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Buch bietet Günterser Geschichten aus 950 Jahren

Dorfjubiläum Buch bietet Günterser Geschichten aus 950 Jahren

Mit einem langen Festwochenende feiert Güntersen sein 950-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum hat die Ortsheimatpflege auch ein Buch mit Geschichten aus der Vergangenheit erstellt.

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1952: Umzug zum 1. Mai mit Pferden und Kutschen. 

Quelle: EF

Erstmals schriftlich erwähnt wurde Güntersen 1059. Damals schenkte König Heinrich IV. Land unter anderem in dem Dorf „Gunthersu“ an den Erzbischof von Mainz. Die Urkunde der Übertragung ist nicht erhalten, aber die Bestätigung der Schenkung. 1347 kommt Güntersen gemeinsam mit anderen Orten an die Herren von Adelebsen. Heute gehört das Dorf zum Flecken Adelebsen.

1792 gründete Ludwig Witthun eine Branntweinbrennerei. Diese war so erfolgreich, dass er bald den größten Hof des Ortes hatte, das Günterser Gut. Das Gutshaus ist heute im Besitz der Familie von Wendt. 

Seit nahezu 80 Jahren existiert das Wahrzeichen des Ortes nicht mehr: Der Backenstein, ein Basaltfelsen, der sich mehr als 20 Meter über den Backenberg erhob, wurde 1931 gesprengt. Der Fels, von dem aus ein Rundblick über die Umgegend möglich war, hatte Bruchstellen bekommen und war daher als gefährlich eingestuft worden. 

Der gesamte Backenberg bot als Basaltsteinbruch vielen Güntersern jahrzehntelang eine Beschäftigungsmöglichkeit. Von 1927 bis 1972 wurde auf dem Berg Basalt abgebaut. Basaltpflastersteine fanden in der Region Verwendung. Während des Zweiten Weltkriegs mussten auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene im Steinbruch schuften. Zwei Menschen starben.

Neben dem Steinbruch gab es Arbeitsmöglichkeiten in der Brennerei, auf dem Gut und bei Landwirten. Heute gibt es nur noch wenige Arbeitsmöglichkeiten im Dorf. Von den 17 landwirtschaftlichen Betrieben, die 1937 existierten, sind nur noch drei Haupt- und ein Nebenerwerbsbetrieb geblieben. 

Durch Flüchtlinge und Vertriebene wuchs die Einwohnerzahl Güntersens nach dem Zweiten Weltkrieg auf 1100 an. Heute leben in Güntersen rund 740 Menschen. Stolz sind die Einwohner auf ihre Kirche, die passend zum Ortsjubiläum 275 Jahre alt wird. Älter als die Kirche ist der spätgotische Altar in ihr. Er wurde für einen guten Preis vom Groner Prediger Christian Reinhold erworben. Der Altar wurde vermutlich von Barthold Castrop um 1510 erbaut. Der Kanzelaufsatz von 1696 wurde im Jubiläumsjahr restauriert.

Anekdote von Glocken-Willi

In dem von der Ortsheimatpflege, einer Arbeitsgruppe von acht Personen, herausgegebenen Buch finden sich Artikel zur Martinikirche, zur Geschichte der Schule in Güntersen, über Kultur auf dem Backenberg, über die Geschichte des Steinbruchs, den Gutshof Güntersen, die Freiwillige Feuerwehr, das Gasthaus Kesten und das Landgasthaus Lindhorst. Darüber hinaus finden sich in dem Buch auch – teilweise auf Platt – Anekdoten aus dem Dorfleben, etwa über einen gestohlenen Braten oder über Glocken-Willi. Auch die Vereine des Ortes sind in dem Buch porträtiert.

Das Buch enthält zudem ein rund 60-seitiges Gebäudekataster des Ortes. In dem Abschnitt finden sich Informationen zu den Besitzern der Günterser Häuser und zur Geschichte der Gebäude. In einigen Fällen erlauben historische und aktuelle Fotos einen direkten Vergleich zwischen dem Aussehen der Gebäude früher und heute. 

950 Jahre Güntersen: Ein Dorf erzählt. Eine Dokumentation der Ortsheimatpflege, 180 Seiten, 26 Euro.

Von Jörn Barke

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