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Das Duell

Eine Glosse von Uwe Graells Das Duell

Die wohl schönste Geschichte der gesamten Kommunalwahl in Niedersachsen haben gestern Abend die Wähler im Landkreis Göttingen geschrieben. Es war ein virtuelles Duell. Ein Kampf. Kaum wahrnehmbar unterhalb des Radars der Großkopferten. Und es ist eine Geschichte, die sich kein Regisseur dieser Welt besser hätte ausdenken können.

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"Die Partei" im Duell mit der NPD: Satire schlägt Dumpfbacken.

Quelle: dpa

Dabei ging es um alles. Um den einen Sitz im Kreistag. Um den Sturz in die völlige Bedeutungslosigkeit oder den Triumph, künftig mit Wucht politische Thesen hinausposaunen zu können.

0,74 zu 0,81. Oder 3108 zu 3365. Das sind die Zahlen, um die es geht. Platt gesagt: NPD gegen DIE PARTEI. „Kamerad“ Jens Wilke war so siegessicher, was vermutlich in der DNA seiner Vorbilder liegt. Er werde der neue Landrat, und die NPD mit mindestens einem Prozent der Stimmen in den Kreistag einziehen, strahlte er siegessicher in die Kamera eines „Kameraden“ und ließ seine Videobotschaften immer mit „besten Grüßen, euer Jens“ enden.

Was ist da schief gelaufen, bei „unserem Jens“? Vielleicht hätte ihm mal jemand sagen sollen, dass ein Teil des Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen schlichtweg nicht wahlberechtigt gewesen ist. Weil Landesgrenze und so. Und es sollte ihm vielleicht auch noch jemand den Tipp geben, dass er bei seinen Lautsprecherfahrten mit einem alten Golf besser die Megaphone ausschaltet, wenn er sich mit dem Fahrer über die richtige Route durch Göttingen streitet. Die Wortwahl, die überall zu hören war, klang nicht sehr kameradschaftlich.

DIE PARTEI hat astreine Inhalte dagegengesetzt. Sie fordern einen zweiten Sonnabend, eine Transrapidstrecke im Göttinger Kreisgebiet. Sie freuen sich, dass ihr Kandidat in Nikolausberg mehr Stimmen geholt hat als der Kontrahent der FDP. Der Liberale ist immerhin Humanmediziner, der Kandidat der PARTEI nur Veterinär. Und sie streiten dafür, dass Göttingen endlich in „Martin-Sonneborn-Stadt“ umbenannt wird. Die Jünger des Parteigründers und EU-Parlamentariers Martin Sonneborn – immerhin ein Mann mit Göttinger Vergangenheit – wollen also den totalen Sieg gegen die NPD.

„Unser Jens“ ist raus. 0,74 Prozent reichen nicht für den einen Sitz im Kreistag. Geschlagen von der PARTEI mit 257 Stimmen Unterschied. Einfach eine herrliche Geschichte. Satire schlägt Dumpfbacken. Die künftige Mehrheit im Stadtrat (auch dort hat DIE PARTEI einen Sitz geholt) sollte sich generös zeigen und der Umbenennung in Martin-Sonneborn-Stadt zustimmen. Zumindest für einen Tag. Das wäre eine große Geste. Quasi als Dankeschön, die NPD verhindert zu haben.

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Von Redakteur Dr. Uwe Graells