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Chance für Gewalttäter und Familien

Polizei übermittelt Täterdaten an Beratungsstelle Chance für Gewalttäter und Familien

Die Göttinger Polizei gibt künftig nach Einsätzen bei häuslicher Gewalt Täterdaten an eine spezialisierte Beratungsstelle weiter. Ziel ist, eine möglichst schnelle Kontaktaufnahme zu ermöglichen. Gewalttäter sollen die Chance bekommen, ihre eingefahrenen Verhaltensmuster abzustreifen und Verantwortung zu übernehmen.

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Kooperation: Ossenberg (v.l.), Heide Volle, Nordhoff, Kortleben und Polizeichef Rath.

Quelle: CH

Göttingen. Familientragödien sollen verhindert werden. Thomas Rath, Leiter der Polizeiinspektion Göttingen, und Peter Nordhoff vom Verein Wege ohne Gewalt (Woge)  unterzeichneten am Montag, 10. September, einen entsprechenden Kooperationsvertrag.

In Stadt und Landkreis Göttingen gab es im vergangenen Jahr rund 900 Polizeieinsätze bei häuslicher Gewalt. Nicht bei allen war es bereits zu Gewalttaten gekommen. Beleidigung und Sachbeschädigung, durchaus auch in filmreifen Größenordnungen, zwingen Beamte zum Eingreifen. Neu ist jetzt, dass Polizeibeamte eine Gefährdungsprognose abgeben müssen und nach Einzelfallprüfung Täterdaten übermitteln, wenn anzunehmen ist, dass der jeweilige Täter auch zukünftig gewalttätig auftreten könnte. Woge leistet bereits seit 2007 Täterarbeit in Göttingen auf freiwilliger Basis und auf „sanften Druck“ von Polizei und Justizbehörden, so Staatsanwältin Elke Ossenberg. „Wir möchten das nicht mehr missen.“

Mit der Verantwortung konfrontiert

In Gruppen werden Täter an 20 Abenden mit ihrer Verantwortung konfrontiert. Von denen, die das Training bis zum Ende absolviert haben, ist Nordhoff zufolge keiner wieder auffällig geworden. Über Inhalte der Abende werden Justizbehörden nicht informiert, nur über Teilnahme und Abschluss. Täter kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten, aus Städten wie aus kleinen Dörfern. Mittlerweile ein Fünftel sind Frauen. Eine Reihe von Tätern sagten, sie wollten etwas verändern, wüssten aber nicht wie, so Kriminalhauptkommissarin Anne Kortleben.

Das Sozialministerium leistet für sieben Kooperationen eine Anschubfinanzierung, darunter die mit der Täterberatungsstelle von Woge mit Anlaufstellen in Göttingen und Northeim. Finanziert wird die Arbeit außerdem über Bußgelder und Teilnehmerbeiträge sowie durch den Landkreis.

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