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Amerikaner auf der Suche nach Antworten

Kulturbotschafter in Göttingen Amerikaner auf der Suche nach Antworten

„Aus welchem Staat du kommst und was du über Trump denkst“ – das interessierte die Göttinger am meisten, wenn sie den US-Amerikaner Brock Minton kennengelernt haben. Als Kulturbotschafter hat er zusammen mit Carissa Hauck ein knappes Jahr in der Universitätsstadt gelebt, studiert und ehrenamtlich gearbeitet.

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Brock Minton und Carissa Hauck

Quelle: MAH

Göttingen. Die beiden engagierten sich vor allem bei der Göttinger Tafel: Brock arbeitete in der Küche und holte Lebensmittel aus den Geschäften, Carissa kümmerte sich um die Lebensmittelausgabe und übersetzte die Tafel-Homepage ins Englische. „Es ist schön, wenn man etwas geben kann“, erklärt die 23-jährige Studentin. Auch das Miteinander unter den Tafel-Mitarbeitern habe ihr gefallen: „Sie genießen ihre Arbeit und sind sehr engagiert.“ In den USA gebe es zwar ähnliche Organisationen, die allerdings nicht so groß seien.

Außerdem arbeitete Carissa im Second Hand Oxfam Shop und Brock unterstützte die Malteser und die Straßensozialarbeit ehrenamtlich. Das war auch Teil des Austauschprogramms, denn die beiden Studenten kamen über das Parlamentarische Patenschafts-Programm nach Deutschland. Erst büffelten sie am Bodensee und in Köln zwei Monate die deutsche Sprache, dann vertieften sie an der Göttinger Uni ein Semester ihre Fächer. Bei Carissa ist das Betriebswirtschaftslehre, Brock studiert als angehender Ingenieur Materialwissenschaften.

Nicht nur die Sprache bereitete den beiden Amerikanern einige Schwierigkeiten, auch Heimweh blitzte hin und wieder auf. Vor allem bei Carissa: „Meine Gastfamilie hat sehr viel mit mir unternommen, damit ich nicht so traurig bin.“ Sie ist während der vergangenen Monate viel herumgekommen. Ein besonderes Highlight war für sie eine Städtetour nach Straßburg, wo sie das Europa-Parlament besucht hat. Auch in Berlin waren beide, um den Deutschen Bundestag kennenzulernen.

Trotz vieler positiven Erfahrungen fiel es beiden nicht leicht, in Deutschland schnell Freunde zu finden. „Es ist ein bisschen schwieriger, andere Menschen kennenzulernen“, erzählt Carissa. Die Deutschen wirkten eher reserviert und nicht so offen. Doch davon ließen sich die beiden Amerikaner nicht entmutigen und schlossen während der vergangenen Monate viele Freundschaften. Denn „wenn, dann ist es in Deutschland wirklich ein Freund“, sagt Brock.

Mit denen probiert er gerne beim Hochschulsport unterschiedliche Sportarten aus – am besten gefallen ihm die Trendsportarten Floorball, eine Art Hockey, und Jugger, einer Mischung aus Rugby und Fechten. Carissa genießt vor allem lange Wanderungen zwischen Göttingen und Kassel und ausgiebiges Fahrradfahren. Das sei in Amerika als Fortbewegungsmittel überhaupt nicht verbreitet: „Als Kind fährt man bei uns Fahrrad – oder aus Spaß“, erzählt die Studentin aus South Dakota.

Nach der Herkunft fragten die Deutschen immer als erstes, und nach Trump. Brock, der eigentlich in Indiana lebt, hatte die amerikanische Wahlnacht vor dem Fernseher verbracht. „Ich war die nächsten zwei Wochen traurig“, erinnert sich der 25-Jährige. „Es ist schwierig zu erklären, aber es gibt Gründe für dieses Ergebnis.“ Als Kulturbotschafter versuchten beide, Antworten zu geben.

Während Carissa der bevorstehende Abschied Mitte Juli von den neuen Freunden und der Gastfamilie sehr schwer fällt, erklärt Brock: „Jetzt bin ich bereit, nach Hause zu gehen.“ Aber er kann sich vorstellen, wiederzukommen, um in Deutschland zu leben.  

Das Parlamentarische Patenschafts-Programm

Das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) ist ein gemeinsames Programm des Deutschen Bundestags und des US-amikanischen Kongresses. Dazu vergibt der Bundestag Stipendien für ein Austauschjahr in den USA n Schüler und junge Berufstätige. Es steht unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten. Seit dem 1. Mai läuft die Bewerbungsphase für das 35. PPP 2018/2019. Weitere Informationen gibt es im Internet unter bundestag.de/ppp.

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