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Dämmerschoppen zur Geschichte der Muna Lenglern

„Das Ding“ explodiert im Eisenofen Dämmerschoppen zur Geschichte der Muna Lenglern

Mehr als ein Jahrzehnt lang hat die Luftmunitionsanstalt im Waldgebiet Lieth bis nach Ende des Zweiten Weltkriegs das Leben in Lenglern und umliegenden Ortschaften beeinflusst. Über die Geschichte der Muna berichtet Gustav Meier am Dienstag, 25. August, während eines Dämmerschoppens der Freunde der Burg Plesse.

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Die dunkle Seite der Lieth: Einige Gebäude der ehemaligen Luftmunitionsanstalt bei Lenglern haben den Zweiten Weltkrieg überstanden.

Quelle: EF

Lenglern/Eddigehausen. Meier erforschte unter anderem auf der Grundlage der von dem verstorbenen Orts- und Heimatgeschichtler Bruno Lütje zusammengetragenen Materialien „die dunkle Seite der Lieth“ – so der Titel eines Kalenders, den der Lenglerner vor einigen Jahren herausgab. Ungeachtet des „Friedenswillens“, den Hitler im Jahr 1933 im Göttinger Tageblatt beteuert und in diesem Zusammenhang auch Pläne zur Errichtung von Munitionsfabriken bestritten hatte, wurde 1934 bei Lenglern eine Lagerstätte für Sprengkörper gebaut.

 
Bomben und Flakmunition für den Luftkampf, später auch sogenannte V-Marschflugkörper („Vergeltungswaffe“ laut Goebbels) wurden per Bahn angefahren und in rund 120 Bunkern in der Lieth gelagert. Während des Krieges hatte das Personal, überwiegend dienstverpflichtete Frauen aus den Dörfern der Umgebung, die Aufgabe, die Sprengkörper vor ihrem Abtransport mit Zündern zu versehen. Als die amerikanischen Truppen am 9. April 1945 die Muna einnahmen, fanden sie ein gefülltes Depot vor. Die später anrückende britische Besatzungsmacht ließ die explosiven Lagerbestände im Nordbereich der Lieth sprengen und die Bunker zerstören. An diese Zeit erinnern sich Zeitzeugen aus der Region. Dazu gehört Eberhard Christ, aufgewachsen Im Winkel in Bovenden und heute Ortsheimatpfleger in Angerstein. Der 77-Jährige erzählt bei einem Treffen mit Meier, Karin Sauter und Thomas Moritz vom Verein Freunde der Burg Plesse über einen Ausflug zum „Himbeerberg“ (Parenser Holz) mit seiner Mutter. Christ trug nicht nur mit Beeren gefüllte Milchkannen nach Hause. Er steckte sich auch eine Patrone in die Tasche, die er aus einer olivgrünen Kiste stibitzte. Als er „das Ding“ in den Eisenofen warf, gab es einen heftigen Knall und die Ofentür sprang auf. „Ich hatte noch vier Tage lang einen Piepton in den Ohren.“

 
Nicht so glimpflich endete in seiner Erinnerung der Einbruch von Kindern und Jugendlichen in Muna-Waggons, die auf einem Gleis abgestellt waren. Dort fanden sie nicht nur Pergamentpapier und Tintenfässchen, die sie gegen die Wände warfen, sondern auch mit Pulver gefüllte Säckchen. „Ich bin gegen 11 Uhr gegangen, um 15 Uhr flog alles in die Luft“, berichtet Christ. Die Explosion habe einige Jugendliche das Leben gekostet.

 
Der Dämmerschoppen zur Muna und zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Bereich Bovenden beginnt am Dienstag, 25. August, um 19.30 Uhr im Gewölbekeller der Burg Plesse, Eddigehausen.

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