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Brunch mit kriminellen Nachbarn in Göttingen

Am Leineberg treffen sich Bewohner und junge Straffällige zum Frühstück Brunch mit kriminellen Nachbarn in Göttingen

Zum dritten Mal hat der Nachbarschaftsverein Leineberg im Stadtteilbüro einen Bunch organisiert. Mit dabei beim Schmieren von Marmeladenbrötchen und Kaffeekochen junge Straffällige aus der Jugendanstalt. Was ihnen und ihren Kumpels passiert ist, ehe sie in den Knast mussten, gab es auch zu hören.

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Gemeinsamer Brunch mit Nachbarn. Dazu gibt es biografische Geschichten aus dem kriminellen Vorleben geleuterter junger Männer.

Quelle: Heller

Göttingen. "Ich weiß noch nicht, ob ich ihm verzeihen kann", heißt es in einer der Geschichten. Ihm? Das ist der Täter, der Schläger oder Räuber. Also der Autor der Geschichte selbst, der schreiben sollte, wie es sich anfühlen würde, wenn er nicht der Täter, sondern das Opfer gewesen wäre. Dieser Perspektivwechsel, sagt Anja Haupt, die im Rahmen eines Studienpraktikums mit jungen Strafgefangenen die biografischen Geschichten hat aufschreiben und zum Büchlein zusammenfassen lassen, sei den Jugendlichen am schwersten gefallen.

"Mit der Zeit fing ich an, kriminell zu werden…", heißt es etwa in einem der Beiträge, die Heiko Evers den knapp 50 Teilnehmern des Brunches vorlas. Es ist die Geschichte eines aus Syrien stammenden, jetzt in Deutschland lebenden jungen Mannes. Wegen räuberischer Erpressung kam er in den Jugendvollzug, hat sich bewährt und lebt nun im offenen Vollzug am Leineberg. In verschiedenen Geschichten schildert er seine kriminelle Vergangenheit und seine Erlebnisse mit Polizei und Justiz.

Diese Nachbarn, in jungen Jahren schon kriminell, aber jetzt auf einem guten Weg, helfen mit beim Brunch des Stadteilbüros. Der ist eine von acht Sonderveranstaltungen, die die wöchentlichen Termine in der Allerstraße ergänzen. Büroleiterin Hanna Köhn hat einen eigenen Etat für solche Veranstaltungen, wenn auch die Gäste mit Spenden den Aufwand verringern.

"Gö schaffts" heißt das Projekt, das aus Bundesmitteln mitfinanziert wird. Das ist eine Abkürzung und heißt eigentlich "Gemeinsame Öffnung schafft sinnvolle Perspektiven". Und genau darum geht es bei solch außergewöhnlichen Begegnungen beim Brunch: dass sich die Bewohner öffnen für die Nachbarschaft mit überwundener krimineller Vergangenheit, dass aber auch die jungen Leute aus der Jugendanstalt Perspektiven in einem normalen nachbarschaftlichen Umfeld erleben.

 

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