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Debatte um gesponserte Parkscheine in Göttingen

Stadt freut sich über Papier-Spende Debatte um gesponserte Parkscheine in Göttingen

Könnte die Stadt lukrative Werbeflächen auf ihren Parkscheinen besser vermarkten als bisher? Verzichtet sie stattdessen auf weit höhere mögliche Einnahmen für die Stadtkasse?

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Verschenkt oder zu einem fairen Preis gesponsert: Piraten wollen wissen, ob Göttingen mit Parkscheinwerbung mehr Geld verdienen kann?

Quelle: Pförtner

Göttingen. Das mutmaßen die Piraten im Göttinger Rat, erinnern dabei auch an das Vergaberecht für Kommunen und haben jetzt eine interne Kontrolle durchgesetzt.

Es geht um die Tickets aus den Parkscheinautomaten an Straßen und größeren städtischen Parkflächen. Auf der Rückseite wirbt das Unternehmen Mc Clean für seine Dienste in einer Autowaschanlage – inklusive Rabatgutschein. Im Gegenzug zahlt die Firma die Material- und Herstellungskosten der Tickets. 5522 Euro hat ihre jüngste Sachspende gekostet. Dafür hat die Verwaltung nach eigenen Angaben eine Million Parkscheine aus Spezialpapier auf Rollen bekommen. Das reiche für etwa ein Jahr, teilt sie auf Tageblatt-Anfrage mit.

Als der Rat diese Spende jetzt ordnungsgemäß absegnen sollte, legte Pirat Martin Rieth Veto ein: „Wieso ist das hier als Spende aufgeführt, wo es sich doch eigentlich um nichts weiter als eine günstige Werbefläche handelt“, wollte er wissen. Nach seinen Berechnungen zahle das Unternehmen 100 Euro für die Werbefläche „auf allen städtischen Parkscheinen“ (ohne Tickets in den Parkhäusern der Stadtwerke). „Und das ohne Ausschreibung“, kritisierte Rieth. Nach seinen Informationen würden andere Städte die Werbefläche vermarkten. Dabei seien „Beträge oberhalb von 50 000 Euro erzielt worden“. Als Beispiel führte Rieth Cloppenburg an.

„Wir schlagen uns nicht drum“

So verfahre die Stadt „seit mehr als 30 Jahren“, konterte Kämmerer Hans-Peter Suermann, früher aber mit anderen Sponsoren. Verwaltungssprecher Detlef Johannson bestätigt den Deal zwischen Stadt und Mc Clean ebenfalls. Die Laufzeit der Vereinbarung gelte so lange, bis die Tickets verbraucht sind.

Bisher habe die Firma zwei Millionen Parkscheine bestellt. Der Assistent der Mc Clean Geschäftsführung, Sigurt Dietrich, will dazu keine genauen Angaben machen. Er bestätigt aber „eine erhebliche Spende“ seit 2010 oder 2011. Auch auf Tickets in den Parkhäusern der Stadtwerke werbe das Unternehmen.Wenn die Stadt die Fläche künftig ausschreiben wolle, „soll sie das gern machen“, so Dietrich, „wir schlagen uns nicht drum“.

Die Stadtwerke seien froh über die Papierspende von Mc Clean, sagt ihr Sprecher Klaus Plaisir. Es sei schwer, diese Fläche zu vermarkten und er bezweifle, „dass dabei viel mehr rauszuholen ist“. Diese Erfahrung hat auch die von Rieth ins Feld geführte Stadt Cloppenburg gemacht. Um die Papier- und Betriebskosten zu reduzieren, seien die Tickets vor ein paar Jahren als Werbefläche an eine Hamburger-Kette vermarktet worden. Der Vertrag sei inzwischen ausgelaufen und kein neuer Kunde in Sicht. Jetzt werbe die Stadt auf den Scheinen für ihr Schwimmbad, „das ist aber nicht Geld bringend“, sagt Pressesprecher Klaus Niemann. Auch die Stadt Kiel wirbt aus diesen Gründen nur für eigene Einrichtungen.

„Natürlich eine schön günstige Werbung“

Die freie Fläche auf den kleinen Scheinen sei sehr begrenzt, räumt Ralf Ritschel von der Werbeagentur Mediaclou in Velbert ein. Mit Ticketwerbung sei „nicht viel Start zu machen“. Druckkosten, Papier und der technisch komplizierte passgenaue Ticketauswurf stünden kaum im Verhältnis zu den Einnahmen.

Das sieht Rainer Kittel von Tickad in Düsseldorf anders. Die Gesellschaft ist auf Parkhaus- und Parkscheinwerbung spezialisiert. Je nach Menge könne eine Kommune etwa 15 Euro je 1000 Tickets verdienen. Danach könnte Göttingen bis zu 15 000 Euro einnehmen. Die hier tatsächlich gesponserten Parkscheine im Wert von gut 5500 Euro „sind natürlich eine schön günstige Werbung“, sagt Kittel.

Die Verwaltung hat nach Rieths Einwand eingelenkt und die Abstimmung über die Spende zurückgezogen. Bisher sei die Stadt froh darüber gewesen, einen Sponsor für die Parkscheine gefunden zu haben“, sagte Suermann. Trotzdem werde jetzt geprüft, ob nach Vergaberecht eine Ausschreibung erfolgen müsse. „Und wenn es eine Goldquelle ist, werden wir sie auftun.“

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