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Der Krieg hat Abdul Abbasi politisiert

Syrischer Videoblogger erreicht zehntausende Zuschauer im Internet Der Krieg hat Abdul Abbasi politisiert

„Wenn es eine Grenze gibt, macht mich das total verrückt“, sagt Abdul Abbasi. Der 21-Jährige ist Videoblogger, seine arabischen und deutschen Videos rufen Zehntausende im Internet auf. Außerdem studiert er Zahnmedizin an der Universität Göttingen.

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Abdul Abbasi studiert Zahnmedizin in Göttingen.

Quelle: Wenzel

Göttingen . Geboren ist Abbasi in Aleppo als Sohn einer wohlhabenden Professorenfamilie. 2012 hat er seine Heimat verlassen, zuvor hat er noch das syrische Äquivalent zum Abitur erlangt. Noch während der Examensklausur sind Bomben in der Nachbarschaft eingeschlagen — „weiterschreiben“ sei damals die Ansage des Lehrers gewesen.

Dann die Flucht, über Umwege gelangte er 2013 nach Istanbul. Dass Abbasi seine Eltern zurücklassen musste, sei „der schrecklichste Moment seines Lebens“ gewesen. In Istanbul musste er sich mit „Putzjobs“ über Wasser halten. Weil er fließend Englisch spricht, half er später Syrern beim Ausfüllen von Botschaftsdokumenten. So habe er sich ein „tolles Leben“ leisten können, konnte jeden Tag Essen gehen, sogar einen Assistent habe er beschäftigt. Trotzdem sei er für die Türken immer noch „der Syrer“ gewesen, glaubt Abbasi. Und weil Syrer in der Türkei nicht legal arbeiten dürfen, hat er sich auf ein Studium in Deutschland beworben.

„Wie ein Baby“ habe er geweint, als die Botschaft sein Studentenvisum genehmigt hat. Mit dem Flugzeug kam er Anfang 2014 nach Berlin, lernte Deutsch, jobbte bei Mc-Donalds. Die Universität Göttingen kannte er nur von Fotos, als er die Zusage für das Studium hier erhielt. Seit drei Semestern studiert er nun Zahnmedizin, und sucht eine Wohnung für seine Eltern, die vor einem Monat „über das Meer“ nach Deutschland gekommen sind.

„Nur Zahnarzt will ich aber nicht bleiben“, hat Abbasi festgestellt. Der Krieg und der Aufenthalt in Deutschland hätten ihn politisiert. Schon in seiner ersten Wohngemeinschaft habe es „viele, viele Diskussionen“ über Menschenrechte und besonders Frauenrechte gegeben, Themen die Abbasi nun umtreiben. Dass Syrer nun auf verschiedene Länder verteilt sind, sieht Abbasi als Chance, die Vorteile unterschiedlicher Gesellschaften zu verstehen: „Man stelle sich vor, was wir entwickeln können, wenn wir irgendwann zurückgehen“.

Das hat er eines Tages vor, denn sein „Herz ist noch in Syrien“. Ob das so bleibt, weiß er aber nicht: „Eigentlich will ich eine Brücke zwischen diesen zwei Ländern sein. Oder zumindest ein Stein“. hö

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