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Der Wiederbeleber

Erlebnis Turnfest Der Wiederbeleber

„Lust auf Kreativität“, sagt Ingo Dansberg. Das sei das wirklich Entscheidende für seine außergewöhnliche Nebentätigkeit. Der 41-Jährige produziert aus Wegwerf-Materialien Gegenstände für den täglichen Gebrauch. Das Prunkstück? Umhängetaschen, die aus den Bezügen alter Turnmatten und Turngeräte gefertigt sind.

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Ingo Dansberg arbeitet am 16.03.2016 in Göttingen an seinen Taschen.

Quelle: Swen Pförtner

Göttingen. „Ich finde es super, dass ein vermeintliches Abfallprodukt solch eine Aufwertung erfährt und zu einem so sinnvollen Gegenstand wird“, sagt Dansberg, der in seiner 15 Quadratmeter großen Werkstatt etwa zwei bis drei Stunden täglich zu Gange ist. Er betont: „Alle Taschen sind Unikate, haben allesamt ihre eigene, lange Geschichte.“

Seit 2014 produziert der Göttinger die Taschen in vier Größen, hat seitdem etwa 200 Exemplare verkauft. Als Hauptmaterial nutzt er neben Turnmatten auch die Schläuche aus LKW-Reifen. „Die Taschen sind robust und wetterfest - und verzichten auf Schnörkeleien“, beschreibt Dansberg, dessen kreative Ader augenscheinlich ist: Denn die ehemaligen LKW-Schläuche werden an einem Sicherheitsgurt getragen. „Die sind aber neu - aus hygienischen Gründen“, betont der Familienvater.

Während Dansberg die Gummi-Schläuche bei einer Werkstatt in der Nähe von Helmstedt abholen kann, gestaltet sich die Beschaffung der Turnmatten schwieriger: „Ich klappere dann tatsächlich die Turnhallen ab“, verrät er. Ausrangiert würden die Bezüge vor allem, „wenn sie gerissen sind“. Dann nämlich könne man sich beim Sporttreiben am Gerät verletzen.

Dansberg säubert das glatte Material anschließend mehrfach, schneidet es zurecht - und lässt es nähen. „Die Ökobilanz ist super - das Material stammt aus lokalen Turnhallen, auch die Näherin ist lokal“, grinst Dansberg, der auf beeindruckende Weise Recycling betreibt. Denn genau genommen schenkt der Göttinger toten Objekten ein zweites Leben - ein neues, ein völlig anderes. Dansberg ist Wiederbeleber, wenn man so will.

Entstanden sei diese Idee durch seine Haupttätigkeit beim ASC 46 Göttingen, wo der 41-Jährige im internationalen Freiwilligendienst beschäftigt ist. Bei einem Projekt in Afrika habe einst das Thema Recycling im Fokus gestanden. „Auch mein Job im Weltwärts-Projekt erfordert immer wieder kreative Lösungen“, sieht der Sportbegeisterte eine Parallele zwischen Job und Nebenjob.

Beim Erlebnis Turnfest im Juni wird Dansberg die umgestalteten Turngeräte vergangener Tage verkaufen. Unklar ist noch, ob sie mit einer speziellen Prägung des Sportevents versehen sein werden. „Das Logo des Erlebnisturnfests ist bereits an eine Firma verkauft“, weiß der ASCer.

Passenderweise sitzt Dansbergs siebenjährige Tochter Lilly nicht etwa auf einem Stuhl, sondern auf einem Turnkasten, als sie auf die allerneueste Errungenschaft ihres Vaters hinweist: In einem der vielen Lagerregale liegt, zusammengerollt, die Plane eines Swimming-Pools. „Mal schauen, was sich daraus machen lässt“, grübelt Ingo Dansberg. Seine Kreativität wird zweifellos dafür sorgen, dass die Plane nicht weggeworfen wird.

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