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Über Tabuthemen reden

Abdul Abbasi Über Tabuthemen reden

Als Student floh Abdul Abbasi aus dem Bürgerkriegsland Syrien nach Göttingen. Mittlerweile ist er einer der prominentesten deutsch/arabischen Videoblogger in Deutschland - weshalb es im Tageblatt-Interview um Integration und die Wirkung seines Videokanals „German Lifestyle“ (GLS) geht.

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Abdul Abbasi ist von der Hilfe in Göttingen beeindruckt.

Quelle: Höland

Tageblatt: Sie sind permanent im Dialog mit Ihren Fans. Wie sind deren Reaktionen auf die Videos?

Wir versuchen immer, nicht zu verallgemeinern, aber zu übertreiben - damit es witzig ist. Wenn es ein Video über Deutsche und Syrer gibt, dann kommentieren das auch Deutsche und Syrer. Das wollen wir erreichen, dass Deutsche und Syrer miteinander reden. Sie lernen sich so langsam kennen. Die Reaktionen sind nicht alle perfekt, dass kann man nie erwarten. Aber die Leute freuen sich auf die Videos.

Gibt es Themen, die schwierig anzusprechen sind?

Na klar, es gibt Tabuthemen wie Religion. Es ist ein Bisschen schwierig, aber wir planen, über alle Tabuthemen zu reden, weil man endlich mal darüber reden muss. Auch haben viele von uns Syrern Meinungen über Frauen, die ich nicht richtig finde. Man muss darüber reden, damit die Leute die Unterschiede kennenlernen und merken, sie hatten falsche Vorstellungen.

Sie sind seit fast drei Jahren in Deutschland, im letzten Sommer kamen dann sehr viele Syrer hierher. Wie gut klappt das mit deren Integration?

Es ist auf jeden Fall nicht schiefgegangen, aber es könnte besser gehen. Ich sage nicht, die Syrer würden sich keine Mühe geben und ich sage nicht, die Regierung gebe sich keine Mühe. Aber ich war beispielsweise im Mai auf einer Veranstaltung mit dem Chef des Bundeskanzleramts, Peter Altmaier, in Hannover. Er hat darüber gesprochen, ein Netz zur Zusammenarbeit zwischen der CDU und Syrern zu gründen, um bei der Arbeitssuche und beim Spracherwerb zu helfen - bis jetzt haben wir nichts mehr davon gehört. Dabei brauchen wir Syrer grundsätzlich eine Zusammenarbeit mit der Regierung, denn die fehlt.

Nun hat sich kürzlich ein Landsmann von Ihnen, der hier Professor war, zu Wort gemeldet und Flüchtlinge in Göttingen scharf kritisiert - was halten Sie davon?

Du meinst Bassam Tibi? Er sollte nach seinen 36 Jahren Erfahrungen als Professor wissen, dass man mit Fakten argumentiert und nicht so unprofessionell verallgemeinert. Göttingen ist keine kriminelle Stadt, sondern eine tolle Stadt geworden. Ich bin sehr, sehr beeindruckt von der Hilfe hier in Göttingen und viele, viele Syrer in Göttingen finden es hier gut und haben sehr viel Respekt.

Interview: Christoph Höland

Vita

Aus Aleppo geflohen, studiert Abdul Abbasi in Göttingen Zahnmedizin. Parallel dreht er mit Freunden für zehntausende Fans im Internet großteils humorvolle Videos über Deutsche, Syrer und deren Zusammenleben. Nebenbei arbeitet er im Göttinger Migrationszentrum. Für viele überregionale Medien hat er sich deshalb zum gefragten Ansprechpartner in Sachen Integration entwickelt. hö

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