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Chemieunfall im Industriegebiet

Extrem giftige Substanz Chemieunfall im Industriegebiet

Wegen eines Chemieunfalls in der Biotechnik-Firma IBA im Göttinger Industriegebiet ist die Rudolf-Wissell-Straße am Freitagmittag gesperrt worden. In einem Labor war Bromcyan, eine äußerst giftige Substanz, ausgetreten.

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Feuerwehrleute in der Rudolf-Wissell-Straße.

Quelle: Wenzel

Göttingen.

Nach einem Notruf um 11.35 Uhr wurde das betroffene Firmengebäude mit etwa 60 Mitarbeitern evakuiert, teilte die Göttinger Polizei mit. Mehrere Angestellte klagten über Kopfschmerzen und mussten untersucht und behandelt werden. Drei von ihnen wurden ins Krankenhaus gebracht. Offenbar hatte sich die giftige Substanz nur in dem Labor ausgebreitet. Um 13.35 Uhr wurde die Straße wieder freigegeben.

Das in einem organischen Lösungsmittel  aufbewahrte Bromcyan, so erklärt IBA-Geschäftsführer Joachim Bertram, werde in seinem Biotechnik-Unternehmen in der Produktion für komplizierte biotechnologische Prozesse eingesetzt. Das Gefäß mit 800 Millilitern dieser Lösung sei zerbrochen, als gerade niemand im Labor arbeitet, die Prozesse liefen teils automatisch ab. Der Mitarbeiter, der dann das Labor betrat, bemerkte sofort die Scherben auf dem Boden und schloss sofort die Tür, erklärt Bertram. Da alle Mitarbeiter für solche Fälle geschult seien, verließen sie das Gebäude. „Wir haben und dann sofort beim Giftinformationszentrum Nord beraten lassen und die Feuerwehr alarmiert“, so Bertram.

Nachdem die Einsatzkräfte im Labor Bindemittel gestreut hatten, konnte der Rest Bromcyan fachgerecht beseitigt werden. Betram: „Ein Gutachter, der im Anschluss alles untersucht hat, hat bestätigt, dass wir das Gebäude wieder nutzen können“. Der Boden in dem Labor werde aber nach Pfingsten noch speziell gereinigt.

Wie Frank Gloth von der Feuerwehr erklärt, sei neben dem Gefahrstoffzug auch ein Großaufgebot an Rettungskräften im Einsatz gewesen: „Wir haben 24 Personen einzeln aufgenommen und betreut.“ Dafür wurde eigens ein Stadtbus herangeholt.

Nach der medizinischen Untersuchung und Beratung wurden zwei Mitarbeiter vorsichtshalber zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht. Das Göttinger Gewerbeaufsichtsamt untersucht den Zwischenfall.

Extrem giftig

Bromcyan, auch Cyanbromid, ist ein Derivat von Blausäure. Es ist um ein Vielfaches giftiger als Kaliumcyanid, besser bekannt als Zyankali – auch dieses eine Blausäureverbindung.

Chemisch ist bei Bromcyan das Wasserstoffatom der Blausäute durch Brom ersetzt. Es wirkt als Gift auf Stoffwechselprozesse und als Nervengift. Außer in der Goldlaugerei wird es bei der Sequenzierung von Proteinen eingesetzt. Die Substanz spaltet das Proteinmaterial in kürzere Bruchteile auf, die mit den gängigen Verfahren besser analysiert werden können.

Bromcyan ist eine farblose, wasserlösliche und bei Raumtemperatur feste Substanz. Der Schmelzpunkt liegt bei 52, der Siedepunkt bei 61,4 Grad Celsius. Über die Haut wird gasförmiges Bromcyan kaum, über die Atemwege und den Verdauungstrakt jedoch effektiv resorbiert. Die Substanz wirkt auf Augen, Haut und Schleimhäute sehr stark reizend bis ätzend.        hein

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