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Bußgeld gegen 215 Göttinger Schulschwänzer

100 Euro Strafe drohen beim Erstverstoß Bußgeld gegen 215 Göttinger Schulschwänzer

Nicht für den Vokabeltest gelernt, müde oder einfach keine Lust auf Mathe: Ausreden gibt es viele, sich vor dem Unterricht zu drücken. Manch ein Schüler prahlt gar mit der Zahl seiner Fehlstunden. Dabei ist Schuleschwänzen kein Kavaliersdelikt. Notorischen Schulverweigerern kann die Stadt sogar ein Bußgeld aufbrummen.

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Keine Lust auf Schule: In Göttingen schwänzen Schüler „in nicht unerheblichem Umfang“ den Unterricht.

Quelle: dpa

Göttingen. Allein im vergangenen Jahr hat sie das in rund 215 Fällen getan. Das sei angesichts von 20 000 Schülern, die es in Göttingen gebe, nicht viel, sagt Stadtsprecher Detlef Johannson. Zudem habe die Zahl der Bußgeldverfahren in den vergangenen Jahren leicht abgenommen. Dennoch: „Das Thema Schulabstinenz hat für uns einen hohen Stellenwert.“

Denn eine aktuelle Befragung der Beschäftigungsförderung Göttingen im Auftrag der Stadt kommt zu dem Ergebnis, dass es „einen nicht unerheblichen Umfang von Schulabstinenz auch an Göttinger Schulen“ gibt. Demnach hatten rund acht Prozent (291) von 3640 erfassten Schülern allein im zweiten Schulhalbjahr 2012/2013 mehr als fünf unentschuldigte Fehltage.

„Eine durchaus beachtliche Zahl“, heißt es in der Schlussfolgerung. Ähnliche Ergebnisse lieferte die Befragung auch für vorangegangene Schulhalbjahre. „Das ist unfassbar viel“, hatte Jugenddezernent Siegfried Lieske (Grüne) dazu gesagt.

Angezeigt bei der Verwaltung werden die Schüler von der Schule. Der Bußgeldrahmen sieht Strafen von fünf bis maximal 1000 Euro vor. „In der Regel werden beim Erstverstoß 100 Euro festgesetzt. Im Wiederholungsfall steigt der Betrag“, erklärt Johannson.
Schuleschwänzen kann also ganz schnell ein teures Vergnügen werden.

Schüler ab 14 Jahren müssen selbst zahlen

Zumal wenn man bedenkt, dass bei Schülern ab 14 Jahren das Bußgeld nicht mehr gegen die Eltern, sondern gegen die Jugendlichen verhängt wird. Wenn die Jugendlichen das Bußgeld nicht zahlen können, wird das Jugendgericht informiert, das statt des Bußgeldes bestimmte Auflagen erteilt.

Dazu gehört, ein Beratungsgespräch mit der Jugendgerichtshilfe zu führen, dann vier Wochen lang die Schule ohne Fehlzeiten zu besuchen und dies in einem weiteren Gespräch mit der Jugendgerichtshilfe nachzuweisen. „Wenn alle Maßnahmen nicht greifen und der junge Mensch einfach keine Lust hat, zur Schule zu gehen, bleibt als letzte Maßnahme die Verhängung von Arrest“, sagt Johannson. Das sei aber eine Ausnahme.

Anders verhält es sich bei den Eltern: „Die Bußgelder gegen die Erziehungsberechtigten durchlaufen das normale Verfahren, nötigenfalls mit Mahnung und anschließender Zwangsvollstreckung durch Sach-, Lohn-, Konten- oder Forderungspfändungen. Wenn das Bußgeld auch dadurch nicht beglichen werden kann, wird Erzwingungshaft beim Amtsgericht beantragt“, erklärt Johannson.

Zusätzlich kann der Fachbereich Jugend auch das Familiengericht (FG) anrufen. Das geschehe etwa fünfmal im Jahr und immer dann, „wenn die Schule dauerhaft nicht besucht wird und Erziehungsberechtigte Hilfsangebote ablehnen oder nicht in der Lage sind, für einen regelmäßigen Schulbesuch Sorge zu tragen“, sagt Johannson. In diesem Verfahren kann das FG sogar so weit gehen, den Eltern das Sorgerecht zu entziehen.

Ergebnisse der Befragung

Das hat es in dieser Form bisher in Göttingen nicht gegeben: Schulen sollten anhand eines einheitlichen Formulars unentschuldigte Fehlzeiten ihrer Schüler erfassen. Untersucht wurden von der Beschäftigungsförderung Göttingen im Auftrag der Stadt die vier Schulhalbjahre zwischen 2011 und 2013.

Im Schnitt wurden pro Halbjahr etwa 3100 Schüler erfasst. Fazit: Schulvermeidung gibt es „in nicht unerheblichem Umfang“ auch an Göttinger Schulen. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Im Schnitt fehlte jeder zwölfte Schüler (8,3 Prozent) in den vier Schuljahren mindestens fünf Schultage unentschuldigt.
  • Die Anzahl der Schwänzer und der Umfang von unentschuldigten Fehlzeiten nahmen im zweiten Schulhalbjahr deutlich zu.
  • Mehrheitlich schwänzen Jungen die Schule. Ihr Anteil an den Fehlzeiten lag bei 60 Prozent.
  • Schüler mit Migrationshintergrund haben einen großen Anteil an den Fehlzeiten, der im Schnitt bei 41 Prozent liegt.
  • Die größten Probleme mit Schulschwänzern haben die Hauptschulen, dicht gefolgt von Gesamtschulen, Förderschulen und Berufsbildenden Schulen.

Im Landkreis Göttingen ist die Zahl der Anzeigen gegen Schulschwänzer relativ stabil. In den vergangenen drei Jahren gab es pro Jahr um die 20 Anzeigen, sagt Alexandra Liebrecht von der Pressestelle. Allerdings steigt die Zahl der Bußgelder – von elf im Jahr 2011 auf 17 im Jahr 2013. Vergangenes Jahr wurden gegen Schüler 2800 Euro und gegen Eltern 1720 Euro Bußgeld verhängt.

Hilfsangebote

Nicht jedem Schulverweigerer droht sofort ein Bußgeld. Bevor es zu einer Anzeige kommt, rufen Lehrer oder Schulmitarbeiter in der Regel mehrmals bei den Eltern an und weisen auch per Brief auf das Schwänzen des Kindes hin. Hilft das alles nichts, informiert die Schule den Fachbereich Ordnung und den Allgemeinen Sozialdienst (ASD).

„In aller Regel kommt es zu gemeinsamen Gesprächen mit den Erziehungsberechtigten, dem Kind oder Jugendlichen sowie den Lehrkräften und dem ASD“, sagt Stadtsprecher Detlef Johannson. In diesen Gesprächen werden die konkreten Hintergründe für die Fehlzeiten ermittelt und Hilfsangebote vermittelt.

Dazu gehören laut Johannson Beratung durch das Schulverweigerer-Programm „2. Chance“, die Kompetenzagentur „Kontur“, Unterricht an der Produktionsschule oder die Schulpflichterfüllung durch den Besuch einer Jugendwerkstatt.

Weitere Alternativen: Therapien, Erziehungsberatung, Jugendhilfemaßnahmen etwa in Form von Erziehungsbeistandschaft und der Einsatz eines Schulbegleiters.

Die Koordinierungsstelle des Projekts „Schulverweigerung – Die zweite Chance“ befindet sich in der Unteren Karspüle 4 in Göttingen, Telefon 05 51 /  7 07 94 - 15, E-Mail: 2.chance@jugendhilfe-goettingen.de.

Die Kompetenzagentur „Kontur“, Nikolaistraße 28, ist wie die „zweite Chance“ ein Kooperationsprojekt der Jugendhilfe und der Beschäftigungsförderung. Infos unter Telefon 05 51 /  69 40 52 82 oder per E-Mail an j.duerr@goettingen.de.

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