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Coolness ist gefragt beim Ross des Heiligen Martin

Martinsumzüge in Göttingen und Region Coolness ist gefragt beim Ross des Heiligen Martin

Traditionell führen die Martinsreiter auf ihren Pferden die Laternenzüge der Kinder an. Wie bereiten sich Ross und Reiter auf ihre Aufgabe vor? Zwei Martins-Reiterinnen aus dem Eichsfeld berichten.

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Jennifer Flucke wird mit ihrem Pferd Lexus den St.-Martinsumzug in Immingerode anführen

Quelle: Foto: Richter

Immingerode / Nesselröden. Am 11. November wird Martinstag gefeiert, vielerorts mit Laternen- und Fackelumzügen und mit einem Martins-Darsteller auf einem Pferd. Doch wer sind eigentlich die Reiter im prächtigen Mantel? Und nicht jedes Pferd scheint für den Umzug geeignet.

Bei den Laternenzügen wird von den Kindern der Heilige Martin besungen. Der Legende nach teilte der römische Soldat, der als Martin von Tours im 4. Jahrhundert lebte, seinen Mantel mit einem Bettler. Der arme Mann erschien ihm später im Traum als Jesus Christus. Seitdem steht Martin für christliche Nächstenliebe.

Im Volksbrauch wird der Heilige Martin durch einen Reiter im prächtigen Mantel dargestellt – wenn möglich auf einem Pferd sitzend, so wie er auch auf den Heiligenbildern in Erscheinung tritt. Da Pferde allerdings zu den Fluchttieren gehören, rennen sie weg, wenn sie Angst bekommen. Und wenn sie sich in die Enge getrieben fühlen, könnten sie auch um sich schlagen. Feuer ist den meisten Säugetieren suspekt, daher ist es für ein Pferd schon eine Herausforderung, neben brennenden Fackeln und schwenkenden Laternen völlig gelassen zu bleiben.

Aufsichtspflicht, Haftung und Unfallschutz bei Laternenumzügen

Wenn am Martinstag wieder zahlreiche Kinder mit ihren Laternen an Umzügen teilnehmen und durch die Orte ziehen, kommt es nicht nur zu viel Gesang und Spaß, sondern auch ab und an mal zu einem kleinen Missgeschick oder Unfall.

Bei wem liegt die Aufsichtspflicht? Auch wenn es ein Laternenumzug einer Kindertagesstätte ist, sind die Eltern aufsichtspflichtig, wenn sie ihre Kinder bei einem Umzug begleiten, erklärt Michaela Rassat, Juristin der D.A.S. Rechtsschutz Leistungs-GmbH. Wenn die Eltern allerdings nicht als Begleitung dabei seien, liege die Aufsichtspflicht bei der Kita.

Wer haftet? Unabhängig davon, wer die Aufsichtspflicht hat, gilt: „Erzieher oder Eltern müssen nur dann für einen von den Kindern verursachten Schaden haften, wenn sie die Aufsichtspflicht verletzt haben. Da es keine gesetzliche Definition gibt, lässt sich meist schwer beantworten, ob tatsächlich eine Verletzung der Aufsichtspflicht vorliegt”, sagt D.A.S.-Expertin Rassat. Deshalb rät Rolf Mertens, Versicherungsexperte von Ergo, darauf zu achten, dass die Privat-Haftpflichtversicherung eine Kinderschadensklausel enthalte.

Wer bezahlt beim Arm- oder Beinbruch während des Laternenumzugs? „Wenn der Umzug eine Veranstaltung der Kita ist, greift der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung“, sagt Rudolf Kayser, Unfallexperte von Ergo. Die Kinder seien dann während der Veranstaltung sowie auf dem Hin- und Rückweg abgesichert.

 

Jennifer Flucke wird in diesem Jahr das dritte Mal mit ihrem Friesen-Mix-Wallach Lexus beim Martinsumzug in Immingerode mitreiten. „Ich habe ihn, seit er drei Jahre alt war und vertraue ihm. Er ist auch mit Kindern völlig cool“, sagt die Zahnarzthelferin über ihren elfjährigen Rappen. Trainiert hat sie ihr Pferd nicht extra, um ihn an Fackeln und Laternen zu gewöhnen. Eine Begleiterin geht beim Umzug hinter dem Pferd mit, um darauf zu achten, dass die Kinder nicht zu nahe kommen. „Ganz sicher kann man sich trotz allen Vertrauens nie sein. Auch das ruhigste Pferd kann sich mal erschrecken“, erklärt Flucke die Vorsichtsmaßnahmen. Als St. Martin wird sie die Kinder in Immingerode an der Kirche abholen und den Laternenzug durch das Dorf anführen. Im Anschluss gibt es ein paar Süßigkeiten für die Kinder in der Mehrzweckhalle – und auch für Lexus eine Belohnung.

„Meine eigenen Pferde nehme ich nicht für den Umzug. Ich leihe mir ein sehr gelassenes Pferd von einer Freundin“, sagt Kira Rittmeier, die in Nesselröden seit ihrem 15. Lebensjahr St. Martin darstellt. Jetzt ist sie 21 Jahre alt und sonst eher sportlich auf ihren Pferden unterwegs, reitet seit Jahren Springturniere bis in höheren Klassen. Um einen Sicherheitsabstand zu den Kindern und den Laternen zu wahren, achten auch in Nesselröden immer zwei Begleiter darauf, dass keiner das Pferd erschreckt. „Wir trainieren vorher nicht mit Laternen und Feuer, ich reite beim Umzug einfach los“, sagt Rittmeier. Sie habe Vertrauen zu dem Pferd. In diesem Jahr reitet sie die Hannoveranerstute Carlotta, die mit acht Jahren zwar noch jung sei, aber sehr nervenstark. Auf einem Pferd, dem sie nicht vertrauen könnte, würde sie nicht beim Umzug auftreten, sagt Rittmeier. Zudem spüre das Pferd die Nervosität des Reiters und sei dann selbst verunsichert.

„Nesselröden ist seit Jahrzehnten ein Reiterdorf. Die meisten Eltern achten darauf, dass die Kinder mit den Laternen nicht zu nahe ans Pferd gehen“, sagt die Reiterin, deren Vater Arnold Rittmeier der Vorsitzende des Reitvereins St. Georg ist. Einige der Kinder nehmen selbst Reitunterricht im Verein und kennen sich auch schon etwas mit Pferden aus. „Nach dem Umzug warten wir vor der Kirche. Dort dürfen die Kinder dann auch das Pferd streicheln, während die Eltern die Laterne halten“, sagt die Martins-Reiterin.

Die Martinszüge im Überblick

  • Der Martinsumzug in beginnt am Donnerstag, 9. November, um 17 Uhr an der Katholischen Kirche St. Heinrich und Kunigunde, St.-Heinrich-Straße 5, und endet an der St.-Petri-Kirche mit dem Teilen der Martinsbrezeln. Begleitet wird der Umzug von einem Reiter.
  • Martinsumzug und Martinsmarkt werden am Freitag, 10. November, in Bilshausen geboten. Der Umzug startet nach dem Wortgottesdienst, der um 17 Uhr in der katholischen Kirche im Ort ausgerichtet wird. Nach dem Umzug gibt es den Martinsmarkt vor dem Pfarrheim.
  • Das Lindauer Martinssingen fängt dieses Jahr mit einer Andacht am Freitag, 10. November, um 16.30 Uhr in der katholischen Kirche in Lindau an. Anschließend gehen die Gruppen durch die Straßen, um an Haustüren Martinslieder zu singen.
  • Eine ökumenische Martinsfeier gibt es am Freitag, 10. November, in der Basilika St. Cyriakus in Duderstadt. Beginn ist um 17 Uhr, anschließend startet der Laternenumzug durch die Stadt.
  • Das St.-Martinsspiel führt die Grundschule Gerblingerode am Freitag, 10. November, in der Kirche ab 17 Uhr auf. Anschließend gehen die Kinder mit ihren Laternen und Fackeln sowie St. Martin hoch zu Ross zur Kindertagesstätte im Ort.
  • Eine ökumenische Martinsfeier mit Laternenumzug gibt es am Freitag, 10. November, in Heilbad Heiligenstadt. Treffen ist um 17 Uhr an der Kirche St. Martin am Friedensplatz. Der Umzug führt seine Teilnehmer zum Markt im Ort.
  • Zum Martinsumzug in Geismar treffen sich Kinder und Erwachsene am Freitag, 10. November. Beginn ist um 17 Uhr ab Maria Frieden, Sandersbeek 1.
  • Ein Martinsumzug startet am Sonnabend, 11. November, an der Kirche St. Johannis in Göttingen. Treffen ist um 16.45 Uhr.
  • Eine Martinsandacht wird am Sonnabend, 11. November, ab 16.30 Uhr in der Kirche Mariä Verkündigung in Breitenberg gebetet. Anschließend gibt es um 17 Uhr einen Laternenumzug mit dem Heiligen Martin und dem Fackelzug der örtlichen Jugendfeuerwehr.
  • Die Messdiener aus St. Pankratius in Fuhrbach laden am Sonnabend, 11. November, um 17 Uhr zum Martinsumzug ein. Nach einer kurzen Andacht in der Kirche in Fuhrbach beginnt der Martinsumzug. Im Anschluss gibt es ein Treffen am Parkplatz an der Kirche zum gemütlichen Beisammensein.
  • Der Martinsumzug in Immingerode startet am Sonnabend, 11. November, im Anschluss an die Vorabendmesse um 17 Uhr. Kinder können ihre Laternen mit in die Messe nehmen in der Kirche St. Johannes Baptist, Böseckendorfer Straße 6, in Immingerode.
  • Eine Martinsfeier organisiert der Kirchort St. Blasius für Sonnabend, 11. November. Die Feier beginnt um 17 Uhr in der Kirche in Obernfeld anschließend startet an der Kirche ein Laternenumzug durch Obernfeld. Er endet am örtlichen Pfarrheim.
  • Zum Martinsumzug lädt der Ortskirchenrat Nesselröden am Sonnabend, 11. November, ein. Beginn ist um 16.30 Uhr mit einer kurzen Andacht in der St.-Georg-Kirche in Nesselröden. Im Anschluss um etwa 16.50 Uhr beginnt der Umzug.
  • Eine Wort-Gottes-Feier mit anschließendem Martinsumzug gibt es am Sonntag, 12. November, in der Kirche St. Andreas in Mingerode. Die Feier beginnt um 17 Uhr.
  • Die St.-Martinsfeier für die Dörfer Bodensee und Wollbrandshausen wird am Sonntag, 12. November, in der Kirche St. Georg in Wollbrandshausen ausgerichtet. Beginn ist um 16.30 Uhr.
  • Die Martinsfeier in Germershausen beginnt am Sonntag, 12. November, mit einer Andacht um 16.30 Uhr in der Wallfahrtskirche. Anschließend zieht der Laternenumzug durch das Dorf bis zur „Alten Schule“.
  • Ein St.-Martinsgottesdienst wird am Montag, 13. November, um 17 Uhr in der St.-Marien-Kirche in Wollershausen gefeiert. Danach folgt ein Umzug durch das Dorf, Abschluss ist im Dorfgemeinschaftshaus.
  • Einen Gottesdienst und Laternenumzug zu St. Martin gibt es am Sonntag, 12. November, in Gladebeck. Der Familiengottesdienst beginnt um 17 Uhr in der örtlichen Kirche, danach folgt der Umzug mit den mitgebrachten Laternen.
  • Warum junge Europäer in den Dschihad ziehen, will der hannoversche Professor Jürgen Manemann beim Martinsempfang am Dienstag, 14. November, in der Germershäuser Bildungsstätte St. Martin erklären. Manemann stellt sein Buch „Der Dschihad und der Nihilismus des Westens“ vor. Der Empfang beginnt um 19 Uhr mit einem Geistlichen Wort von Propst Bernd Galluschke.

Von Claudia Nachtwey

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