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Damals, als die D-Mark kam

Thema des Tages Damals, als die D-Mark kam

Vor 25 Jahren ist die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR in Kraft getreten. Das bedeutete für die Bürger, dass ab dem 1. Juli 1990 die D-Mark zu ihrer Währung wurde.

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Ehemalige Sparkassen-Leiterin von Worbis: Inge Roth

Quelle: EF

Heiligenstadt. Über Heiligenstadt kreist ein Hubschrauber. Ein Transporter fährt im Konvoi mit Polizeiautos auf den Hof der Sparkasse.

Nach dem Eintreffen der Kolonne steigen schwerbewaffnete Polizisten aus. Die D-Mark ist angekommen. Erhard Bergmann, seinerzeit bei der Sparkasse Heiligenstadt beschäftigt, erinnert sich genau an den Sonnabend, 30. Juni 1990: „Das Szenario hätte auch aus einem Actionfilm stammen können.“

Bei der Sparkasse in Worbis das gleiche Bild. „Gegen 13 Uhr fuhr der Transporter unter Polizeischutz auf unseren Hof“, erzählt sich die damalige Direktorin Inge Roth, bis 2007 Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Eichsfeld. Beim Entladen des Transporters hält sie lächelnd ein dickes Bündel Geldscheine in die Kamera: „Das war ein tolles Gefühl. Mir war bewusst, dass in diesem Moment Zeitgeschichte geschrieben wurde.“

Doch bis zu diesem Tag war ein Haufen Arbeit zu bewältigen. Die Sparkassen der DDR, die Abteilung 7 der Staatsbank, betreuten Privatpersonen und kleine Handwerksbetriebe bis zehn Mitarbeiter. „Diesem Umstand hatten wir es zu verdanken, dass wir im Landkreis Worbis einen Marktanteil von 96 Prozent hatten“, sagt Roth, weshalb die Hauptlast der Umstellung im Zuge der Währungsunion im Landkreis auf den Schultern der 90 Angestellten in ihrem Haus lastete.

„Wir mussten im Vorfeld für jeden Kunden Umstellungsanträge schreiben“, berichtet die Direktorin von den langen Nächten, welche sie mit ihren Mitarbeiterinnen durcharbeitete. Erschwerend kam eine weitere Tatsache hinzu: „Hartnäckig hielt sich das Gerücht, dass der Umtausch nicht pro Person, sondern pro Konto erfolgen würde.

Also eröffneten die Kunden zahlreiche neue Konten, um ihr Geld darauf aufzuteilen.“ Als den Bürgern dann irgendwann die Wahrheit bewusst wurde, lösten sie einen Großteil der Konten wieder auf, was weitere Zusatzschichten in den Banken nach sich zog. „Schließlich stand uns ja noch nicht die heutige Technik zur Verfügung. Wir mussten vor 25 Jahren noch alles per Hand ausfüllen.“

Unter anderem mussten die Kunden in der Woche vor der Umstellung angeben, wieviel Bargeld sie für die erste Woche benötigen würden. „Denn wegen der Umstellung ruhte der Zahlungsverkehr“, erklärt die damalige Direktorin. „In dieser Woche haben wir nur die DDR-Mark angenommen.“ Am Sonntag, 1. Juli, bildeten sich schon morgens lange Schlangen vor den Auszahlungsstellen.

Auch an den folgenden Tagen kehrte kaum Ruhe ein. „Wir sahen uns jeden Tag mit neuen Situationen konfrontiert“, sagt Bergmann. So stellte sich unter anderem schon die Bestellung von Bargeld nicht ganz einfach dar. „Es waren ja zwei unterschiedliche Staaten“, so Bergmann weiter. „Wir konnten nicht einfach mal schnell telefonieren. Das funktionierte mit den vorhandenen Netzen nicht.“

Deshalb sei es von Vorteil gewesen, dass der damalige Vorsitzende des Rates des Kreises und Volkskammerabgeordnete Dr. Werner Henning, heute Landrat des Eichsfeldkreises, seinerzeit schon ein Funktelefon besaß, welches die Heiligenstädter Banker zur Nachschubbestellung nutzen durften.

Ein Funktelefon hatten die Kollegen im Worbiser Landkreis nicht. „Wir mussten immer zu den beiden Telefonhäuschen fahren, die nach Gerblingerode fuhren, die seit der Eröffnung des Kleinen Grenzverkehrs 1973 im Hahletal standen“, erinnert sich Inge Roth. Doch trotz aller Schwierigkeiten erinnert sie sich gern an die „harte, aber schöne Zeit mit viel Arbeit bis spät in die Nacht.“

Von Rüdiger Franke

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