Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Caroline Gippert hat den Keller voll Samt und Tüll

Göttinger Profile Caroline Gippert hat den Keller voll Samt und Tüll

Caroline Gippert ist Balletttänzerin. Mit elf Jahren ging sie ins Ballett-Internat nach Hamburg, tanzte später an der Staatsoper und unterrichtete schließlich in und um Göttingen Ballettschüler. Die 38-jährige Göttingerin blickt bereits auf eine spannende Zeit zurück, hat aber noch einiges vor.

Voriger Artikel
Anfragen aus Südtirol für Fortbildungen
Nächster Artikel
Ministerin Hendricks zeichnet "Forum Wissen" aus

Caroline Geppert zeigt ihren Kostümfundus.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Ihr Keller ähnelt einem Mädchentraum und gleicht einer Theatergarderobe. Dort stapeln sich rosa Tüll, weißer Samt und rote Seide in großen Kisten. An Kleiderstangen hängen unterschiedliche Ballettkleider. „Hier hängt immer ein Exemplar“, erklärt Caroline Gippert und greift auf Zehenspitzen nach einem Kleid. Knapp 3 000 Ballettkleider zählen zu ihrem privaten Fundus. Anhand von Beschriftungen weiß sie, in welcher Kiste wie viele Kleider stecken. 54 Kisten sehen da, hinzu kommen allerlei Accessoires, Masken und  Kopfbedeckungen. Was sie mit alledem genau machen wird, weiß die Ballerina noch nicht. Sie kann sich vorstellen, ihren Fundus wieder für die Arbeit zu nutzen. Zurzeit tanzt sie wegen ihrer Kinder nicht. Vielleicht verkauft sie die Kostüme aber auch. Auf jeden Fall sind die Kleider das Bindeglied zwischen Gipperts Vergangenheit und Zukunft.

Schon früh zeigte sich Gipperts Leidenschaft fürs Ballett. Mit elf Jahren begann die kleine Caroline ihre Ballettkünste zu professionalisieren. Sie  ging nach Hamburg ins Ballettinternat. Sie erzählt von dem harten Training an der Kader-Schule, zu der sie jeden Montag früh morgens von Göttingen aus aufbrach und in der sie bis freitags blieb. Alle sechs Monate wurden die Leistungen der Schüler geprüft und über den weiteren Aufenthalt entschieden. „Außer Talent muss ein irrer Wille da sein“, sagt Gippert. Und den hatte sie: Morgens war Schulunterricht, nach einer kurzen Mittagspause und einer Hausaufgabenzeit stand bis abends Ballettunterricht auf dem Plan. Mit 16 Jahren tanzte sie nach dem Training schon kleine Rollen in der Staatsoper.

Das Heimweh machte ihr oft zu schaffen, auch der enge Zeitplan, der fast keinen Raum für Privates ließ. Die ersten vier Jahre begleitete ihre Mutter sie nach Hamburg. Mit 19 Jahren wurde die Sehnsucht in die Heimat allerdings zu groß. Trotz der Angebote von Opernhäusern entschied sich Gippert für Göttingen. Sie gründete 1999 nach einer pädagogischen Zusatzausbildung die „Ballettschule Caroline“.

Zehn Jahre unterrichtete sie wöchentlich bis zu 450 Ballettschüler. Neben dem Training veranstaltete sie Aufführungen in den Stadthallen Göttingen und Northeim, viele Kostüme dafür ließ sie schneidern. „Mir war es wichtig, dass die Auftritte ein Feuerwerk waren,“ sagt sie.

In der 38-jährigen Mutter von drei Kindern steckt immer noch die Ballerina. Vor einigen Wochen meldete sie ihr Gewerbe ab. „Ich hab mich total ausgelebt und meinen Spaß gehabt“, sagt sie. „Heute bin ich gerne mit meinen Kindern auf dem Boden und spiele.“ Was die Zukunft bringt, weiß sie noch nicht genau. Auf jeden Fall wird sie mit Ballett zu tun haben.

Von Kathrin Westphal

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Der Wochenrückblick vom 26. November bis 2. Dezember 2016