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Burschenschaft Germania bedauert Schüsse auf Göttinger Wohnheim

Brief an die Wohnheimbewohner Burschenschaft Germania bedauert Schüsse auf Göttinger Wohnheim

Mit Bedauern hat die Burschenschaft Germania auf die Schüsse reagiert, die am Sonntag ein 21-jähriger Mann aus ihrem Verbindungshaus auf das gegenüberliegende Studentenwohnheim Bühlstraße 28 abgegeben hat. „Wir sind froh, dass dabei niemand zu Schaden gekommen ist“, heißt es in einem Schreiben der Verbindung an die Bewohner des Wohnheims, in dem sie sich von der Tat distanziert.

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Das Studentenwohnheim in der Göttinger Bühlstraße 28: Hier sind die Schüsse gefallen.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Der Mann hatte mit einer so genannten Softair-Waffe vom ersten Stock des Germania-Hauses mehrmals durch ein geöffnetes Fenster in ein Zimmer im Erdgeschoss der Bühlstraße 28 geschossen.

Die Polizei ermittelt gegen den Schützen, der die Tat eingeräumt hat, wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung. Ein zweiter Mann soll nach Angaben der Wohnheimbewohner ebenfalls beteiligt gewesen sein. Gegen diesen ermittelt die Polizei nach eigener Aussage aber nicht.

Germania-Senior Simeon Atkinson sieht das nachbarschaftliche Verhältnis schwer gestört. Konsequenzen seien eingeleitet geworden. So seien die Mietverträge der Beteiligten außerordentlich gekündigt worden. Beide waren zuvor schon nicht mehr Mitglied der Germania.

Nach Atkinsons Auskunft sei dem Schützen erst vor drei Wochen die Mitgliedschaft aus nicht genannten Gründen entzogen worden. Atkinson betont, dass sie als nichtschlagender Bund Gewaltanwendung gegenüber Anderen „kategorisch“ ablehne. Den Missbrauch einer Druckluftwaffe bedauere er.

Atkinson sieht nun das „angespannte Verhältnis“ zwischen der linken Szene und den Studentenverbindungen „weiter aufgeheizt“. Stattdessen wünsche er sich „ein friedvolles und gewaltfreies nachbarschaftliches Nebeneinander“.
Ratsherr Patrick Humke (Linke) fordert nach den Vorfällen mit Verbindungsstudenten in der vergangenen Tagen das Ender Verharmlosung.

Die Stadt, Staatsanwaltschaft  und Polizei seien gefordert, „endlich ordnungspolitisch gegen diese reaktionären und menschenverachtenden Auswüchse vorzugehen“.

Die Göttinger Kreisverband der Piratenpartei zeigt sich besorgt über „die wachsende Zahl politisch motivierter Einschüchterungsversuche und Gewalttaten in Göttingen“ – von Links wie von Rechts. Piratin Friederike Buch kommentierte die Ereignisse: „Gewalt ist niemals ein legitimes Mittel der Auseinandersetzung.“

Verbindungen auf Uni-Seite

Nach den Schüssen auf das Studentenwohnheim durch einen ehemaligen Verbindungsstudenten fordert die Grüne Jugend Göttingen (GJ) das Präsidium der Universität und Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel auf, „aktiv zu werden und als ersten Schritt die Liste mit Studentenverbindungen sofort von der Universitätshomepage zu entfernen“.

Hier fände sich sowohl die Burschenschaft Germania und „weitere durch Gewalttaten und Naziskandale auffällig gewordene Verbindungen“ wie etwa die Burschenschaft Hannovera. „Die Uni darf es nicht tolerieren, dass ihre Studierenden und andere in Göttingen lebenden Menschen von anderen Studenten beschossen, bedroht und beleidigt werden“, heißt es in einer Mitteilung der GJ.

Nach einem Neonazi-Skandal bei der Hannovera vor knapp drei Jahren – ein Mitglied war als Administrator eines Neo-Naziforums enttarnt worden und hatte an die NPD gespendet – hatte der Allgemeine Studierendenausschuss das Entfernen der Seite ebenfalls gefordert. Uni-Sprecher Romas Bielke erklärte damals, dass diese „zentralen Seiten“ regelmäßig überarbeitet würden.

Man habe sie unter Beobachtung. Der Asta-Aufforderung nachgekommen war sie nicht. Wegen auswärtiger Termine war Beisiegel gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Gewehre des Anscheins

Bei den von der Polizei beschlagnahmten Gewehren handelt es sich um Softair-Waffen. Häufig werden diese Druckluftwaffen für das Spiel Airsoft verwendet, einem taktisches Geländespiel, bei dem Gefechte ausgetragen werden. Die Waffen sind dabei häufig echten Waffen nachempfunden und kaum von diesen zu unterscheiden.

Nach Angaben von Polizeisprecher Joachim Lüther seien die sichergestellten Waffen Nachbildungen eines Sturmgewehres und einer Pumpgun gewesen. Wegen ihres täuschenden Aussehens gelten sie als so genannte Anscheinswaffen. Nach Paragraf 42a des Waffengesetzes ist das Führen solcher Waffen in der Öffentlichkeit verboten. Ausnahmen sind möglich, auch bei Brauchtumspflege, Sport oder einem allgemein anerkannten Zweck.

Gemessen an der Geschossenergie von unter 0,5 Joule gelten die Gewehre, mit denen auf das Studentenwohnheim geschossen worden ist, nicht als Waffen nach dem Waffengesetz. Sie sind an Personen ab 14 Jahren frei verkäuflich. Experten empfehlen bei Softair-Waffen bis 0,5 Joule Geschossenergie Schutzbrillen, um Augen zu schützen. Als Munition dienen sechs Millimeter große Kunststoffkugeln.

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