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Auch Feuerwehr wappnet sich für Einsatz

Demos in Göttingen Auch Feuerwehr wappnet sich für Einsatz

Ähnlich wie die Göttinger Polizei bereitet sich auch die Berufsfeuerwehr auf die für Sonnabend, 1. April, geplanten Kundgebungen vor. „Von zwei Kollegen ist ein Einsatzplan entwickelt worden, der auch freiwillige Wehren aus den Stadtteilen einbezieht“, erklärt Hubert Henne.

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Quelle: Archiv

Göttingen. Der stellvertretende Leiter der Berufsfeuerwehr und Experte für vorbeugenden Brandschutz betont, dass die Einsatzkräfte auf die jeweilige Situation reagieren werden und individuell abwägen, wie vorgegangen wird. „Brennt zum Beispiel eine Mülltonne auf einer freien Fläche, dann müssen wir nicht unbedingt eingreifen. Potenzielle Krawallmacher werden so nicht provoziert. Anders sieht das aus, wenn Personen gefährdet werden oder Gebäude in Mitleidenschaft gezogen werden können“, beschreibt Henne.

Die Polizei geht davon aus, dass der rechte „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ für seine Kundgebung etwa 150 Anhänger mobilisieren wird. Auf Seiten der Gegenkundgebungen wird mit etwa 1500 Teilnehmern gerechnet. Außer dem Bündnis gegen Rechts gehört unter anderem der DGB zu den Veranstaltern. Die Polizei will mit einem Großaufgebot das Aufeinandertreffen gewaltbereiter Gegendemonstranten und „Freundeskreis“-Anhänger zu verhindern.

Im Notfall sollen die freiwilligen Feuerwehren aus Geismar, Weende und Grone ihre Kollegen von der Berufsfeuerwehr unterstützen. „In einem Gespräch mit dem Stadtbrandmeister besprechen wir, was wir uns vorgenommen haben“, so Henne.

Unterdessen weisen die Göttinger Entsorgungsbetriebe (GEB) darauf hin, dass sie am Sonnabend, 1. April, keinen Sperrmüll abholen. "Sofern in ausgewählten Göttinger Briefkästen Handzettel mit dem Aufruf zur Sperrmüllsammlung auftauchen, handelt es sich um Fälschungen, wie sie bereits im vergangenen Jahr unter Missbrauch des Absenders GEB verteilt wurden", erklärt GEB-Sprecherin Maja Heindorf. Bei Fragen könnten sich die Bürger an die GEB wenden unter Telefon 0551/4005400.

Hintergrund: Im Vorfeld einer Kundgebung der rechtsextremen NPD im September 2016 hatten Unbekannte an mehrere Haushalte in Göttingen Handzettel verteilt mit dem Aufruf, am Demotag Sperrmüll an die Straße zu stellen. Die Flyer waren in mehreren Stadtteilen aufgetaucht. Die mit dem Logo der GEB versehenen Zettel riefen dazu auf, in den Stadtteilen Innenstadt, Nordstadt, Oststadt, Südstadt, Weststadt, Grone, Weende und Geismar Sperrmüll für eine „gesonderte Sperrmüllabholung“ an die Straße zu stellen. Dieser Service der Stadt Göttingen sei kostenlos und erfordere keine vorherige Anmeldung, hieß es. „Die GEB führen selbstverständlich am Sonnabend keine stadtweite Abholung des Sperrmülls durch“, kommentierte Heindorf damals das Auftauchen der Zettel. Dies gelte auch für den kommenden Sonnabend.

Die Satirepartei „Die Partei“ hat derweil Details zu dem von ihr geplanten Bau einer „Mauer der Liebe“ auf der Berliner Straße mitgeteilt. Der Kreisverband Göttingen der Partei hat demnach zwei Mahnwachen für den 1. April an und auf der Berliner Straße angemeldet. Unter dem Motto „Politik ist unsere Baustelle“ planen die Partei-Mitglieder, "besorgte wie auch unbesorgte Bürgerinnen und Bürger davon zu überzeugen, dass ein Mauerbau nicht immer die schlechteste Idee ist", heißt es in der Mitteilung.

„Wir tragen zur politischen Willens- und Mauerbildung bei – das ist unser Auftrag“, wird der Kreisverbandsvorsitzende Harald Manninga zitiert. Seiner Auffassung nach seien Bauarbeiten "insbesondere auf  Berliner Straßen längst wieder überfällig". Auch der Direktkandidat zur Bundestagswahl, Christian Prachar, sehe hier dringenden Handlungsbedarf, heißt es weiter. Er betone jedoch eine klare Abgrenzung von US-amerikanischen Bauvorhaben: „Es gab in der Geschichte schon immer gute und schlechte Mauern. Unsere Baumaßnahmen am 1. April sollen vor allem dazu dienen, Martin-Sonneborn-Stadt – also noch ‚Göttingen‘ – zu einem besseren Ort zu machen“, so Prachar. bam/afu

Das Göttinger Bündnis gegen Rechts ruft für den 1. April von 14 bis 20 Uhr zu einer friedlichen Kundgebung und Blockade

am Bahnhofsvorplatz und entlang der ursprünglich geplanten Marschroute des rechtsextremen „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ (FKTN) auf.

Bündnis ruft zu friedlicher Blockade auf

„Wir werden uns den Rechten am 1. April gemeinsam mit befreundeten Bündnissen aus der Region und vielen Göttinger Bürgern, Kulturschaffenden, Familien und politischen Gruppen in den Weg stellen. Wir werden mit einer friedlichen Blockade, einer humanitären Spendengala und einem Kulturprogramm die menschenverachtende Politik des FKTN erneut ins Leere laufen lassen“, teilte Bündnissprecher Lothar Hanisch, DGB-Regionsgeschäftsführer, mit.

Mehr als 350 Menschen hätten sich "bereits im Vorfeld mit ihrer Unterschrift zu einer Teilnahme an einer friedlichen Blockadeaktion und zu zivilcouragiertem Auftreten gegen die Rechtsextremen bekannt". Darunter sei auch das Göttinger Symphonie-Orchester (GSO). „Sich für andere Menschen aus fremden Kulturen zu interessieren, sich selbst mit der eigenen Identität einbringen zu wollen, um sich gegenseitig zu begeistern, ist eine äußerst sinnstiftende und sinnvolle Erfahrung für jeden. Sei es beim Musizieren, im Gespräch, beim Entdecken gemeinsamer Interessen oder dem Verfolgen gemeinsamer Ziele, es ist das positive Erleben in der Begegnung des Miteinanders, das jeden Rassismus nachhaltig im Keime erstickt; auf, hinter und vor einer jeden Bühne“, wird ein Sprecher des GSO in der Mitteilung des Bündnisses gegen Rechts zitiert.

Kulturelle Unterstützung am Hauptkundgebungsort auf dem Bahnhofsvorplatz ab 14 Uhr kommt demnach auch von den Ensembles des Deutschen Theaters und des Jungen Theaters sowie der Band Roque Steady Orchestra.

Das Bündnis gegen Rechts verweist auf weitere Kundgebungen entlang der geplanten Marschroute des FKTN: ab 12.30 Uhr an der Kreuzung WeenderTor, der Kreuzung Groner Tor und auf der Bahnhofsrückseite am Mahnmal für Zwangsarbeiter.

„Wir werden unseren Protest erneut in eine humanitäre Spendengala zugunsten der Geflüchtetenhilfe verwandeln. Die letzte Spendengala erbrachte 7800 Euro. Wir erwarten auch jetzt wieder eine bunte, fröhliche Show mit unfreiwilligen Kandidaten. Denen bereiten wir das Dilemma, dass je länger ihre Kundgebung anhält, desto mehr Geld wird für Sea-Watch e.V. zusammenkommen“, kündigt das Bündnis gegen Rechts an.

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