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Helfer gegen Onlinefalle sind Betrüger

Polizei Göttingen warnt Helfer gegen Onlinefalle sind Betrüger

Die Masche ist seit Jahren bekannt, aber sie funktioniert noch. Die Polizei ermittelt, aber der Betrug geht weiter. Selbst die Callcenter in Indien sind von der Polizei gestürmt worden, doch die Anrufe ebben nicht ab. Betrüger geben sich als Helfer gegen Computerviren und -trojaner aus - und sind doch selbst die Betrüger.

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Screenshot der gefälschten Microsoft-Support-Seite

Quelle: r

Göttingen. Die Gauner-Methode ist als Microsoft-Support-Falle bekannt. Aktuell gehen bei der Polizei Göttingen wöchentlich zwei Anzeigen dazu ein. Sämtliche Strafverfahren werden zentral bearbeitet bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück. Dessen Sprecher Alexander Retemeyer bestätigt ein internationales Ermittlungsverfahren. Als jüngst in Indien illegale Callcenter durchsucht wurden, wurde ein Wust an Betrugsfällen in Schweden offenbar. Die aktuelle Zahl der Strafverfahren in Niedersachsen gibt das Landeskriminalamt mit 782 an.

Der Trick geht so: Per Telefon ruft ein angeblicher Microsoft-Mitarbeiter in englischer Sprache - fast immer mit asiatischem Akzent - an und berichtet, dass der Computer des Angerufenen von Viren befallen sei. Ob der Angerufene davon schon etwas bemerkt hätte? Wer nun grübelt oder auf Nummer sicher gehen will, dem wird Hilfe angeboten. Gleich am Telefon beraten die angeblichen Mitarbeiter des Microsoft-Supports, wie das Problem gelöst werden könne. Dazu wird das Opfer gleich am Telefon auf diverse Internetseiten dirigiert, oder ihm geraten, bestimmte Tastenkombinationen zu drücken. Nicht lange, und der Computer zeigt tatsächlich Störungen - die er vorher nicht hatte. Nun geht es ans Beheben des selbst erzeugten Problems. Dazu locken die Anrufer den Computerbesitzer auf eine gefakte Microsoft-Seite, angeblich der Support, auf der ein Teamviewer herunterzuladen ist, mit dem die Fernwartung aktiviert wird. So bekommen die Täter Zugriff auf die Rechnerinhalte. Schließlich muss noch ein Programm erworben und mit der Kreditkarte bezahlt werden. Mit den Kreditkartendaten werden später illegale Abbuchungen und Lastschriften vorgenommen. Das ist es, woran die Gauner verdienen.

Nur einige wenige Fälle sind bekannt, in denen der Trick funktioniert. Unter den Opfern aber sind durchaus computer-affine Menschen - "vom Studenten bis zum Professor", sagt Oliver Knabe, Hauptkommissar und Cybercrime-Spezialist. Völlige Laien lassen oft die Finger vom Rechner, wenn sie Viren befürchten. Andere ließen sich auf die Fernberatung ein. Ihm seien Fälle bekannt, in denen die telefonischen Rettungsversuche der angeblich befallenen Festplatte fünf Stunden dauerten, bis es schließlich zum entscheidenden Punkt kam: dem Abfischen der Kreditkartendaten.

Ganz schnell vorbei sind die Gespräche, wenn der Angerufene zu verstehen gibt, er habe einen Apple-Rechner. Doch auch da werden die Gauner dreister. Jüngst, so Knabe, behautete der "Microsoft-Mann", er verbinde mal eben zum Apple-Support.

Im April, so Knabe gab es einen solchen Fall in Göttingen. Erst die Ehefrau verhinderte, dass der seit Stunden telefonierende Hausherr den finalen Fehler machte. Die Göttinger Polizei habe sich entschlossen, so Knabe, direkt den Microsoft-Konzern einzuschalten, um die Fakeseite auf einem US-amerikanischen Server endlich sperren zu lassen. "Die müssten eigentlich die Marktmacht haben, das beim Provider zu erreichen", sagt Knabe.

Übrigens: Sowohl die Verbraucherzentralen als auch Microsoft selbst warnen vor dem Trick - im Netz. Selbst die Fakeseite der Betrüger tut so, als würde sie vor Betrug warnen.

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