Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 5 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Der Maikäfer ist in der Region Göttingen zurück

Frühlingsbote und Schädling Der Maikäfer ist in der Region Göttingen zurück

Reinhard Mey hatte schon das Käferrequiem getextet. „Es gibt keine Maikäfer mehr, es gibt keine Maikäfer mehr!“, sang er 1974. Damals war die Population stark zurückgegangen. Jetzt ist der Maikäfer zurück.

Voriger Artikel
Mehr Geld für Klinikum Göttingen
Nächster Artikel
Am Sonntag ist Muttertag. Und es ist Zeit, die Sache umzudenken

Kinder lieben ihn, Landwirte fürchten ihn: Der Maikäfer ist.

Quelle: dpa

Göttingen. Mit großflächigem Einsatz von Insektiziden sei der Maikäfer bekämpft worden, berichtet Bernhard Weißbecker, Mitarbeiter in der Abteilung Forstzoologie und Waldschutz der Georg-August-Universität in Göttingen.

Der Grund: „Maikäfer richten massive Schäden an“, erklärt Weißbecker. Hauptproblem ist, dass die Engerlinge, das sind die Larven der Käfer, die Wurzeln vieler Pflanzen fressen. Solche Schäden fürchten Landwirte, Waldbesitzer und Winzer. „Was man im Frühjahr beobachtet, dass Maikäfer Bäume umschwärmen, ist nicht das schlimmste Problem.“

Die Geschichte der Bekämpfung des Käfers ist lang: Berichte darüber seien bereits im Mittelalter zu finden, erzählt der Darmstädter Maikäfer-Experte und pensionierte Biologe Gisbert Zimmermann. Sogar in Kirchenprozessen waren die schwarzbraunen Großkäfer einst Thema. Die Maikäfer wurden im Namen Gottes verbannt und verflucht.

Bis in die 1940er-Jahre konnte man ihnen aber nur wirkungsvoll zu Leibe rücken, indem man sie einsammelte und tötete. Eine mühsame Methode. Erfolgreicher war Gift. Zwischen 1950 und 1970 seien massiv Insektizide eingesetzt worden, darunter DDT, erläutert Zimmermann. Die Maikäfer verschwanden. „Erst später hat man erkannt, wie langlebig die chemischen Mittel in der Natur und der Umwelt sind.“

In der Kulturgeschichte indes war der zwei bis drei Zentimeter große Käfer stets populär. „Der Maikäfer ist offensichtlich ein allseits geliebtes Tierchen“, sagt Zimmermann, „er wird geradezu verehrt als Frühlingsbote, Glücksbringer und Symbol für eine intakte Umwelt“. Im Frühling liegen Schokoladenmaikäfer in den Regalen, 1993 druckte die Post den Maikäfer auf Briefmarken, und das Volkslied „Maikäfer flieg“ ist bis heute bekannt.

Und auch in den berühmtesten Geschichten über Kinderstreiche kommen Maikäfer vor: Max und Moritz, die Figuren von Wilhelm Buch, sammeln die Käfer und verstecken sie im Bett von Onkel Fritz.

Erst in den 1990er-Jahren erholte sich in Deutschland die Maikäfer-Population wieder und sie fliegen im Frühling wieder – zum Teil sogar auch in Massen. Das Auftreten der Maikäfer verlaufe traditionell in Wellen, erklärt Zimmermann: „30 Jahre lang gibt es viele Käfer, dann 30 Jahre lang weniger.“

Fakten über Maikäfer

Maikäfer gehören zur Familie der Blatthornkäfer. Sie werden so genannt wegen der Gestalt der Fühler, deren letzte Glieder blattförmig verbreiterte Lamellen aufweisen. Mit bis zu 50 000 Geruchssensoren auf den Fühlerlamellen spüren die Männchen die paarungsbereiten Weibchen auf. Die Entwicklung des Maikäfers von der Larve bis zum Käfer dauert etwa vier Jahre.

Nach drei Jahren als Larve im Boden schlüpfen die Käfer im Herbst aus ihren Puppen und überwintern. Im Frühjahr graben sie sich an warmen Abenden zum Flug aus dem Waldboden aus. Die Larven – Engerlinge genannt – fressen im Boden die Wurzeln von Bäumen. Die Käfer machen sich über die frisch ausgetriebenen Blätter und Triebe von Pflanzen wie Laubbäumen her.

Erst nach dem sogenannten Reifungsfraß paaren sie sich. Die Weibchen legen etwa 15 bis 30 Eier in kleinen Erdhöhlen ab. Das geschieht meist an offenen und lichten Stellen im Wald. Ein Weibchen kann sich in den Wochen nach dem Reifungsfraß noch mehrfach paaren und Eier ablegen. Ihre natürlichen Feinde sind Wildschweine, Vögel, Fledermäuse und Marder.

Von Matthias Klein

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Behindertensportler besuchen Hainberg-Gymnasium