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Bundestagsabgeordnete diskutieren in Göttingen über Flüchtlingspolitik

„Natürlich müssen wir mehr aufnehmen“ Bundestagsabgeordnete diskutieren in Göttingen über Flüchtlingspolitik

Am Ende sind es nur noch grüne Karten, die die Gäste hoch halten. „Ja“, Deutschland brauche eine offenere Flüchtlings- und Asylpolitik, wollen sie damit sagen. Und „Ja“, Deutschland brauche ein neues Einwanderungsgesetz. Zuvor hatten einige der 280 Besucher in der Aula des Max-Planck-Gymnasiums (MPG) mit roter Stimmkarte noch signalisiert, dass es keinen Grund gebe, die Aufnahme von Flüchtlingen großzügiger zu gestalten.

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Fast einig in der Flüchtlingsfrage: Fritz Güntzler, Thomas Oppermann, Jürgen Trittin, Stephan Klasen und Kai Weber (v.l.).

Quelle: Vetter

Göttingen. Dazwischen diskutierten Experten und die drei Göttinger Bundestagsabgeordneten über Flüchtlingspolitik in Europa, eingestimmt mit einer Pro- und Contra-Debatte junger Göttinger:  18 MPG-Schüler aus dem Politikkurs im zwölften Jahrgang hatten die Veranstaltung organisiert.

Noch ein kurzer Blick auf die Moderationskarte, ein testender Griff zum Mikrofon – und tief Luft holen. Ein wenig nervös sind die Jugendlichen anfangs schon, ob auf der Bühne oder hinter dem Vorhang. Dass sie tatsächlich alle Göttinger Bundestagsabgeordneten Thomas Oppermann (SPD), Jürgen Trittin (Grüne) und Fritz Güntzler (CDU) gemeinsam auf ihr Podium bekommen „haben wir nicht gedacht“, verrät später eine aus ihrer Runde.

Im Politikkurs hatten sie sich mit dem Thema Flüchtlinge und Einwanderung befasst. Ein hoch aktuelles Thema: Mehr als 500 Flüchtlinge nimmt Göttingen zurzeit jährlich auf und hat Probleme sie unterzubringen. Täglich fliehen Tausende Menschen in Syrien, Afrika und anderen Staaten vor Not, Unterdrückung und Krieg. Und fast täglich ertrinken Menschen auf ihrer Flucht im Mittelmeer.

„Natürlich müssen wir mehr Flüchtlinge aufnehmen“

Vor diesem Hintergrund wollten die MPG-Schüler wissen, ob genug getan wird,  um den Flüchtlingen zu helfen. Und ihre Gäste waren sich schnell einig, dass Europa eine andere Flüchtlingspolitik und bessere Rettungseinheiten im Mittelmeer brauche. 20 000 ertrunkene Flüchtlinge im Mittelmeer „sind einfach furchtbar“, so Kai Weber vom Flüchtlingsrat Niedersachsen.

Um das zu ändern, müssten Land-Grenzen geöffnet und bürokratische Hürden bei der Verteilung der Flüchtlinge abgebaut werden. Fritz Güntzler (CDU) forderte dazu einen gerechteren Verteilungsschlüssel und von Deutschland als wirtschaftsstarke Land mehr Verantwortung. Ähnlich äußerte sich Thomas Oppermann (SPD) –  eine Verteilung nach Wirtschaftskraft der Länder sei „sehr vernünftig“.

Zugleich setzte er sich für ein neues Einwanderungsgesetz ein, dass auch Flüchtlingen schneller Zugang zum Arbeitsmarkt ermögliche. Legale Flucht- und Einwanderungshilfen würden den Menschen in Not und Deutschland helfen, ergänzte der Entwicklungsökonom Stephan Klasen. „Natürlich müssen wir mehr Flüchtlinge aufnehmen“, so der Abgeordnete Jürgen Trittin (Grüne). Deutschland müsse aber auch „Zusagen einhalten“ und seine Entwicklungshilfe endlich ausbauen.

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