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Bovenden bald Wahlkreis Northeim?

Wahlen Bovenden bald Wahlkreis Northeim?

Der Wahlkreis (WK) Northeim (18) ist zu klein und muss bis zur nächsten Landtagswahl 2013 vergrößert werden. Eine Option: Der Flecken Bovenden wird aus dem WK Göttingen-Münden (18) ausgekoppelt und Northeim zugeschlagen.

Landeswahlleiter Volker Homuth schlägt Alarm: Durch die Bevölkerungsentwicklung gibt es in zwei Wahlkreisen bald zu viele Wahlberechtigte, in einem zu wenige. Beides sei nicht zulässig und müsse korrigiert werden, erklärt Homuths Sprecher Markus Steinmetz. Die Regel: Nach Anzahl der Wahlberechtigten sollen alle Wahlkreise möglichst gleich groß sein. Toleriert wird eine Abweichung bis zu 25 Prozent vom Durchschnitt – nach oben und unten. Droht ein WK die Schwelle zu überschreiten, muss er neu zugeschnitten werden. 

Die durchschnittliche WK-Größe beträgt 70000 Wahlberechtigte. Lüneburg und das Ammerland liegen etwa 30 Prozent darüber, Northeim weicht mit 52000 Wahlberechtigten zurzeit um 25,2 Prozent nach unten ab. Bisher gebe es keinen offiziellen Anpassungsvorschlag für die drei Bereiche, so Steinmetz. 

Durchgesickert ist aber die Option, aus dem WK Göttingen/Münden den Flecken Bovenden zu verschieben. Der WK könnte dies mit knapp 70000 Wahlberechtigten zumindest zahlenmäßig verkraften. Die Nachbarn Duderstadt, Osterode, Seesen, Einbeck und Holzminden sind mit um die 60000 Wahlberechtigten schon zu klein. Der Duderstädter CDU-Landtagsabgeordnete Lothar Koch bringt auf Tageblattanfrage eine andere Lösung ins Spiel: Northeim und Einbeck gehen zusammen. Weil der neue WK dann aber zu groß wäre, gibt er rundherum Gemeinden an kleine Nachbarn ab. 

„Vorschnell gedacht“

Bovenden aus Göttingen abzukoppeln sei „vorschnell gedacht“, so Koch. „Hände Weg von Bovenden“, kritisiert auch der CDU-Gemeindeverband. Für die Bovender SPD, den SPD-Landtagsabgeordneten Ronald Schminke aus Münden und Bovendens Bürgermeisterin Heidrun Bäcker (SPD) ist dieser Vorstoß schlicht „realitätsfern“. Bovenden sei verkehrstechnisch, wirtschaftlich, kulturell und durch die Kreiszugehörigkeit auf Göttingen ausgerichtet.

Der Göttinger Landtagsabgeordnete Patrick Humke-Focks (Linke) sieht das ähnlich, plädiert aber grundsätzlich für mehr und kleinere Wahlkreise. Der Grünen-Abgeordnete Stefan Wenzel aus Göttingen sieht „keinen Grund für Streit, wir sollten auch kreisübergreifend mal über den Zaun blicken“. Organisatorisch sei ein Neuzuschnitt „völlig unproblematisch“, sagt Northeims Landrat Michael Wickmann (SPD). 

Die Northeimer SPD-Landtagsabgeordnete Frauke Heiligenstadt kann sich nach Medienberichten mit der Bovender Idee „anfreunden“. Ihr FDP-Kollege Christian Grascha hingegen fürchtet, dass kreisübergreifende WK für Politiker nur „schwer händelbar“ seien.

                                                                                          Von Ulrich Schubert

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