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„Kinder machen Fehler, auch bei neuen Medien“

Cybermobbing „Kinder machen Fehler, auch bei neuen Medien“

Das Thema Cybermobbing ist längst auch in den Schulen der Region angekommen. In den Jahrgängen der IGS Göttingen „kann man die Uhr danach stellen“, wann der nächste Fall passiert, sagte Schulleiter Wolfgang Vogelsänger.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Fotomontagen, Bedrohungen oder Nötigung - Cybermobbing kann unterschiedliche Straftatbestände erfüllen und kommt „überwiegend im Schulkontext vor“, sagte Polizeihauptkommissarin Jacqueline Emmermann. Cybermobbing sei nicht als Banalität abzutun. Der Großteil der angezeigten Fälle bewege sich im Bereich der Beleidigungen, aber es gebe immer wieder auch „extreme Ausprägungen“ des Mobbings, die zu Angstzuständen und Krankschreibungen von Schülern führten. Nach Ansicht der Polizeibeamtin ist die Bekämpfung von Cybermobbing eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Göttinger Polizei mahnt vor allem die Eltern, genau hinzuschauen, was ihre Kinder online machen.

„Viele Eltern kümmern sich nicht“, sagte Vogelsänger. Dabei müssten die Kinder erst lernen, mit den neuen Medien umzugehen, und das ginge nicht ausschließlich in der Schule. „Wir fangen schon in der fünften Klasse an mit der Aufklärung“, sagte der Schulleiter. An der IGS Göttingen wird im Unterricht ab der achten Klasse mit Tablets gearbeitet, „da ist die Versuchung umso größer“, sagte Vogelsänger. Gerade deshalb sei es wichtig, dass die Kinder selber lernten, im Netz zu kommunizieren. Ein gutes Beispiel für die Förderung von Medienkompetenz sei der „Medienpass NRW“. Dieser dokumentiert das Kompetenzniveau der Kinder und soll zur weiteren Beschäftigung mit Medien motivieren. Einen „Medienpass“ gebe es „in Niedersachsen leider noch nicht“, bedauerte der Schulleiter.

Auch an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule ist das Mobbing im Internet ein Problem, dass auf Elterninformationsabenden thematisiert wird. Eine „umfassende Beratung der Eltern“ sei wichtig, da die Prävention „nur im Zusammenwirken mit den Eltern“ funktioniere, sagte Schulleiter Tom Wedrins. Denn: „Ob wir alles mitkriegen, ist die andere Frage“, erklärte Wedrins. Viele Vorfälle passierten in der Freizeit, hätten aber natürlich dennoch Einfluss auf die Atmosphäre in der Schule. Dann seien vor allem die Erziehungsberechtigten gefragt, denn ohne deren Mithilfe könne die Schule noch so „viel appellieren und hinweisen“.

Bei einer Umfrage des Marktforschungsinstituts TNS Emnid wurden 1000 Elternteile zu diesem Thema befragt. Dabei gaben diese an, dass Cybermobbing in den ihnen bekannten Fällen zu 72 Prozent in den sozialen Netzwerken stattgefunden habe. Zwar hätten nach Angaben der Eltern 85 Prozent der Betroffenen auf das Mobbing reagiert, 31 Prozent der Opfer jedoch keinerlei Hilfe erhalten. Das Präventionsteam der Göttinger Polizei spricht sich daher für Mobbing-Interventions-Teams an den Schulen aus, „um zeitnah und angemessen auf Mobbingprozesse in der Schule reagieren zu können“, sagte Emmermann.

Bis jetzt hätten die Lehrkräfte an der IGS immer schnell von Cybermobbing-Fällen erfahren, entweder durch Schüler oder durch Eltern, die sich anvertrauen. In vielen Fällen jedoch „kriegen die Schüler das noch gar nicht reflektiert“, sagte Vogelsänger. Deshalb sei ein klärendes Gespräch im Nachgang wichtig. In der direkten Kommunikation würden sich die Kinder oft entschuldigen und wieder vertragen. „Es bringt ja nichts, die ganzen Medien in den Schrank zu schließen“, sagte Vogelsänger und fügte an: „Kinder machen Fehler, auch bei den neuen Medien.“ yah

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