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Der Löwe von Herat auf Informationstour

Afghanischer Minister in Deiderode Der Löwe von Herat auf Informationstour

Der Energieminister Afghanistans Mohammad Ismail Khan ist auf Einladung der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit auf einer einwöchigen Tour durch Deutschland und besucht Wasserkraftwerke, Energie- und Abfallbehandlungsanlagen.

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Kontrollstand in Deiderode: Rakete (re.) erklärt Ismail Khan und GIZ-Mitarbeiter Tahirzada die Technik der Abfallaufbereitung.

Quelle: Hinzmann

Interessiert verfolgt der „Löwe von Herat“ im winterlichen Südniedersachsen den Vortrag über die Abfallwirtschaft in der Region. Michael Rakete, Geschäftsführer des Abfallzweckverbandes, erklärt den afghanischen Besuchern, wie Bakterien aus Abfall Biogas und Energie erzeugen und nur ein kleiner Rest auf eine Deponie abgelagert wird. Eine der größten Herausforderungen der Menschheit sei die Klimaveränderung und die Umweltverschmutzung mit der Bedrohung der ohnehin knappen Wasserressourcen, sagt Mohammad Ismail Khan.

Es ist seine dritte Reise, wie Ismail Khan betont. In den Reisen zuvor habe er Windkraft- und Solarenergieanlagen besichtigt. Was er auf dieser Reise sehe, gefalle ihm. Er sehe, wie sauber die Landschaft sei und wie aus Abfall Wertstoffe und Energie gewonnen werde. „Mit dieser Idee hilft Deutschland auch anderen Menschen in vielen Teilen der Welt.“

Von einer geordneten Abfallentsorgung kann selbst in Kabul noch nicht die Rede sein. Ismail Khan berichtet von den Problemen mit der Luftverschmutzung in der Fünf-Millionen-Stadt Kabul, wo an einem Tag in der Woche schon Verkehr und Betriebe stillstehen müssen, um dagegen anzukämpfen. Begleitet wird der Minister unter anderem von drei Ingenieurinnen, darunter Tajnesa Besmel. Die Direktorin des technischen Instituts des Ministeriums bildet die künftigen Fachkräfte aus.

Erst gestern habe ihm eine Firma den Bau einer Anlage angeboten, sagt Ismail Khan. Er sei überzeugt, dass auch in Afghanistan bald eine Abfallbehandlungswerk stehen werde. Geschäftsführer Rakete bietet Informationen und Hilfe bei der Entscheidungsfindung an, was ihm prompt eine Einladung nach Kabul einbringt. Deutschland habe hohe Standards und sei damit sehr teuer, so der Abfallexperte. Aber bei steigenden Ölpreisen ließen sich recycelte Wertstoffe zu Geld machen. Den 500 000 Einwohnern der Region koste die Müllllentsorgung 50 Euro im Jahr, den Wert einer Zigarette am Tag.

Zur Person

Mohammad Ismail Khan, Minister für Energie und Wasser in der Regierung Karzai, ist Tadschike aus dem Nordwesten Afghanistans. Als Hauptmann der afghanischen Armee war Ismail Khan am Aufstand gegen die sowjetischen Truppen in Herat und gegen die kommunistische Regierung in Kabul beteiligt, der als Auftakt für den Kampf der Mudschahedin gilt. Als Kommandant kämpfte er in der Provinz Herat an der iranischen Grenze gegen die Zentralregierung, als Warlord im folgenden Bürgerkrieg und gegen die Taliban. Der 1946 geborene Ismail Khan, als Löwe von Herat bekannt geworden, musste in den Iran fliehen. Als Mitglied der Nord-Allianz beteiligte er sich am Sturz der Taliban beim Einmarsch der USA 2001. Er wurde Provinzgouverneur in Herat. Nach Spannungen mit der Zentralregierung in Kabul wurde er abgesetzt, ist jetzt aber Regierungsmitglied.

Von Gerald Kräft

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