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„Deutschland hat uns Sicherheit gegeben“

Flüchtlinge im Porträt „Deutschland hat uns Sicherheit gegeben“

“Unser Leben in Syrien war so gut“, erzählt Ola Haji, Mutter von vier Mädchen und einem Jungen. „Wir waren glücklich.“ Das war, bevor der Bürgerkrieg das Land zerstörte. „Der Krieg hat alles verändert“, sagen Ola Haji und ihr Mann Feras Boraki. „Jeden Tag sterben Menschen.“

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Göttingen. Boraki arbeitete als Kinderarzt in Hama, einer Stadt im Westen Syriens. Die Familie lebte in einem Dorf am Rand der Stadt. „Ich habe an einer Schule unterrichtet“, erzählt Haji. Dann brach der Krieg aus. „Die Kinder konnten nicht schlafen, sie hatten ständig Angst“, berichtet Boraki. Auch das Dorf der Familie war von den Bomben betroffen. Olas Onkel wurde von einem Bombensplitter getötet, Borakis Tante und Cousins von Soldaten niedergeschossen. „Feras Tante war schwanger“, erzählt Haji. „Ihre Wehen setzten ein und zwei ihrer Söhne wollten sie ins Krankenhaus bringen. Soldaten an einem Checkpoint, den sie passieren mussten, haben auf sie geschossen.“ Nur einer der Söhne habe überlebt.

Die Familie floh in die Türkei. „Das Leben in der Türkei ist hart, und wir konnten dort nicht arbeiten“, sagt Boraki. Haji und die Kinder machten sich zusammen mit einem Onkel auf den Weg Richtung Deutschland. „Wir hatten kein zu Hause, keine Heimat.“

Die Reise über das Mittelmeer und die Balkanroute entlang sei sehr beschwerlich gewesen. „Ich war mit fünf kleinen Kindern unterwegs“, erzählt Haji. Die Jüngste der Geschwister, Sara, war gerade einmal drei Monate alt, Mariam, die älteste, neun Jahre alt. Stundenlang liefen sie durch die kalten Nächte der Balkanstaaten, begleitet von der ständigen Angst vor der Polizei und der Armee. Nora, die Zweitjüngste, war während der Flucht anderthalb Jahre alt. „Sie hatte Albträume und hat viel geweint“, erzählt Haji.

Nach vielen Tagen auf der Flucht erreichten Haji und ihre Kinder Deutschland. Sie wohnten ein paar Wochen lang im Flüchtlingscamp in Bramsche, bevor sie im September nach Göttingen übergesiedelt wurden. Boraki kam drei Monate später nach.

Heute lebt die Familie in einer Göttinger Wohnung. Die Eltern besuchen Deutschkurse, die Kinder gehen zur Schule und in den Kindergarten. „Wir haben hier Sicherheit gefunden“, sagt Boraki. „Die Kinder sind glücklich. Sie können spielen und zur Schule gehen. Hier ist nichts, was ihnen Angst macht.“ Albträume haben die Kinder nicht mehr.

Von Flora Hallmann

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