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Das unsichtbare Denkmal: 50 Jahre Heimkehrer-Mahnmal

Thema des Tages Das unsichtbare Denkmal: 50 Jahre Heimkehrer-Mahnmal

Auf dem Hagenberg steht die „Friedland-Gedenkstätte“. Die Skulptur steht dort seit 1967 und war ursprünglich von allen Seiten gut sichtbar. Doch seitdem hat sich die Vegetation ausgebreitet und das Denkmal droht hinter frischem, sattem Grün zu verschwinden. Den Friedländern gefällt das gar nicht.

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Das Heimkehrer-Mahnmal

Quelle: Hinzmann

Friedland. Das Denkmal thront auf dem Friedländer Hausberg, dem Hagenberg. Es wurde durch den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Georg Diederichs (SPD) im Oktober 1967 eingeweiht, doch damals war alles noch „unverbaumt“.  Die vier Wandscheiben mit einer Höhe von bis zu 28 Metern, die symbolisch vier nach allen Himmelsrichtungen geöffnete Lagertore darstellen, wurden von den Künstlern Hans Wachter und Martin Bauer errichtet. Ihre Form soll die Spannungen erahnen lassen, unter denen die Heimkehrer und Flüchtenden standen und stehen.

Rainer Nothdurft

Quelle: Hinzmann

Das Denkmal war vom Verband der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermisstenangehörigen Deutschlands beauftragt worden. Der Verband hatte im Jahr 1964 begonnen, Spenden für das Denkmal zu sammeln. Insgesamt 500000 Deutsche Mark (heute etwa 255000 Euro) kamen zusammen. Zum Vergleich, ein Laib Brot kostete im Jahr 1967 etwa 1,20 DM (umgerechnet 62 Cent).

Den Grundstein legte, ein ganz großer Tag für das kleine Friedland, der hochbetagte Bundeskanzler a. D., Konrad Adenauer, am 15. Mai 1966. Ganz kurzfristig war damals ein Polier bei der Firma L. Baumbach aus Friedland für die Grundsteinlegung angefragt worden, obwohl das Unternehmen mit dem Bau des Denkmals nichts zu tun hatte. Denn eine Grundsteinlegung mit Adenauer und  ohne Polier, das ging überhaupt nicht. So bekam der verdiente Polier Werner Guse seinen großen Auftritt vor einer Vielzahl von Landsmannschaften, die zum Festakt gekommen waren.

Das Wappen

Das Wappen: Das Friedland-Denkmal im heraldischen rot, es soll die untergehende Sonne auf dem Denkmal symbolisieren, und der stilisierte Hagenberg, natürlich grün, mit „Vierspeichenrad“ zeigt auch das Wappen der kleinen Gemeinde Friedland, die gut 9000 Einwohner (inklusive der Flüchtlinge im Lager Friedland) zählt.

Das Wappen

Quelle:

Von umgebenden Bäumen ist auf dem Wappen natürlich nichts zu sehen.

Die Fertigstellung des Denkmals erlebte Altbundeskanzler Adenauer allerdings nicht mehr, er verstarb im Alter von 91 Jahren am 19. April 1967.

Der gebürtige Friedländer Rainer Nothdurft, Geschäftsführer von Baumbach, möchte das Denkmal heute wieder weithin sichtbar machen. „Es darf nicht sein, dass unser Heimkehrer-Denkmal hinter den Bäumen verschwindet“, so Nothdurft und schaut auf den Bahnhof und das dort gerade neue entstandene Museum ¬ noch lässt die Vegetation diesen Blick zu.

Blick von der A38 auf das Heimkehrer-Denkmal

Quelle: r

Er selbst hat schon einiges gegen den „Wildwuchs der Bäume“ tun können. „Ich habe den Bereich, der mir gehört, im Winter ordentlich ausdünnen lassen“, berichtet Nothdurft bei einer Besichtigung. „Aber ich befürchte, wenn die Bäume wieder Laub tragen, dann schauen wieder nur die Spitzen unseres Heimkehrer-Denkmals hervor. Auch ich habe die Höhe der Bäume unterschätzt.“

Fast 40 Jahre lang sind die Bäume gewachsen, die sich dort selbst angepflanzt haben. „Früher war der Hagenberg kahl, dort haben Schafe geweidet“, erinnert er sich an seine Jugend. „Wir sind hier im Winter immer Schlitten gefahren.“. Er will, wenn es wieder erlaubt ist, seinen umgebenden Wald weiter stutzen, sodass auch mindestens eine Sichtachse zwischen dem Bahnhof und dem Denkmal entsteht.

Doch nicht nur der Nothdurft‘sche Wald verhindert den Blick auf die Friedland Gedenkstätte, vielmehr gibt es einen Gemeinschaftswald, der die Sichtachse zur Autobahn A38 komplett verhindert. „Das finde ich schade, denn das Denkmal wäre ein erstes optisches Highlight auf der Autobahn“, sagt Nothdurft, der die West-Ost-Verbindung in Richtung Dresden und Leipzig gern nutzt.

Auch das Land Niedersachsen ist gefragt. Direkt am Denkmal wachsen die Sträucher so kräftig, dass sie einen Blick aus dem Mahnmal heraus verhindern.

Grundsteinlegung

1966: 
Grundstein-
legung mit 
Bundeskanzler
a.D. Konrad Adenauer

In der UdSSR wurde Leonid Breshnew Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU. In China herrschte Mao Zedong und setzte die Große Proletarische Kulturrevolution um. In den Rhein verirrte sich ein Beluga-Wal. Bundeskanzler Ludwig Erhard trat zurück, Kurt-Georg Kiesinger folgte mit der ersten Großen Koalition nach. Die deutschen Fußballer verloren durch das Wembley-Tor im Finale gegen England, das seinen ersten und einzigen WM-Titel gewann.

Einweihung 1966

Quelle: r

Im „Sechstagekrieg“ 1967 bombardierte die israelische Luftwaffe präventiv Stützpunkte des ägyptischen Militärs. US-Präsident Lyndon B. Johnson traf den sowjetischen Premierminister Alexei Kossygin, beim Besuch des Schahs von Persien in Berlin gab es massive Ausschreitungen, Benno Ohnesorg starb. Che Guevara wurde von einem Angehörigen des bolivianischen Militärs – ohne Gerichtsverfahren – erschossen. bb

„Ich wünsche mir eine größtmögliche Sichtbeziehung zwischen dem Ort Friedland und dem Denkmal“, so auch Friedlands Gemeindebürgermeister Andreas Friedrichs. „Ich habe mir den Vorgang auf Wiedervorlage gelegt und mit Ende der Vegetationsphase müssen wir an diesem Projekt weiterarbeiten, Stück für Stück, den gesetzlichen Vorlagen des Naturschutzes entsprechend, das Denkmal freilegen“, so Friedrichs. „Die Arbeiten, die Rainer Nothdurft hat durchführen lassen, finden meine volle Zustimmung.“

Aber in diesem Jahr wird sich wohl nicht mehr so viel ändern können, denn grundsätzlich ist das Baumfällen zwischen dem 1. März und dem 30. September nicht erlaubt. Dies gilt sowohl für Bäume, die eine gewisse Mindestgröße und auch einen gewissen Stammumfang haben, als auch für Ufervegetation, Sträucher und Büsche. Ausnahmen gibt es nur nach Sturmschäden und für kranke Bäume.

Von Frank Beckenbach

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