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Per Kurznachricht auf dem Handy

Beihilfe zum Drogenhandel Per Kurznachricht auf dem Handy

„Es holt einen alles wieder ein, was man auf dem Handy hinterlässt.“ Diesen Ratschlag der Staatsanwältin und eine Haftsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung hat der 28-jährige Angeklagte am Mittwoch aus dem Amtsgericht mitgenommen.

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Die Anklage fußte auf der Kommunikation des Angeklagten via Textnachrichten mit dem Handy.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Ihm war laut Anklageschrift vorgeworfen worden, einen Deal mit 1000 Gramm Marihuana abgewickelt zu haben – ein Schreibfehler, wie sich später herausstellte.

Die Anklage fußte auf der Kommunikation des Angeklagten via Textnachrichten mit dem Handy. Dem Chatprotokoll war zu entnehmen, dass wiederholt über Preise und Treffpunkte gesprochen wurde, dass „Holland-Quali“ immer gut sei, und dass im April vergangenen Jahres eine Abnahme „für 1000, vielleicht 3000“ bevorstand. Eben diese Menge war dann auch Gegenstand der Anklage: Marihuana im Wert von 1000 Euro in zwei Lieferungen, zu einem Grammpreis von acht Euro.

Dass in der Anklageschrift irrtümlich von der achtfachen Menge zu lesen war, war bis zu diesem Zeitpunkt weder dem Angeklagten noch seinem Verteidiger aufgefallen. Zu sehr war man darauf konzentriert, dem Gericht zu versichern, dass man bei dem Geschäft bestenfalls als Vermittler tätig gewesen sei. Dass man nicht aus eigenem finanziellen Interesse gehandelt habe.

Auch wenn diese Version der Wahrheit der Staatsanwältin das Wort „Märchenstunde“ entlockte, blieb der Angeklagte dabei: „Ich hatte mit dem Deal nichts zu tun.“
Er habe damals auf der Straße gelebt, mit Flaschensammeln versucht, sich und den Hund mit Nahrung zu versorgen. Woher hätte er das Geld für Drogen nehmen sollen? Freunde hätten ihn gebeten, sich mal umzuhören, wo sie günstig was zu rauchen bekommen könnten. Das habe er natürlich gemacht – als Freundschaftsdienst. Er habe lediglich den Kontakt herstellen sollen. Und dafür nutzte er eben sein Handy, aus dem in der Verhandlung ausführlich zitiert wurde.

Der endgültige Beweis für die Tat fand sich dort allerdings ebensowenig wie bei der Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten. Und so schrumpften im Verlauf des Prozesses 1000 Gramm zu 125, und die Täterschaft zur Beihilfe. „Es ist nicht glaubhaft, dass sie in ihrer damaligen Situation nicht aus eigenen wirtschaftlichen Erwägungen gehandelt haben sollen, aber wir können es nicht nachweisen“, erklärte Richter Christian Queisner.

Das Urteil fiel daher mit sieben Monaten zur Bewährung und 120 Sozialstunden milde aus. Berücksichtigt wurde dabei auch die gute Sozialprognose. Denn der junge Mann lässt die Krise offensichtlich gerade hinter sich, in die er gestürzt war, als seine Frau ihn verlassen hatte – per Kurznachricht auf dem Handy.

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