 Euro. Um Weine zu kaufen, die seiner Sammlung fehlen, durchforstet Gerstenkorn auch das Internet. Oft wird er im Auktionshaus E-Bay fündig.

Dabei muss es aber nicht immer so teuer sein, verrät der Experte: „Man kann auch mit Fünf-Euro-Weinen einen Genussabend haben.“ Auch er habe mit „ganz billigen Weinen“ angefangen.

Und wie findet sich der Laie in dem schier unübersehbaren Weinangebot zurecht? „Probieren, probieren, probieren. Am besten mit Freunden“, rät der Kenner. Ideal sei es, eine Reise in ein Weinanbaugebiet zu machen.

„Wein ist einfach mein herausragendes Hobby.“ Viele seiner Freunde sind Weinfreunde, seine Urlaubsreisen drehen sich meist um das Thema Wein. „Zum Glück zieht meine Frau damit“, lacht Gerstenkorn. In erster Linie ist Wein für Gerstenkorn „kommunikativ“. „Ich trinke ihn am liebsten in Gesellschaft. Dann lässt sich am besten über Wein diskutieren. Allein trinken macht mir nicht soviel Spaß.“

Trotz aller nahezu professioneller Beschäftigung mit dem Rebensaft, ein strenger Traditionalist ist Gerstenkorn nicht. Ein Verfechter von Naturkorken? Mitnichten. „Kork ist ein katastrophales Verschlussmittel. Durch verkorkte Weine geht ein Vermögen verloren.“ Gerstenkorn schwärmt für moderne Aluminiumverschlüsse. Die sind geschmacksneutral. „Das Ploppen des Korkens muss ich nicht haben, das Knacken des Aluminiumringes ist genauso gut“, meint er. Auch von einer anderen Tradition hält Gerstenkorn nichts: Käse zum Wein. „Käse verfälscht den Geschmack.“ Und dass ein Weintrinker nur Wein trinkt, stimmt auch nicht: „Nach einer Weinprobe, wenn der Gaumen erschöpft ist, trinke ich gern eine Bier. Möglichst herb. Das ist erfrischend und entspannend.“

                                                                                                 Von Michael Brakemeier

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