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„Das Vermächtnis von Max Raphael Hahn – Göttinger Bürger und Sammler“

Vertrieben und ermordet „Das Vermächtnis von Max Raphael Hahn – Göttinger Bürger und Sammler“

Fast acht Jahrzehnte lang, bis zu ihrer Vertreibung und Ermordung durch das nationalsozialistische Regime, zählte die jüdische Familie Hahn zu den einflussreichsten Göttinger Bürgern. In der Kaiserzeit und den 1920er-Jahren gehörte ihnen eines der bedeutendsten Unternehmen der Stadt.

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Überlebten den Holocaust nicht: Max Raphael und Gertrud Hahn.

Quelle: EF

Göttingen. Max Raphael Hahn war Leitfigur in der Synagogengemeinde. Mit dem Schicksal seiner Familie sowie der Hahn‘schen Sammlung von Kunst und jüdischen Kultusgegenständen beschäftigt sich ein jetzt im Hogrefe-Verlag erschienenes Buch von Lisette Ferera und Cordula Tollmien.

Der hessische Fell- und Därme-Händler Raphael Hahn begründete 1858 den Göttinger Unternehmenszweig, zu dem der Stammsitz an der Weender Straße (heute Hausnummer 70) und die Gallus-Schuhfabrik an der Weender Landstraße gehörten. Er begann, Kunst und Judaica zu sammeln. Unternehmen und Sammlung führten zwei seiner Söhne, Max Raphael und Nathan, fort.

Sie wurden von den Nationalsozialisten getötet, ebenso ihre Ehefrauen Gertrud und Betty. Nathans Söhne überlebten den Holocaust. Auch Max Raphaels Kindern Rudolf (später Roger Hayden) und Hanni gelang die Flucht aus Hitler-Deutschland. Hanni lebte später in England, Rudolf in Südafrika.

Rudolfs Sohn Michael Hayden brachte die Aufarbeitung seiner Familiengeschichte in Gang. Ein Arbeitsschwerpunkt der Historikerin Tollmien (62) ist seit jeher die Erforschung der jüdischen Geschichte in Göttingen. 2011 erhielt sie eine E-Mail von Hayden.

„Das hat mich sehr bewegt“, erinnert sie sich an den ersten Kontakt mit dem Hahn-Enkel. Die Nachfahren von Gertrud und Max Raphael Hahn beauftragten die Historikerin Sharon Meen, die Familien- und Sammlungsgeschichte zu recherchieren. Denn, außer wenigen Objekten, vielen Papieren, Fotografien und Büchern, die Max Raphael Hahn aus Deutschland verschicken konnte, waren die meisten Kultusobjekte während des Nationalsozialismus verschwunden.

Meens Erkenntnisse flossen in ein Familienbuch ein, geschrieben von Lisette Ferera. In dem Bewusstsein, dass die Geschichte in Göttingen publiziert werden sollte, fügte Tollmien ihre Forschungsergebnisse hinzu. Im Vorwort bewertet sie die Sammlung und beschreibt die Entstehung des Buches. Gedruckt wurde es im Hogrefe-Verlag.

Auch das Verlagshaus an der Merkelstraße ist Teil der Hahngeschichte – als Heim der Familie und Elternhaus der Kinder Rudolf und Hanni.

„Das Vermächtnis des Max Raphael Hahn. Göttinger Bürger und Sammler“ (ISBN 978-3-8017-2679) hat 176 Seiten und kostet 19,95 Euro. Im Göttinger Buchhandel ist es von heute an erhältlich.  
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