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Das sagen in Göttingen lebende Briten

Brexit Das sagen in Göttingen lebende Briten

Am Donnerstag entscheidet es sich: Bleibt Großbritannien in der Europäischen Union oder nicht? In Göttingen lebende Britinnen sind besorgt und verärgert.

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Teresa Gatesman

Quelle: Wenzel

Göttingen. Teresa Gatesman ärgert sehr, dass sie, obwohl Britin, nicht am Referendum teilnehmen darf. Grund: Seit mehr als 15 Jahren lebt sie außerhalb Großbritanniens. Gatesman: „Das 2014 gegebene Versprechen, die 15-Jahres-Regel zu kippen, ist schändlicherweise vergessen worden. Wenn die Regierung ein wirklich demokratisches Votum zum Brexit-Referendum hätten haben wollen, hätten sie diese Regel längst aufheben können.“

Als jemand, „der de facto von der politischen Diskussion ausgeschlossen ist, „weil ich nicht an der Abstimmung teilnehmen darf: Wer wird meine Interessen zukünftig repräsentieren und schützen, sollte Großbritannien die EU verlassen?“

Pauline Dyck

Quelle: r

Auch Pauline Dyck kritisiert die 15-Jahre-Regel, „weil auch Expats weiterhin an politischen Entwicklungen in Großbritannien interessiert sind und klare Meinungen dazu haben“. Im Vergleich zu anderen Ländern wie Frankreich und Italien sei die britische Regelung „unfair“.

Gatesman sieht zudem als „größte Schwierigkeit“ das Fehlen eines echten demokratischen Prozesses in Großbritannien: „Im Brexit-Streit sind beide Seiten von verschiedenen Stellen wegen offensichtlicher Lügen und Missbrauchs von Statistiken gerügt worden. Eine funktionierende Demokratie benötigt ehrliche und gut informierte Politiker.“ Diese beiden Säulen „fehlen leider“.

Susan Schanz beschäftigt ein anderes Problem: „Wenn Großbritannien aus der EU austräte, würde der Handel zwischen ihnen stark leiden, vor allem, weil alle diese Länder dann Genehmigungen einholen müssten, ihre Waren außerhalb verkaufen zu dürfen. Das würde Im- und Export immens verlangsamen.“ Weil jedoch mehr als die Hälfte aller britischen Exporte Dienstleistungen wie Versicherungen und Banken umfassten, „würde ein Brexit wohl schlechter für Deutschland ausgehen“ als für Großbritannien.

Wie wird die Wahl ausgehen

Susan Schanz glaubt, die Briten werden für das Verbleiben in der EU stimmen. „Es kann so oder so ausgehen, meint hingegen Pauline Dyck. „Es wird eng“, sagt auch Teresa Gatesman. Zwar sei die EU alles andere als perfekt, aber: „Nicht verstehen kann ich die Unterstützung für Pro-Brexit-Leute, die aggressiv fremdenfeindlich und faschistisch argumentieren.“ Egal welches Resultat: „Ich glaube, Großbritannien muss seine verlorene demokratische und poltische Integrität wiedergewinnen, sonst wird das Land zu einer Bananenrepublik degenerieren.“

Pauline Dyck befürchtet zudem, dass es nach einem Brexit keine Garantie für im Ausland lebende Briten geben könnte, sich in einem EU-Land niederzulassen, zu arbeiten, Handel zu treiben oder dort öffentliche Dienste in Anspruch nehmen zu können: „Das müsste im Fall von Austrittsverhandlungen gesichert werden.“

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Von Redakteur Matthias Heinzel

Der Wochenrückblick vom 3. bis 9. Dezember 2016