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CDU und FDP wollen Strom statt Diesel

Kritik an Göttinger Verkehrsbetrieben CDU und FDP wollen Strom statt Diesel

Die CDU/FDP-Gruppe im Göttinger Stadtrat kritisiert die Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) wegen des hohen Anteils von Bussen ohne die Diesel-Euronorm 6. Die GöVB entgegnen, sie forciere den Einsatz von Euro-6-Fahrzeugen und bereite den Einsatz von Elektro-Bussen vor.

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"Einfach irgendwelche E-Busse zu kaufen, ist Unsinn", sagt GöVB-Chef Michael Neugebauer.

Quelle: Julian Stratenschulte (dpa)

Göttingen. Hintergrund der Kritik ist die aktuelle Debatte um den Stickoxid-Ausstoß von Dieselmotoren und mögliche Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Städten. Daher, so Hans-Georg Scherer, Vorsitzender der CDU/FDP-Ratsgruppe wie auch des Umweltausschusses, setze sich die Gruppe für die Einführung von Elektro-Bussen im Linienverkehr ein.

Dagegen habe angesichts der Größe Göttingens und ihrer Verkehrsstruktur ein generelles Fahrverbot für Dieselfahrzeuge keinen Sinn. Scherer: "Wenn zwei Dinge sich zügig so weiter entwickeln, wie wir das seit Jahren anstreben, dann können wir mittelfristig die Umweltbelastung auch ohne Fahreinschränkungen deutlich vermindern: Erstens der weitere, allerdings nicht erzwungene Umstieg vom Privat-Pkw auf Busse und Fahrräder und zweitens die Einführung von Elektro-Bussen in unserem Linienverkehr."

Wenn sich jedoch GöVB-Chef Michael Neugebauer "mit seinen neunzig Diesel-Bussen jetzt schon als Teil der Lösung anbietet", bemerkt Scherer, sei dies unverständlich: "Bisher erfüllen davon nur 13 die Euro-Norm 6." Noch hätten die GöVB "keinen einzigen E-Bus angemeldet".

Dem widerspricht Neugebauer. Noch in diesem Jahr würden 14 neue Euro-6-Busse angeschafft, so dass dann fast ein Drittel der Flotte diese Norm erfülle. Auch der Vorwurf, bei den E-Bussen blieben die GöVB untätig, sei falsch. Zurzeit laufe eine Studie, die ermitteln soll, welche Art von E-Bussen und Ladetechniken angesichts von Linienlängen und Göttinger Topografie sinnvoll sei: "Einfach irgendwelche E-Busse zu kaufen, ist Unsinn." Außerdem seien Elektrobusse derzeit "etwa doppelt so teuer wie Dieselfahrzeuge".

Neugebauer zeigt sich zudem verwundert darüber, dass die Ratsgruppe die GöVB kritisiert, obwohl sie unter anderem mit Scherer selbst im Aufsichtsrat sitze und somit für den Fahrzeugpark mitverantwortlich sei: "Die Fahrzeugbeschaffung ist Sache des Aufsichtsrats."

Für die Stadtverwaltung erklärt Detlef Johannson, "wir müssen den aus dem Jahr 2011 stammenden Luftreinhalteplan aktualisieren, auch wenn wir in Göttingen nur eine geringfügige Überschreitung des Grenzwertes verzeichnen mussten. Das soll 2017 abgeschlossen werden." Der Plan müsse diejenigen Maßnahmen enthalten, die geeignet sind, die Stickoxidbelastung unter den Grenzwert zu drücken. Johannson: "An diese Arbeit machen wir uns jetzt."

Problem Stickoxide

Nachdem sie mit Abgasreinigungssystemen ausgerüstet waren, galten Dieselmotoren wegen ihres niedrigen Verbrauchs lange Zeit als umweltfreundlich. Ein Problem dieser Technik geriet allerdings erst in jüngster Zeit in die Diskussion: Im Vergleich zu modernen Benzinmotoren mit Drei-Wege-Katalysator stoßen Dieselmotoren deutlich mehr Stickoxide aus. Stickoxide, vor allem Stickstoffdioxid, reizen und schädigen die Atmungsorgane. Die Lungenfunktion von Kindern und Erwachsenen wird beeinträchtigt.

Im Dieselmotor lässt sich die Bildung von Stickoxiden derzeit nur durch die Einspritzung einer Harnstoff-Lösung nennenswert verringern. Allerdings hat Toyota für seine neue Version des Pickups Hilux einen 2,4-Liter-Diesel auf den Markt gebracht, der ohne Harnstoff die Euro-6-Norm erfüllen soll.

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