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„Cocktails, Kongo, Kakerlaken“

Dietlind Adt veröffentlicht Buch über ihr Leben als Botschaftergattin in Afrika „Cocktails, Kongo, Kakerlaken“

Cocktails schlürfen, Bridge spielen, Bälle besuchen: So stellen sich viele das Leben einer Diplomatengattin vor. Doch die Realität ist eine andere – insbesondere dann,  wenn sich die Botschaft nicht in Paris oder London, sondern einer kleineren, weniger mondänen Hauptstadt befindet. Wie zum Beispiel Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik.

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Beschreibt die 80er Jahre in der Zentralafrikanischen Republik: Dietlind Adt.

Quelle: Hinzmann

Adelebsen. Dietlind Adt hat dort von 1984 bis 1986 als Frau des Botschafters Harro Adt gelebt. Ihre Erlebnisse hat die studierte Pharmazeutin jetzt niedergeschrieben – ein Erlebnisbericht, spannender als ein Krimi.  

Wenn mal wieder der Strom ausfällt, entzündet die Botschafterfrau den Elektroherd mit Streichhölzern – wenn denn welche zur Hand sind. Manchmal gehen die Adts auf den Golfplatz – wenn nicht gerade die Fremdenlegion dort übt. Die Botschaft bewachen zwei einheimische Krieger – mit Pfeil und Bogen bewaffnet. Die Küche ist voller Ameisen, beim Duschen kriechen Kakerlaken aus dem Abfluss. Wenn sich Grüne Mambas im Garten schlängeln, erschlägt Florian – der Sohn der Adts – sie mit einem großen Stock. Apropos Tiere: In die Schule, die Florian und seine Schwester Katrin besuchten, dringt während des Unterrichts einmal ein Affe ein und randaliert.

Während ihr Mann vor allem mit dem Aufbau der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem ehemaligen Reich von Kaiser Bokassa und der Bundesrepublik beschäftigt ist, kümmert sich Dietlind Adt um die Botschafterresidenz und nimmt Repräsentationspflichten wahr. Für 500 Gäste kochen, 3000 Brötchen schmieren: Teil ihres Jobs, für den ihr die Bundesrepublik übrigens keinen Pfennig zahlt. Zum Ausgleich trifft sie die Frau des französischen Präsidenten, Danielle Mitterrand, und ist Zeugin, wie sich auf einem unruhigen Flug über den Busch die Diplomatengattinnen mangels Spucktüten auf ihren eleganten Cocktail-Kleidern erleichtern.  

Im letzten Kapitel lässt Adt noch einmal ihre Tochter Katrin zu Wort kommen: „Hier sprechen ja alle Deutsch“, wundert sich das Mädchen auf einem Heimaturlaub. Ein treffender Abschluss für ein Buch, das den Leser in eine fremde, gelegentlich glamouröse, mit ihren Alltags-Problemen häufig überraschend banal wirkende, aber immer faszinierende Welt entführt.

 
Dietlind Adt: „Cocktails, Kongo, Kakerlaken – Diplomatenfamilie auf Posten in Zentral-Afrika“, Books on Demand. 404 Seiten, 22,99 Euro.

Von Hauke Rudolph

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