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Bundesweiter Tag des Rauchmelders: Frank Gloth von der Göttinger Berufsfeuerwehr im Interview

Kampf gegen den tödlichen Rauch Bundesweiter Tag des Rauchmelders: Frank Gloth von der Göttinger Berufsfeuerwehr im Interview

Jedes Jahr werden in Deutschland mehr als 400 Menschen durch die Folgen eines Brandes getötet. Die meisten von ihnen sterben an einer Rauchvergiftung. Rauchmelder hätten sie warnen können. Mit dem bundesweiten Rauchmeldertag am 13. November soll darauf aufmerksam gemacht werden. Außerdem läuft Ende 2015 die Übergangsfrist zur Rauchmelderpflicht ab. Dann müssen auch bestehende Wohnungen mit Rauchwarnmeldern ausgerüstet sein.

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Brand eines Wohnhauses: Die meisten Opfer eines Feuers sterben nicht in den Flammen, sondern an einer Rauchgasvergiftung.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Warum sind Rauchwarnmelder so wichtig? Wer muss sie anbringen und warten? Und woran erkenne ich einen guten Rauchwarnmelder? Frank Gloth, Pressesprecher der Göttinger Berufsfeuerwehr, klärt im Tageblatt-Interview die wichtigsten Fragen.

Tageblatt: Warum ist die neue Regelung zu Rauchwarnmeldern aus Ihrer Sicht so wichtig?
Gloth: Rund 400 Brandtote jährlich in Deutschland sprechen für sich. Allein in der Stadt Göttingen sind seit 2013 insgesamt fünf Menschen bei Wohnungsbränden ums Leben gekommen.
In welchen Zimmern sind Rauchwarnmelder ab 2016 zwingend vorgeschrieben und warum? 

Wo sollten sie bestenfalls in diesen Räumen installiert werden?
In Schlafräumen und Kinderzimmern sowie Fluren, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen, ist jeweils mindestens ein Rauchwarnmelder gefordert. Das ergibt sich aus der Niedersächsischen Bauordnung (NBauO), Paragraf 44 „Wohnungen“. Rauchwarnmelder sind so zu installieren, dass sie vom Brandrauch ungehindert erreicht werden können. Von daher sind Rauchwarnmelder an der Decke möglichst in Zimmermitte anzubringen.

In welchen Zimmern müssen keine Rauchwarnmelder angebracht werden und warum?
Um den bestmöglichen Schutz zu erreichen, sollte jeder Raum mit Rauchwarnmeldern ausgestattet sein. Ausgenommen davon sind Räume, in denen viel Staub oder Wasserdampf entsteht, wie zum Beispiel Küche und Bad.

Wer muss Rauchwarnmelder einbauen und warten?
Laut Niedersächsischer Bauordnung ist der Eigentümer oder Vermieter einer Wohnung verpflichtet, die genannten Räume bis zum 31. Dezember 2015 mit Rauchwarnmeldern auszustatten. Der Mieter einer Wohnung wiederum ist für die Sicherstellung der Betriebsbereitschaft eines Rauchwarnmelders verantwortlich. Diese Wartung beinhaltet unter anderem das Drücken der Prüftaste, um zu sehen, ob Batterie und Alarmgeber noch funktionieren. Ebenso der Austausch der Batterie, wenn der Rauchwarnmelder einen Warnton aussendet.

Was sollte ein guter Rauchwarnmelder können?
Die Lautstärke bei einem Alarm muss mindestens 85 Dezibel betragen. Ein weiteres Kriterium ist, dass der notwendige Batteriewechsel 30 Tage im Voraus durch ein wiederkehrendes Signal angezeigt werden muss. Der Testknopf für die Funktionsüberprüfung muss ebenfalls vorhanden sein. Sinnvoll ist die Verwendung von Meldern mit Lithium-Batterien. Diese haben eine Lebensdauer von zehn Jahren. Herkömmliche Batterien halten in der Regel nur zwei Jahre.

Teuer oder billig: Woran erkenne ich einen guten Rauchwarnmelder?
Rauchmelder müssen mit dem CE-Zeichen inklusive Prüfnummer und der Angabe „EN 14604“ versehen sein. Zusätzlich gibt es seit 2012 das unabhängige Qualitätszeichen „Q“. Rauchmelder mit dem „Q“ werden einer erweiterten Qualitätsprüfung unterzogen. Sie werden auf ihre Langlebigkeit geprüft, weisen eine deutliche Reduktion von Falschalarmen auf, haben eine erhöhte Stabilität und eine fest eingebaute Batterie, die über eine Lebensdauer von mindestens zehn Jahren verfügt.

Gibt es auch in Feuerwehrhäusern Rauchwarnmelder?
Die Forderung zur Installation von Rauchwarnmeldern bezieht sich ausschließlich auf Wohngebäude. Von daher sind Feuerwehrhäuser außen vor. Was wiederum nicht bedeutet, dass freiwillig Rauchwarnmelder installiert werden. Hauptberuflich genutzte Feuerwachen verfügen teilweise beziehungsweise in Teilbereichen über automatische Brandmeldeanlagen.

Werde ich ab 2016 kontrolliert und von wem?
Seitens der Behörden finden keine Kontrollen statt. In Paragraf 44 der Niedersächsischen Bauordnung ist diesbezüglich geregelt, dass der Eigentümer einer Immobilie die Verantwortung dafür trägt.

Das Interview führte Andreas Fuhrmann

Pflicht der Vermieter

Bei der Göttinger Verbraucherzentrale gehen derzeit reihenweise Anfragen zum Thema Rauchmelder-Pflicht ein. Es gebe unter Bürgern eine ziemliche Verunsicherung darüber, wozu Immobilieneigentümer und vor allem Vermieter verpflichtet sind und wozu nicht, sagt Verbraucherschützerin Elke Tiebel. Auch gebe es Nachfragen, wo genau Rauchmelder angebracht werden müssen.

Ein spezielles Problem: Muss ein Mieter den Einbau von neuen Rauchmeldern durch den Vermieter dulden, wenn er selbst bereits Warngeräte angebracht hat? Und muss er die Kosten dafür auch noch tragen? Eindeutig ja, sagt Cornelius Blessin, Rechtsanwalt für den Göttinger Mieterverein und die Verbraucherzentrale.

Dazu gebe es eine höchstrichterliche Rechtssprechung, erläutert der Göttinger Jurist. Der Bundesgerichtshof (BGH) habe in seiner entsprechenden Entscheidung unter anderem ausgeführt, der Vermieter habe ein berechtigtes Interesse an einer einheitlichen Funktionskontrolle der eingebauten Geräte.

Dies dem Mieter zu überlassen und dann zu überprüfen, ob dieser seine jährliche Wartungs- und Kontrollpflicht eingehalten habe, sei dem Vermieter nicht zuzumuten. Andernfalls werde ihm zudem das Recht entzogen, zu entscheiden, wo und welche Rauchmelder in seinem Eigentum angebracht werden.

Die Installation von Rauchmeldern durch den Vermieter sei zudem als Modernisierung anzusehen, befand der BGH. Damit müsse der Mieter auch die Kosten dafür tragen. Ohnehin sei die Höhe der Umlage auf die Betriebskosten nur gering. hein

Studentenwerk: Mieter rebellieren

Das Thema Rauchmelderpflicht polarisiert. Das zeigt beispielhaft eine Auseinandersetzung des Göttinger Studentenwerks mit Bewohnern seiner Wohnheime in diesem Jahr.

Das Studentenwerk hatte im Sommer in einer Rund-Mail an seine Mieter angekündigt, seine Wohnheime mit rund 7500 Rauchmeldern auszustatten. Damit komme man Vorgaben nach, die die niedersächsische Bauordnung mache, hieß es darin. Nach Abschluss der Installation werde über eine Kostenverteilung auf die Mieten entschieden.

Gegen die Installation der Rauchmelder sprachen sich schnell die Bewohner von mehr als zehn kleinen Wohnheimen aus. Sie hätten selbst schon Rauchmelder gekauft und ordnungsgemäß installiert. Auch die Wartung werde von den Wohngemeinschaften selbstständig erledigt, brachten sie vor. Für sie komme es daher nicht in Frage, „sämtliche Rauchmelder wieder zu demontieren und zu verschrotten, um sie anschließend durch teure Rauchmelder des Studentenwerks ersetzen zu lassen“, erklärten sie weiter.

Das aber sah das Studentenwerk vor: „Alle derzeit vorhandenen, eigenen, beziehungsweise von der studentischen Selbstverwaltung angebrachten Rauchwarnmelder sind bis zum Montagezeitpunkt selbstständig zu demontieren! Vorgefundene Rauchwarnmelder werden ansonsten durch den Hausmeister oder Monteur entfernt“, hieß es in der Rund-Mail. Grund: „Die Installation und die Kontrolle der Rauchmelder ist derzeit Sache des Vermieters.“ Die Niedersächsische Bauordnung lasse da in Paragraf 44 keinen Spielraum. Ob diese Verpflichtung auf den Mieter abgewälzt werden könne, sei rechtlich nicht geprüft.

Mittlerweile habe das Studentenwerk in den meisten Wohnheimen Rauchwarnmelder installieren lassen, sagte am Donnerstag Sprecherin Anett Reyer-Günther – und zwar bislang 5561 Geräte. „Das Studentenwerk ist mit den Gruppen, die widersprochen hatten, im Gespräch, und es zeichnen sich konkrete Lösungen ab“, sagte Reyer-Günther.

afu/mib

Melder oder Warner

In der Fachsprache wird zwischen Rauchmelder (ein Gerät, das den Alarm direkt bei der Feuerwehr meldet und meist in öffentlichen Gebäuden verwendet wird) und Rauchwarnmelder (ein Gerät, das vor Ort einen Alarm auslöst und vorwiegend in Wohnräumen eingesetzt wird) unterschieden. Auch haben die Geräte unterschiedliche Funktionsweisen.

Zwei Menschen bei Bränden getötet

Traurige Bilanz: Bislang sind zwei Menschen infolge von Bränden in Gebäuden im Jahr 2015 in der Stadt Göttingen ums Leben gekommen. 16 weitere Personen wurden bei fünf Bränden durch eingeatmete Rauchgase verletzt, wie Frank Gloth, Sprecher der Göttinger Berufsfeuerwehr, mitteilt. „Bei den genannten Bränden ist aber nicht mehr nachvollziehbar, ob Rauchwarnmelder vorhanden waren.“

Beispielhaft für den Einsatz eines Rauchwarnmelders sei ein Feuer im Februar 2014 gewesen. „Dort hat bei einem ausgedehnten Wohnungsbrand in der Göttinger Südstadt ein Rauchwarnmelder eine Tragödie verhindert“, sagt Gloth. Sieben Menschen einer in den frühen Morgenstunden in Brand geratenen Wohnung hätten durch den Alarmton des Melders geweckt werden und die Wohnung noch rechtzeitig verlassen können. Die Wohnung brannte anschließend vollständig aus.

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