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Danke Mami

Wochenendkolumne Danke Mami

Blast die Fanfaren! Jubiliert und frohlockt! Ein Hoch auf alle Mütter! – Warum der Lärm? Steht im Kalender. Zweiter Sonntag im Mai ist Ehrentag der Gebährenden. Perfekte Gelegenheit, der weiblichen Linie der Ahnentafel mit voller Wucht unsere ewige Dankbarkeit entgegenzuschleudern.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Sie waren es, die uns das Leben schenkten. Keine Ahnung, ob sie das in allen Fällen getan hätten, wenn das Ergebnis im Vorfeld bekannt gewesen wäre. Aber so ist das mit Geschenken. Mutti war außerdem zumindest anteilig an unserer Namensgebung beteiligt. Alle Chantalle-Luises, Christianos und Schakiras sind der lebende Beweis für den Humor der südniedersächischen Mutter und dürfen an solchen Tagen besonders dankbar sein. Am Rande: Meine Mutter verweigerte die Namensgebung, da ich wider Erwarten keine Julia geworden war. Also griff man kurzerhand auf den häufigsten Namen des Jahrgangs zurück. So lebe ich wie viele Kinder der 70er Jahre mit einer Gruppenbezeichnung (Gruß an Thomas, Stefan und Andreas).

Was verdanken wir dem heimischen Matriarchat noch so? Apfelkuchen! Meine Mutter macht den besten Apfelkuchen der Welt! Unangefochten. Spitzenklasse – keine andere macht solche Streusel. (Notiz an meine Kinder: Diese Aussage trifft auf eure Mutter natürlich auch zu. Sagt ihr das.) Aber tatsächlich hat wohl jeder ein Gericht, von dem er sagen kann: Das war bei Mama besonders lecker. Kindheitserinnerungen sind immer lecker. Es sei denn die mütterliche Chefköchin hatte wie meine eine Biolek-Phase. Beinahe wäre ich an den Folgeausdünstungen dieser Mode-Menüs in der Schule vereinsamt – Knoblauch ist eine echte Beliebtheitsbremse.

Auch schlimm waren Phasen, in denen Pädagogik am Herd ausgetragen wurde: „Was ist das weiße Zeug auf dem Fleisch?“ – „Meerrettich.“ – „Meerrettich mag ich nicht!“ – „Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt.“ Am nächsten Tag gab es zur Strafe Meerrettich-Suppe. Liebe geht durch den Magen. Hass auch.

Wofür wir unseren Müttern aber definitiv auf ewig huldigen müssen, ist ihre liebevolle lebenslange Anteilnahme. Sie haben uns getröstet, wenn wir unsere körperliche Unversehrtheit durch allzu großen Wagemut aufs Spiel gesetzt, die Lebensfreude an Regentagen getrübt oder den neuen Fußball an scharfe Hundezähne verloren hatten. Sie waren unzählige Male pro Tag umgehend zur Stelle. Wir mussten nur das Zauberwort sagen: „Maaaaaamiiiiiiiiii!“. Sie waren aber auch da, als wir unseren richtig coolen Freund mit nach Hause gebracht haben, um ihn möglichst ungesehen ins eigene Zimmer zu schleusen. „Willst Du mir deinen kleinen Freund nicht vorstellen?“ Danke Mami. Und ja sie waren es auch, die der ersten Freundin das Fotoalbum mit den peinlichen Kinderbildern gezeigt haben. „Guck mal, war er nicht süß damals?“ Danke Mami.

Natürlich steht die Mutter auch dann noch hilfreich zur Seite, wenn man den Kinderschuhen längst entwachsen zu sein glaubt. Wer sollte auch sonst die fehlerhafte Aufzucht des eignen Nachwuchses kommentieren. „Ich glaube, das Kind braucht eine neue Windel.“ – „Sei doch nicht so streng. Kein Wunder, dass er immer schreit.“ – „Willst du ihr das wirklich anziehen? Komm lass mich mal.“ – Danke Mami. Überhaupt dieses ewige „Lass mich mal“. Bis heute wird durch diese Worte meine eigene Unzulänglichkeit immer wieder offenbar. So mähe ich beispielsweise im Schweiße meines Angesichts ab und zu den Rasen. Der bleibt allerdings zunächst einmal liegen, weil ... öh weil ich das so will. Nicht mit Mutter. Kaum bin ich außer Sichtweite, wird das Schnittgut in saubere gleich große Häufchen aufgeschichtet. Sobald der nächste Regen fällt, kommt dann die beiläufige Frage: „Kannst du das nicht mal wegbringen? Oder muss ich das auch noch machen?“

Apropos Häufchen. Der Hund hat sich im ganzen Garten verewigt. Habe ich auch noch nicht weggemacht. Vielleicht könntest Du...? Danke Mami.
Einen schönen Muttertag wünscht M. Scharf

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